Spitzen aus dem Erzgebirge – über 500 Jahre alte Handwerkstradition

Spitzen wurden im Erzgebirge bereits im 16. Jahrhundert kreiert. Geklöppelte sowie genähte Spitzen stehen im Fokus einer neuen Ausstellung im Regionalmuseum in Teplice.

Das Thema der Ausstellung im Schloss von Teplice ist die Geschichte des Jahrhunderte alten Handwerks, das sowohl die Vertreibung der deutschsprachigen Bevölkerung als auch das Aufkommen der Textil-Großproduktion überlebt hat. Dank geschickter Spitzenklöpplerinnen und Näherinnen wird die Tradition der aufwendigen Textilhandwerkstechniken im Erzgebirge aufrechterhalten.

Helena Svatková | Foto: Miroslav Kompuš,  Regionalmuseum in Teplice

In der Schau werden Produkte von sieben Menschen gezeigt. Zu ihnen gehört Helena Svatková. Mit dem Spitzenklöppeln beschäftigt sie sich 30 Jahre lang. Sie macht auf Exponate aufmerksam, die von ihr stammen:

„Ich habe diese Schwalben geklöppelt. Der Hut aus Spitze ist nicht nur ein Exponat, sondern ich trage ihn auch. Die Spitze muss vorher jedoch gestärkt werden. Ich würde der Spitze wünschen, dass sie weiterhin möglichst schön und beliebt ist. Und vor allem, dass sie weiter lebt.“

Foto: Jana Vitásková,  Tschechischer Rundfunk

Jana Schönhöferová klöppelt Schmuck. Sie trägt ihn auch selbst – wie beispielsweise ihre Ohrringe aus Spitze. Die Spitzenklöpplerin erklärte in den Inlandssendungen des Tschechischen Rundfunks:

Jana Schönhöferová | Foto: Gabriela Hauptvogelová,  Tschechischer Rundfunk

„Die Technik ist seit 200 Jahren dieselbe. Das Material ändert sich jedoch. Ich habe mit Leinen- und Baumwollzwirn begonnen. Heute arbeiten wir überwiegend mit Effektivzwirn. Aber die Baumwolle mag ich sehr. Für den Schmuck nutze ich beispielsweise auch Perlen. Sie stärken den Effekt und wecken Interesse.“

Und nicht nur das – Perlen beschweren die Spitze, denn der Schmuck wiegt sonst fast nichts.

Jana Schönhöferová und Jaroslav Prášil | Foto: Miroslav Kompuš,  Regionalmuseum in Teplice

Sechs Frauen präsentieren ihre zarten Kunststücke aus Spitze im Museum. In zwei Ausstellungssälen werden zudem Werke von Jaroslav Prášil gezeigt. Der Künstler, Glasmacher, Spitzenklöppler und Pädagoge verbindet das traditionelle Handwerk mit bildender Kunst. Die Schau findet anlässlich seines 80. Geburtstags statt. Kuratorin Alena Hubáčková merkt an, dass Prášil sogar den Flachs selbst züchten würde, aus dem er die Fäden spinnt:

Foto: Jana Vitásková,  Tschechischer Rundfunk

„Er bewahrt die Tradition gewissenhaft. Jede der vorgestellten Persönlichkeiten ist auch Lektorin oder Lektor. Wichtig ist, dass sie alle das Handwerk an die nächsten Generationen weitergeben.“

Die Ausstellung soll die Bemühungen unterstützen, die Spitzenherstellung im Erzgebirge als ein anerkanntes Handwerk in die Liste des immateriellen Kulturerbes des Kreises Ústí nad Labem / Aussig einzutragen.

Foto: Miroslav Kompuš,  Regionalmuseum in Teplice

Die Ausstellung mit dem Titel „Sieben Persönlichkeiten der erzgebirgischen Spitzenklöppelei“ ist im Regionalmuseum in Teplice bis 30. August dieses Jahres zu sehen. Das Museum ist von Dienstag bis Freitag von 13 bis 18 Uhr und am Samstag und Sonntag von 10 bis 12 Uhr sowie von 13 bis 18 Uhr geöffnet. Das Museum hat seinen Sitz im Schloss von Teplice. Mehr erfahren Sie unter https://zamek-teplice.cz/de.

keine ergebnisse gefunden