Vier Jahre nach der Brandkatastrophe: Wie sich die Böhmische Schweiz erholt
Am Donnerstag hat sich der verheerende Waldbrand im Nationalpark Böhmische Schweiz zum vierten Mal gejährt. Wie hat sich die Landschaft in den betroffenen Gebieten inzwischen erholt? Wie lebt es sich in den dortigen Gemeinden heute? Und wie ist der Park auf mögliche künftige Brände vorbereitet?
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Vor vier Jahren, am 23. Juli 2022, brach im Nationalpark Böhmische Schweiz der verheerendste Waldbrand in der jüngeren Geschichte Tschechiens aus. Das Feuer zerstörte eine Fläche von über 1000 Hektar. In der Spitze waren täglich neun Hubschrauber, fünf Flugzeuge und über 700 Feuerwehrleute im Einsatz. Bewohner dreier Dörfer mussten ihre Häuser verlassen, und in Mezná wurden drei Gebäude von den Flammen vernichtet.
Die zwei Saisons nach dem Brand waren für die örtlichen Unternehmer tragisch, doch inzwischen hat sich das Gebiet erholt. Roman Pluháček besitzt drei Pensionen in der Gemeinde Mezná und sagt:
„In den nachfolgenden Jahren war offensichtlich, dass die Touristen in den Nationalpark wieder zurückkehren.“
Der Brand stellte das Rettungssystem und die Verwaltung des Nationalparks auf die Probe. Das Schutzgebiet ist nun in puncto Brandschutz einzigartig. In den letzten vier Jahren sei ein System entwickelt worden, das zu den umfassendsten in Tschechien zähle, bestätigt Parksprecher Tomáš Salov.
So wurden beispielsweise Wassersäcke und zwei stationäre Drohnen im Einsatzgebiet stationiert. Die Parkwächter suchen das Gelände aber auch mit tragbaren Drohnen ab. „Er überprüfe die Umgebung mit Wärmebildkameras auf eventuelle Brände oder Glutnester, berichtet Miroslav Rohlík, einer der Ranger.
Rückkehr der Touristen
Der Brand brach vor vier Jahren nur einige hundert Meter entfernt vom Zentrum der Böhmischen Schweiz aus, dem Ausflugsort Hřensko. Kateřina Horáková (Soutěsky – věc veřejná, věc neprodejná) ist dort seit zwei Jahren als Bürgermeisterin im Amt:
„Ich denke, die Gemeinde hat inzwischen einen großen Schritt nach vorne gemacht. Vor zwei Jahren steckten wir tief in den Schulden, selbst die Gehälter konnten nicht mehr ausgezahlt werden, und wir mussten die Straßenbeleuchtung einschränken. Das war eine direkte Folge des eingebrochenen Tourismus. Inzwischen hat sich die finanzielle Lage stabilisiert. Da die Edmundsklamm teilweise wieder geöffnet werden konnte, fließen der Gemeinde daraus wieder Einnahmen zu. Generell geht es uns wirtschaftlich wieder gut.“
In der Böhmischen Schweiz beginnt derzeit der Brandschutz-Einschlag von Trockenholz. Man wolle bis zum Jahresende 15.000 Kubikmeter Holz schlagen, sagt Nationalparksprecher Tomáš Salov:
„Dieser Einschlag hat zum Ziel, die Bedingungen für einen eventuellen Löscheinsatz zu verbessern. Auf den abgeholzten Flächen werden anschließend Baumarten gepflanzt, die eine höhere Brandbeständigkeit aufweisen, insbesondere Buchen und Eichen.“
Ein Meer aus Grün: Die Natur findet ihr Gleichgewicht zurück
Unmittelbar nach dem Brand tauchten in der Böhmischen Schweiz Organismen auf, die an Brandflächen gebunden sind, wie unterschiedliche Insekten- oder Moosarten. Aktuell zeigen sich auch weitere Arten, etwa aus der Tierwelt, die typisch für offene Landschaften sind. Dazu gehören zum Beispiel der Neuntöter und die Nachtigall. Laut Tomáš Salov hat sich das Gebiet seit vier Jahren zur Unkenntlichkeit verändert:
„Heute kann man ganz ohne Übertreibung von einem Meer aus Grün sprechen, das sich über die gesamte Brandfläche ergossen hat. Es handelt sich vor allem um Pionierbaumarten, unter denen aktuell die Birke dominiert. Wenn man jedoch in das Unterholz dieser Birken blickt, sieht man dort bereits auch Keimlinge oder kleine Bäumchen anderer langlebiger Baumarten des künftigen Waldes.“
Der Brand habe die Umwandlung der vom Menschen stark veränderten Waldökosysteme beschleunigt, erläutert der Parksprecher:
„In der Böhmischen Schweiz wurden nämlich in der Vergangenheit, insbesondere in der Zwischenkriegszeit, monokulturelle Fichtenbestände gepflanzt. Die Nationalparkverwaltung arbeitet von Beginn an daran, diese Bestände in naturnähere Wälder umzuwandeln. Durch den Waldbrand haben die Ereignisse nun jedoch eine ganz neue Dynamik gewonnen. Man kann sagen, dass das System, das der Mensch einst aus dem Gleichgewicht gebracht hat, jetzt einfach von selbst zu seiner Balance zurückkehrt.“
