Vor 135 Jahren bekam der Prager Petřín eine Seilbahn und den Aussichtsturm
Zwei beliebte Besucherziele haben den Petřín / Laurenziberg in Prag zu Ende des 19. Jahrhunderts bedeutend verändert: die Standseilbahn und der Aussichtsturm.
Zur Prager Landes-Jubiläumsausstellung im Jahr 1891 wurde auch der Petřín umgestaltet. Am 25. Juli des Jahres fuhr erstmals die Seilbahn auf den beliebten Ausflugsberg, und einen knappen Monat später wurde die verkleinerte Nachbildung des Eiffelturms eröffnet.
Wasserbetriebene Standseilbahn
Die Standseilbahn sollte die Besucher der Jubiläumsausstellung zum neuen Aussichtsturm bringen. Sie war zu diesem Zeitpunkt die längste ihrer Art in der Donaumonarchie. Fünf Monate dauerte ihr Bau, und zunächst wurde sie als Wassergewichtsseilbahn betrieben. Das heißt, dass die Wasserbehälter des Wagens in der Bergstation aufgefüllt wurden, und die des Wagens in der Talstation geleert. Mit einem Seil verbunden zog der talfahrende Wagen den nach oben fahrenden hoch.
Das Problem war indes, dass das Wasser im Winter gefror. Außerdem führte das Auffüllen der Behälter immer zu einem Druckabfall in den Wasserleitungen der Häuser in der Straße Újezd. Dann wurde der Betrieb der Standseilbahn im Jahr 1916 allerdings durch den Ersten Weltkrieg unterbrochen.
Verkleinerte Kopie des Eiffelturms
Als im Juli 1891 die Seilbahn schon fuhr, nutzten dies viele Besucher, um sich die Bauarbeiten am Aussichtsturm anzuschauen. Dieser sollte von Anfang an eine Kopie des berühmten Pariser Eiffelturms im Verhältnis von 1:5 sein. Das Prager Exemplar ist 58,7 Meter hoch, und 299 Stufen führen auf die Aussichtsplattform. Der Turm auf dem Petřín entstand nur zwei Jahre nach Eröffnung des Originals in der französischen Hauptstadt. Mit ihm wollte man das eigene Selbstbewusstsein und den technischen Fortschritt in Prag demonstrieren.
Erneuerung der Seilbahn
Die Standseilbahn auf den Petřín fuhr erst ab 1932 wieder, als sie auf elektrischen Betrieb umgestellt wurde. Die nächste Unterbrechung kam 1965 durch einen Bergrutsch. Danach dauerte es 20 Jahre bis zur nächsten Wiederinbetriebnahme. Seitdem wurden 55 Millionen Fahrten verzeichnet, was die Seilbahn zum bestbesuchten Touristenziel in Tschechien macht.
Allerdings ruht der Betrieb derzeit wegen einer umfassenden Erneuerung nach Schäden an den Gleisen durch Starkregen im Jahr 2024. Die komplett neuen Wagen wurden vom österreichisch-schweizerischen Firmenkonsortium Doppelmayr/Garaventa hergestellt. Auf Probefahrten werden sie bereits getestet und sollen im September in den Fahrgastbetrieb gehen.
