Gesellschaft Cesky Telecom steht als attraktive Braut hoch im Kurs

Im heutigen Wirtschaftsmagazin informiert Sie Lothar Martin darüber, welches tschechische Staatsunternehmen derzeit gerade in der heißen Privatisierungsphase steht und weshalb es gerade in letzter Zeit zu einer attraktiven Größe in seiner Branche herangereift ist.

Im Zuge der seit 1990 in der damaligen Tschechoslowakei eingeleiteten und nach der Teilung des Landes noch verstärkt fortgesetzten Privatisierung früherer sozialistischer Kombinate und anderer Großbetriebe sind in der Tschechischen Republik nur noch wenige lukrative Unternehmen verblieben, die man entstaatlichen kann und will. Das attraktivste unter ihnen ist zweifellos die Telekommunikationsgesellschaft Cesky Telecom. Lange wurde der Verkauf des staatlichen Mehrheitsanteils von 51,1 Prozent hinausgeschoben, doch bis zum 31. März soll zumindest eine Vorentscheidung fallen. Nämlich unter den drei Branchenvertretern Telefonica aus Spanien, Belgacom aus Belgien und Swisscom aus der Schweiz sowie zwei Investmentgruppen. Die eine davon kommt aus den Vereinigten Staaten, und die zweite, das tschechisch-slowakische Konsortium PPF/J&T, war zum Abgabeschluss des Erstgebots Anfang Februar mit 71,3 Milliarden Kronen (knapp zweieinhalb Milliarden Euro) der Spitzenreiter unter den Bewerbern. Doch was bekommt der mögliche Sieger aus diesem Privatisierungsverfahren für sein Geld geboten? Dazu erfuhr Radio Prag vom Sprecher der Cesky Telecom, Vladan Crha, zunächst folgendes:

"Gegenwärtig verfügt die Cesky Telecom über fast dreieinhalb Millionen Festnetzanschlüsse und über 4,6 Millionen aktivierte Mobilfunknummern. Der Gesamtertrag unseres Unternehmens, d. h. der Cesky Telecom und ihrer Tochtergesellschaft Eurotel, betrug im vergangenen Jahr rund 62 Milliarden Kronen, was umgerechnet etwa zwei Milliarden Euro entspricht. Die Anzahl der Beschäftigten, die sich seit Ende 2003 / Anfang 2004 infolge des von der neuen Telecom-Leitung auf den Weg gebrachten Restrukturierungsprogramms ständig verringert, bewegt sich derzeit im Bereich von 9000 Arbeitnehmern."

Vladan Crha hebt hervor, dass beide Dienstleistungssegmente der Cesky Telecom, der Festnetz- wie der Mobilbereich, einen in etwa gleich großen Anteil am guten Wirtschaftsergebnis der Gesellschaft im Jahr 2004 haben, auch wenn nicht zu übersehen ist, dass Eurotel mit dem erzielten Gewinn von 6,6 Milliarden Kronen die Mutterfirma um eine Milliarde Kronen bei der Profitausbeute übertroffen hat. Das sei jedoch normal, da die staatliche Telecom von ihrem Besitzer strikt vorgeschriebene Investitionen zu tätigen habe, die den Ertragserlös nach unten drücken. Aber man sei schon stolz auf den Mobilfunkanbieter Eurotel, der mit seinen 4,6 Millionen aktivierten SIM-Karten 43 Prozent aller Kunden auf sich vereint und damit der Marktführer in Tschechien ist. Diese positive Entwicklung von Eurotel habe die Cesky Telecom von Anfang an begleitet, sagte Vrha:

"Eurotel wurde Mitte der 90er Jahre als Tochtergesellschaft der Cesky Telecom gegründet, wobei sich die Telecom zunächst mit dem Mehrheitsanteil von 51 Prozent begnügte. Die übrigen 49 Prozent besaßen unsere amerikanischen Partner, das Konsortium Atlantik West. Wir haben uns jedoch zum Ende des Jahres 2003 entschieden, den Amerikanern diese 49 Prozent abzukaufen, so dass wir unsere Besitzrechte an Eurotel auf die kompletten 100 Prozent erhöht haben."

Die auf dem hiesigen Markt führende Position von Eurotel ist noch höher einzustufen, wenn man weiß, dass der tschechische Primus sie in harter Konkurrenz zu den beiden weiteren Mobilfunkbetreibern T-Mobile und Oskar erreicht hat. Aber Konkurrenz belebt bekanntlich das Geschäft, und daher kann die Tschechische Republik in der Mobilfunkbranche auf ganz erstaunliche Zahlen verweisen. Auf die Frage, ob er das auch so sehe, antwortete Vladan Crha:

"Ganz sicher. Wenn Sie nur darauf schauen, in welcher Art und Weise sich der tschechische Mobilfunkmarkt in den zurückliegenden Jahren entwickelt hat, dann muss man feststellen, dass diese Entwicklung sehr dynamisch war. Die Konkurrenz ist verhältnismäßig hart, doch man kann sagen, dass die dadurch erzielten Ergebnisse ihresgleichen suchen. Es handelt sich um Zahlen, wie sie kaum ein Land in Europa vorzuweisen hat. Gegenwärtig ist die Ausstattung der tschechischen Bevölkerung mit einer mobilen Telefonverbindung nämlich größer als 100 Prozent! Das bedeutet, dass nicht wenige Kunden mehr als nur ein Handy benutzen. Daraus wird also gut ersichtlich, dass dieser Markt sehr dynamisch und sehr konkurrenzfähig ist."

In der Tat, mit nahezu 10,8 Millionen aktivierten Mobilfunknummern hat die Tschechische Republik bei einer Bevölkerungszahl von rund 10 Millionen Einwohnern im vorigen Jahr eine mehr als 100-prozentige Auslastung erreicht. Im Gegensatz zur Entwicklung in der mobilen Branche ist das Telefonieren mit einem Festnetzanschluss in Tschechien zurückgegangen. Im vergangenen Jahr wurden von den Kunden der Cesky Telecom 217.000 Telefone abgemeldet. Die vorherrschende Meinung, dass dies auf die unattraktiv hoch gewordenen Grundgebühren, die man für die Nutzung eines Telefons monatlich zu entrichten hat, zurückzuführen sei, wollte Crha als alleinigen Grund dafür jedoch nicht stehen lassen.

"Was den Rückgang der Festnetzanschlüsse anbelangt, da ist es tatsächlich zu einer Verringerung der angemeldeten Telefone gekommen. Auf der anderen Seite haben wir im vergangenen Jahr einen neuen Rekordzuwachs von Nutzern des High-Speed-Internets verzeichnet. Ich denke, dass das mit Sicherheit ein ganz wichtiger Service für unsere dauerhaften Telefonkunden ist, und zwar deshalb, weil sie damit auch ihren Festnetzanschluss wieder öfter nutzen. Ein weiterer Bereich, dem wir inzwischen ein großes Augenmerk schenken und dem wir uns in Zukunft noch mehr widmen wollen, ist unser Beitrag an der Entwicklung des digitalen Fernsehens in der Tschechischen Republik. Wir haben gegenwärtig bereits eine Verteilerfunktion inne, d. h. wir gewährleisten die Übertragung des Signals für das Tschechische Fernsehen. Wir arbeiten darüber hinaus mit weiteren TV-Stationen zusammen. Das sind unserer Meinung nach die Bereiche, in denen das Festnetz derzeit unersetzbar bzw. sehr gut ausgenutzt ist."

Wie aus all den Ihnen heute präsentierten Zahlen und Entwicklungstendenzen ersichtlich wird, ist die tschechische Telefongesellschaft Cesky Telecom mit ihrer Mobilfunktochter Eurotel ein sehr prosperierendes Unternehmen, das durchaus optimistisch in die Zukunft schauen darf. Und das unabhängig davon, welcher der fünf Bewerber um den Kauf der staatlichen Mehrheitsanteile am Ende das Rennen macht. Daher wollte ich von Vladan Crha zum Abschluss wissen, ob es nicht erfreulich sei, eine solch gefragte Firma für die in- und ausländischen Anbieter zu sein:

"Ganz subjektiv gesehen ist das erfreulich, aber sicher ist es vor allem für den Verkäufer, also für die tschechische Regierung besonders erfreulich. Sie muss es dann auch beurteilen, ob die bisher gemachten Angebote ausreichend lukrativ sind und ob sie daher einen Bewerber zum Käufer und damit zum neuen Mehrheitseigner der Cesky Telecom macht. Das ist also in erster Linie die Angelegenheit des Inhabers des 51-prozentigen Aktienanteils, der derzeit der Nationale Eigentumsfonds bzw. die tschechische Regierung ist."

So wie alle anderen tschechischen Medien auch wird Radio Prag genau verfolgen, wer letztlich das Rennen macht und unter welcher Flagge die Cesky Telecom in Zukunft marschieren wird. Darüber werden wir zum gegebenen Zeitpunkt berichten.