Heilige Zdislava gerettet und Schädel aus dem Beton befreit – Dominikaner sprechen von einem Wunder

Ausgeraubter Reliquiar in Jablonné v Podještědí

Vergangene Woche schockte dieser Diebstahl ganz Tschechien: Am helllichten Tag war der Schädel der heiligen Zdislava aus der Basilika in Jablonné v Podještědí entwendet worden. Doch der Kriminalfall hatte ein gutes Ende: Der Täter wurde gestellt und das Diebesgut gefunden. Allerdings musste der fast 800 Jahre alte Schädel aus einem Betonblock befreit werden.

Schädel der heiligen Zdislava | Foto: Policie ČR

Am Sonntag kam die Nachricht – der Schädel der heiligen Zdislava von Lämberg ist gerettet. Dies hat bei Gläubigen in Tschechien große Freude und Erleichterung ausgelöst. Vor einer Woche war die Reliquie aus dem Hochmittelalter gestohlen worden. Ein 35-jähriger Mann zerstörte die Vitrine in der Basilika in Jablonné v Podještědí und nahm den Schädel an sich. Nur zwei Tage später konnte die tschechische Polizei den mutmaßlichen Täter aufspüren und festnehmen. Doch der Mann hatte den Schädel in Beton gegossen. Es drohte der Verlust der Reliquie. Umsichtige Restauratoren haben dies aber verhindert. Und bei den Dominikanern, zu deren Kloster die Basilika gehört, ist die Erleichterung groß…

Basilika in Jablonné v Podještědí | Foto: Johana Tománková,  Tschechischer Rundfunk

„Das ist ein Wunder im Prinzip für den gesamten Kreis. Der Einsatz der Polizei war tadellos. Und wir sind sehr froh. Denn so schnell unsere Zdislava wiederzufinden, gleicht einer Fürbitte direkt aus dem Himmel“, sagte Schwester Roberta in den Inlandssendungen des Tschechischen Rundfunks.

Basilika in Jablonné v Podještědí | Foto: Jiří Jelínek,  Tschechischer Rundfunk

Auch die Bewohner des Städtchens in Nordböhmen zeigten sich begeistert von dem Erfolg der Restauratoren, die den Schädel der heiligen Zdislava aus dem Beton befreien konnten – so wie diese Frau:

„Das ist wunderbar. Denn es gab ja auch Nachrichten, dass dies vielleicht nicht gelingen würde und der Schädel für immer zerstört wäre. Das wäre wahnsinnig schade gewesen.“

Protest gegen Zurschaustellung

Foto: Vít Černý,  ČTK

Der mutmaßliche Täter wird im Übrigen von seinem Verteidiger als tiefgläubiger Mensch beschrieben. Laut der Polizei wollte er gegen die Zurschaustellung des Schädels protestieren und diesen in Beton gegossen in einem Fluss versenken. Sein Verteidiger sagte der Presseagentur ČTK indes, sein Mandant bereue es, nicht auf andere Weise gegen den Umgang der Kirche mit der Reliquie protestiert zu haben. Dem Beschuldigten drohen bei einem Schuldspruch bis zu acht Jahre Haft. Da keine Fluchtgefahr besteht, wurde der Mann nicht in Untersuchungshaft genommen.

Foto: Archiv des Bistums Litoměřice

Im Kloster hofft man nun, dass der Schädel schon zur Zdislava-Wallfahrt am 30. Mai wieder in der Basilika ausgestellt werden kann. Allerdings sind Teile des Knochens bei dem Diebstahl abgesplittert. Pavel Maria Mayer ist der Dekan des Dominikanerklosters:

„Nachdem der Täter das Glas der Vitrine brutal eingeschlagen hatte, zog er den Schädel aus dem Reliquiar heraus. Dabei war die Öffnung aber etwas zu klein, weswegen der Schädel beschädigt wurde. Fünf große Absplitterungen blieben im Reliquiar zurück.“

Das bedeutet nun weitere Arbeit für die Restauratoren. Sie versuchen, die abgesplitterten Teile wieder zu verkleben. Außerdem laufen noch die polizeilichen Ermittlungen, und der Schädel gilt als Beweisstück.

Künftiger Umgang ungeklärt

Der Prager Erzbischof Stanislav Přibyl zeigte sich zwar wie alle anderen hocherfreut über die Rettung der Reliquie. Was indes künftig mit dem Schädel geschehen solle, ist seinen Worten nach aber noch nicht geklärt…

Stanislav Přibyl | Foto: Josef Beneda,  Tschechischer Rundfunk

„Wann und ob der Schädel wieder ausgestellt wird, und in welcher Weise das dann geschehen soll, kann ich noch nicht sagen. Denn wir würden gerne zusammen mit dem Kreis Liberec, der Pfarrgemeinde, dem Bistum und weiteren Institutionen eine Kommission schaffen, um gerade darüber nachzudenken, wie künftig der Schädel der heiligen Zdislava präsentiert werden soll“, so der Erzbischof.

Reliquie der heiligen Zdislava von Lämberg | Foto: Jaroslav Hoření,  Tschechischer Rundfunk

Zdislava von Lämberg wird als Schutzheilige von Familie, Kranken und Armen verehrt. Die Adelige starb 1252 im Alter von 33 Jahren. 1907 wurde sie selig- und 1995 heiliggesprochen.

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