Gericht hebt 70 Jahre altes Urteil aus der Zeit der Kollektivierung der Landwirtschaft auf

Das Gericht in Strakonice hat am Dienstag das fast 70 Jahre alte Urteil im Fall der ehemaligen Gutsbesitzerin Marie Švejdová aufgehoben. 1955 wurde sie als „Kulakin“ bezeichnet und zu drei Jahren Gefängnis verurteilt. Das Gericht hob das Urteil auf, das ursprünglich unter anderem auch eine Geldstrafe und die Beschlagnahme des Eigentums der Gutsbesitzerin umfasste und auch ihre Tochter betraf. Švejdová lebte in den Jahren 1905 bis 1989. Die Gerichtsentscheidung wurde am Dienstag ihren Enkelinnen mitgeteilt. Ihr Anwalt Lubomír Müller sagte, das heutige Urteil habe vor allem wegen Švejdovás Tochter Jarmila Martínková Bedeutung, die im Jahre 2000 starb. Frau Švejdová wurde dem Anwalt zufolge vollständig rehabilitiert, ihre Tochter wurde jedoch vergessen. Sie sei nicht verurteilt worden und trotzdem sei die Hälfte ihres Eigentums beschlagnahmt worden, so Müller.

Laut dem Obersten Gerichtshof wurde der Prozess gegen Švejdová aus politischen Gründen – im Rahmen der Kollektivierung der Landwirtschaft – geführt. Der Oberste Gerichtshof hob 2014 das ursprüngliche Urteil auf und leitete den Fall an die Staatsanwaltschaft in Strakonice weiter.