4. Auf Propagandamission
Seit seiner Gründung 1936 war es die Hauptaufgabe unseres Auslandssenders, die Welt über das Geschehen in der Tschechoslowakei zu informieren. In den Jahren 1948 bis 1989 hatte Radio Prag aber noch eine weitere Rolle zu erfüllen – nämlich die Weiterverbreitung der kommunistischen Idee. Seine Propagandamission erfüllte Radio Prag manchmal unauffällig und subtil, manchmal auch ganz offen.
Für die USA zum Beispiel wurden zwei parallele Programme erstellt. Das gemäßigtere beinhaltete die Propaganda eher zwischen den Zeilen und war für die Auslandstschechen und -slowaken bestimmt. Ihre Bindung an die alte Heimat sollte aufrechterhalten werden, so etwa mit persönlichen Erinnerungen und Wohlfühlreportagen.
In dem zweiten Programm für Übersee wandte sich Radio Prag in Englisch an die breite US-amerikanische Bevölkerung. In diesen Beiträgen tritt die politische Einflussnahme deutlicher zutage. Thema war zum Beispiel ein Stopp der Atomwaffentests. Die Gefahr durch Kernwaffen war ein wichtiges Thema. Anfang August 1959 gedachte die Welt dem 14. Jahrestag der Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki. Im USA-Programm von Radio Prag lief deswegen ein Sonderbeitrag, der als Mischung aus Hörspiel und Dokumentation produziert wurde und den Titel „Future Imperative“ (Imperativ der Zukunft) trug. Atomwaffentests würden auch eine Gefahr für die kommenden Generationen darstellen, so die Botschaft.
Programm auf Suaheli
Auch nach Afrika wurde auf Englisch gesendet. Ab Ender der 1950er Jahre wurde dieser Kontinent zu einem hoffnungsvollen Ziel für die kommunistische Propaganda. „Liebe Freunde in Afrika! Zum ersten Mal in der Geschichte des Tschechoslowakischen Rundfunks konnten heute on Air die folgenden Worte gehört werden: Radio Prag ruft die englischsprachigen Freunde in Afrika! Von nun an werden wir jeden Tag für Sie senden“ – so verlautete es 1960 aus dem Prager Studio. Und fünf Jahre später wurde das Angebot durch ein Programm auf Suaheli erweitert.
Einfluss gewann Radio Prag aber auch mit seinen Sendungen in Richtung Spanien. Die dortige Franco-Diktatur wurde 1962 durch einen zweimonatigen Bergarbeiterstreik herausgefordert, und die einheimischen Medien unterlagen einer strengen Zensur. Mit seiner Berichterstattung über die Proteste wurde das spanische Programm von Radio Prag zu einer wichtigen Informationsquelle für die Bevölkerung in dem westeuropäischen Land. Das war nicht ungefährlich, wie der damalige Redakteur Antonio Casado erzählt.
Spanisch war auch die Sprache, in der die Auslandsredaktion ein Jahrzehnt später gegen die Diktatur von General Augusto Pinochet in Chile ansendete. Es wurde eine eigenständige Redaktion gegründet, zu deren Mitarbeitern linksgerichtete chilenische Journalisten gehörten, die aus ihrem Land geflohen waren. Sie erstellten etwa eine Sendung mit dem Titel „Chile wird siegen“. Welche Priorität dieses Programm für die Regierung in Prag hatte, beweist die besondere Ehrung für einen Radio-Prag-Mitarbeiter. 1976 nahm Rolando Carrasco den Preis des Tschechoslowakischen Rundfunks entgegen – für seine Serie „Zeugnis eines chilenischen Inhaftierten“.
Geheime Italien-Redaktion
Neben Spanien gehörten Italien und Frankreich zu den wichtigsten westeuropäischen Zielländern des Auslandssenders. Denn die kommunistischen Parteien hatten in diesen beiden Staaten eine relativ große gesellschaftliche Bedeutung. Und sie durften die Inhalte von Radio Prag direkt beeinflussen.
Das französische Programm unter Kontrolle der dortigen Kommunistischen Partei hatte nicht lange Bestand. Aber die Sendung „Oggi in Italia“ (Heute in Italien) ging bis Ende der 1960er über den Äther. Es wurde von einer besonderen Redaktion erstellt, bestehend aus ehemalige Partisanen. Sie erweckte den Anschein, sie würde direkt aus Italien senden. Das Team saß nicht im Prager Rundfunkhaus, sondern an einer geheimen Adresse im Stadtteil Nusle.
Die letzte gezielte Propagandamission nahm Radio Prag zu Beginn der 1980er Jahre auf. Sie zielte ins benachbarte Polen. Dort hatte 1980 eine Streikwelle eingesetzt, und die unabhängige Gewerkschaft Solidarnosc wurde gegründet. Das sozialistische Regime im Bruderstaat Polen wurde erschüttert, darum kam der Tschechoslowakische Rundfunk zu Hilfe. Auf die Schnelle wurde ein Programm erstellt, für das polnischsprachige Redakteure aus dem Rundfunkhaus in Ostrava / Ostrau vorübergehend nach Prag entsandt wurde.
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