Änderungen zur neuen Saison: 18 Teams, Corona-Tests und weniger Zuschauer

Illustrationsfoto: Michal Jarmoluk

Gegenüber anderen Ländern startet die erste tschechische Fußball-Liga schon sehr früh in die neue Saison – und zwar an diesem Wochenende. Und obwohl noch kein einziger Pfiff ertönt ist, ist schon jetzt klar: Es wird eine höchst ungewöhnliche Spielzeit. Dafür sorgten und sorgen die Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie. Eine davon ist die Aufstockung der Liga von 16 auf 18 Mannschaften. Zu dieser Neuerung wie auch zu den Auflagen, die mit der Pandemie verknüpft sind, gibt es viele Meinungen.

FK Pardubice (Foto: ČTK / Josef Vostárek)

„In der nächsten Saison werden 18 Mannschaften in der ersten Liga spielen. Nach der Spielzeit kehren wir aber zur Zahl von 16 Teilnehmern zurück.“

Das verkündete der Vorsitzende des Liga-Verbandes (LFA), Dušan Svoboda, auf der Tagung dieses Gremiums im Juli. Die Aufstockung der Teilnehmerzahl von 16 auf 18 Teams war notwendig geworden, weil die vergangene Saison 2019/20 wegen eines positiven Coronavirus-Testfalls nicht dem Reglement entsprechend zu Ende gespielt werden konnte. Deshalb stieg kein Erstligist ab, und neben dem sportlich qualifizierten Aufsteiger aus Pardubice darf in dieser Saison auch Zbrojovka Brünn als Zweiter der zweiten Liga im Oberhaus starten. Deswegen erhöht sich auch die Zahl der Spieltage von 30 auf 34.

Bohemians 1905 (Foto: ČTK / Michal Kamaryt)

„Ich bin froh, dass es mehr Spiele gibt. Denn 30 Begegnungen in einer Saison halte ich für etwas wenig“, sagt dazu der Trainer von Bohemians Prag, Luděk Klušáček. Und Jan Mikula, der Kapitän von Slovan Liberec, ergänzt:

„34 Spieltage, das ist eine Zahl, wie es sie auch in der Mehrzahl der großen europäischen Ligen gibt. Und meine Meinung ist: Je mehr Teams um Punkte kämpfen, umso besser ist das Format.“

Tomáš Rosický (Foto: ČTK / Michaela Říhová)

Etwas zurückhaltender in seiner Meinung ist der Sportdirektor von Sparta Prag, der Ex-Bundesligaprofi Tomáš Rosický:

„Ich finde, das Modell mit 18 Teilnehmern könnte eventuell interessanter sein für die tschechische Liga. Auf alle Fälle aber werden wir nach der Saison eine gute Vergleichsmöglichkeit haben.“

Nach der Saison aber wird die Zahl der Teilnehmer wieder von 18 auf 16 reduziert. Das heißt, es werden drei Mannschaften absteigen, und nur der Erste der zweiten Liga rückt ins Oberhaus auf. Von daher dürfte der Abstiegskampf in dieser Saison besonders spannend werden.

Illustrationsfoto: wgbieber, Pixabay / CC0

Womit alle Teams aber ständig rechnen müssen, ist ein positiver Befund bei den regelmäßigen Tests auf das Coronavirus. Keiner ist davor gefeit, und das musste jüngst auch Titelverteidiger Slavia Prag erfahren. Wegen eines positiv getesteten Spielers brachen die Prager ihr Trainingslager in Österreich frühzeitig ab, um dann komplett in eine zweiwöchige Quarantäne zu gehen. Mittlerweile wurde die Dauer der Quarantäne durch einen Beschluss des Gesundheitsrats der Regierung auf zehn Tage verkürzt. Bis auf den positiv Getesteten sind alle Slavia-Spieler wieder im Training, und dennoch gibt es für den Saisonauftakt des Meisters am Sonntag mit der Auswärtspartie in České Budějovice / Budweis noch kein grünes Licht. Der Sprecher des Vereins, Michal Býček:

FC České Budějovice (Foto: ČTK / Václav Pancer)

„Die Ergebnisse des dritten Corona-Kontrolltests sind bei allen Spielern und Verantwortlichen von Slavia negativ, mit Ausnahme des infizierten Spielers. Der Club hat vom Gesundheitsamt die Genehmigung erhalten, das Sonntagsspiel in Budweis bestreiten zu können. Allerdings unter der Voraussetzung, dass auch die Ergebnisse des vierten Tests am Samstag alle negativ sind.“

Tests auf das Coronavirus werden also in der neuen Saison ein ständiger Begleiter sein für alle Mannschaften nebst ihren Betreuerstäben. Das sei jedoch kein Problem, findet Jan Mikula, Mannschaftskapitän von Slovan Liberec:

„Am Anfang hat uns das noch einiges Kopfzerbrechen bereitet, inzwischen aber haben wir uns daran gewöhnt. Der Test dauert nicht lange, und danach wissen wir wenigstens, ob er negativ ist. Ich hoffe nur, dass es für uns so weitergeht.“

Martin Wilczek (Foto: Archiv FAČR)

In Zusammenarbeit mit dem tschechischen Fußballverband (FAČR) hat der Liga-Verband nun auch ein entsprechendes Handbuch erstellt, wie, wann und wo alle für diese Saison erforderlichen Hygienemaßnahmen durchzuführen sind. Und diese müssen nicht nur die Spieler einhalten, erläutert Martin Wilczek. Er ist Mitglied der Schiedsrichterkommission:

„Am Donnerstag unterziehen sich alle Schiedsrichter und Schiedsrichterbeobachter einer ersten Testreihe, am Freitagvormittag sollten dazu die Ergebnisse vorliegen. Danach werden sie in regelmäßigen Abständen getestet. Noch nicht beschlossen wurde indes, wie groß die Abstände zwischen den Tests sein werden. Fest steht aber, dass die Spieler der ersten Liga einmal wöchentlich getestet werden und die Spieler der zweiten Liga nur einmal im Monat. Letztlich wird man jedoch sehen, ob die Leitung des Fußballverbandes noch mögliche Korrekturen vornimmt.“

In dieser Saison haben also alle Mannschaften viel zu beachten, sodass hoffentlich noch Platz für das Fußballspiel selbst bleibt. Doch vor allem wird gewünscht, dass jetzt auch wieder möglichst viele Zuschauer in die Stadien zurückkehren. Zu diesem Punkt wurde am Mittwoch eine neue Entscheidung getroffen. Ab sofort ist es erlaubt, zehn voneinander getrennte Sektoren mit Sitzplätzen zu öffnen, bisher waren es nur fünf. In diesen Sektoren dürfen jeweils bis zu 500 Menschen Platz nehmen bei Indoor-Veranstaltungen sowie 1000 Menschen bei Aktionen im Freien, erklärte Gesundheitsminister Adam Vojtěch (parteilos) vor Journalisten.

Autor: Lothar Martin
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