Jüdisches Mähren: In Brünn beginnt ein ungewöhnliches Projekt

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Gustav Mahler, Sigmund Freud oder die Schriftsteller Ernst Weiss und Hermann Ungar sind nur einige der herausragenden jüdischen Persönlichkeiten, die aus Mähren kamen. Es ist in Tschechien also nicht nur die Hauptstadt Prag, in der man - bis der Nationalsozialismus eine weitere Entwicklung verhinderte - auf eine rege jüdische Kultur zurückblicken kann, sondern auch eben dieser östliche Teil des Landes. Und gerade auf diese Kultur möchte jetzt das neu begonnene Projekt "Jüdisches Mähren - Jüdisches Brünn" hinweisen, das vor wenigen Tagen in der mährischen Metropole begonnen hat. Ein Bericht von Daniela Kralova.

Ausstellungen, Konzerte und Theateraufführungen sind nur einige Bestandteile des umfangreichen Projektes, das es sich zur Aufgabe machte, die tschechische Gesellschaft dem Ideal einer offenen Gesellschaft ohne Vorurteile näher zu bringen. Bilder von Frantisek Kupka oder auch die Ausstellung über die Geschichte der jüdischen Kultur in Mähren und in Schlesien können die Besucher seit diesem Dienstag im südmährischen Brno-Brünn sehen. Die letztere der beiden Ausstellungen eröffnet vielen Menschen gewiss auch einen neuen Blick auf Mähren, denn eine adäquate Kenntnis über die jüdische Minderheit gehörte eine Reihe von Jahren nicht zum üblichen Geschichtsunterricht. Das bestätigte uns auch der Organisator des Projektes Jan Kratochvil:

"Das Ziel des ganzen Projektes ist es, die Kultur der mährischen Juden, die immer noch fast unbeachtet bleibt, einem breiteren Publikum näher zu bringen. Alle kennen die jüdische Gemeinde in Prag, die Maisl-Synagoge zum Beispiel, aber niemand weiß, dass auch in Mähren früher eine starke Kommunität lebte: Es gab hier 64 Gemeinden, von denen aber nur drei übriggeblieben sind."

Die Ausstellung ist sehr breit gefächert: Mit fünfhundert präsentierten Objekten dokumentiert sie das Leben der jüdischen Gemeinden in Mähren und Schlesien vom 13. Jahrhundert bis zum Jahre 1945. Zu sehen sind dort neben liturgischen Gegenständen, hebräischen Manuskripten, Dokumentationen der jüdischen Architektur in Brünn auch Bilder von Kindern aus Theresienstadt. Außerdem haben die Besucher die Möglichkeit, sich anhand von Fotografien eine Vorstellung vom gegenwärtigen Zustand der mährischen Ghettos, der Synagogen und Friedhöfe zu machen.

Die sichtbarste Spur aber hinterließ die jüdische Kultur in Mähren gewiss in einer besonderen Form der Architektur. Das soll die Ausstellung "Brünner jüdische Architekten 1920-1940" dokumentieren. Die Arbeiten von fünfzehn jüdischen Architekten werden dort zu sehen sein, denen Brünn zahlreiche interessante Bauten zu verdanken hat. Wie einer der Kuratoren, Petr Pelcak, sagt, unterschieden sich die jüdischen Architekten dieser Zeit von ihren Zeitgenossen durch ungewöhnliche Ausdrucksmittel: Typisch sei für sie eine lapidare Form der Gebäude sowie ein ungewöhnlich gelöster Fensterbau.

Auf ihre Kosten kommen auch Musik- und Theaterliebhaber. Zahlreiche Veranstaltungen werden in der mährischen Hauptstadt Brünn bis zum 11. Februar nächsten Jahres zu sehen sein. Ein Konzert war auch die Eröffnungsveranstaltung des gesamten Projekts. In ihm stellte sich dem Publikum der amerikanische Tenor Joseph Malovany vor....

Autor: Daniela Kralova
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