Tschechischer Global Teacher Prize geht erstmals an Berufsschule
Kinder und Jugendliche, die in diesen schnelllebigen Zeiten aufwachsen, brauchen fitte und inspirative Lehrer. Darum gibt es auch in Tschechien den Global Teacher Prize.
Ihr fehlten die Worte, sagte Eliška Havránková, als ihr Ende Mai in Prag der Global Teacher Prize verliehen wurde. Es ist das erste Mal in den neun Jahren, die es diesen Wettbewerb auch in Tschechien gibt, dass eine Berufsschullehrerin ausgezeichnet wird. Bisher hatten immer Pädagogen aus Grundschulen oder Gymnasien das Rennen gemacht.
Havránková unterrichtet Berufspraxis für verschiedene kunsthandwerkliche Gewerbe. Ihr Schulzweig ist eingebettet in die Akademie des Städtchens Světlá nad Sázavou, das etwa 100 Kilometer südöstlich von Prag liegt. Unter einem Dach sind hier Berufsschule, Gymnasium und Fachhochschule mit kunsthandwerklichem Schwerpunkt vereint. Dem eigenen Motto zufolge handelt es sich um eine „Schule, an der alles möglich ist“. Nach der Preisverleihung äußerte Havránková gegenüber den Reportern des Tschechischen Rundfunks:
„Für mich ist es eine Ehre, hier die Fachausbildung und das Handwerk vertreten zu können. Sie haben in jeder Nation einen wichtigen Platz, also auch in Tschechien. Trotzdem entscheiden sich nicht allzu viele Menschen für diese Berufe, und vielleicht war dies letztlich auch mein Vorteil.“
Eine Rolle hat laut Jury aber auch gespielt, dass Havránková es verstehe, eine freundliche Unterrichtsatmosphäre zu schaffen. Außerdem wurde hervorgehoben, dass sie die Theorie mit der Praxis verbinde. So ermöglicht Havránková ihren Schülern etwa, ihre Arbeiten in Kooperation mit dem Nationalmuseum in Prag öffentlich auszustellen. Und weiter sagt die Lehrerin:
„Ein großer Sinn dieses Preises besteht für mich darin, dass er eine Community an Lehrern bildet, in der ein Informationsaustausch stattfinden kann. Dies kann bestimmte Erfahrungen betreffen oder auch Unterrichtsmaterialien und Quellen.“
Der Wettbewerb Global Teacher Prize entstand zunächst auf weltweiter Ebene. Die mit einer Million US-Dollar dotierte Auszeichnung wird seit 2015 verliehen. Die tschechische Variante gibt es seit 2017 und wird von der Organisation EDUin organisiert. Der Hauptpreis ist hierzulande mit einer Summe von 100.000 Kronen (rund 4000 Euro) verbunden. Außerdem gibt es einen zweiten Platz, der mit 50.000 Kronen (rund 2000 Euro) dotiert ist, und einen dritten Platz mit einem Preisgeld von 30.000 Kronen (rund 1200 Euro).
Des Weiteren wurde bei der Zeremonie im Prager Wallenstein-Palais auch ein Sonderpreis vergeben: Solomia Makovska wurde für ihre Integrationsarbeit ausgezeichnet. Sie stammt aus der Ukraine und lehrt Englisch an der Masaryk-Grundschule in Jihlava:
„Für mich ist das eine riesige Motivation und eine große Ehre, heute diesen Sonderpreis bekommen zu haben. Und das nicht nur, weil ich Lehrerin bin und das mache, was ich liebe – sondern auch, weil ich erst seit drei Jahren in Tschechien lebe. Ich verstehe diese Auszeichnung nicht nur professionell, sondern auch menschlich und persönlich.“
Die Nominierungen für den diesjährigen Global Teacher Prize in Tschechien wurden vom 1. November bis zum 20. Dezember 2024 entgegengenommen. Pädagogen können sich den Regeln zufolge auch selbst zu dem Wettbewerb anmelden. Über die Sieger entschied eine 15-köpgige Fachjury. Für die insgesamt elf Finalisten dieses Jahrgangs wird es im August noch eine viertägige Sommerschule geben.