9. Weltstillwoche 1. - 7. August 2000

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Vom 1. bis 7. August findet die Weltstillwoche statt, die zur Unterstützung, zum Schutz und zur Durchsetzung des Stillens beitragen soll. Die wenigsten Kinder bekommen nämlich bis zu ihrem 6. Monat ausschließlich Muttermilch, was jedoch sowohl für das Kind als auch für die Mutter am gesündesten wäre. Mehr zu diesem Thema von Veronika Siskova.

Bereits zum 9. Mal findet die Weltstillwoche statt, diesmal unter dem Motto: "Stillen: ein Recht für alle." Die Hauptorganisatoren dieser Woche in der Tschechischen Republik sind der Tschechische UNICEF-Ausschuss sowie die Organisation ANIMA, die die Prager Gruppe des "International Baby Food Action Network", kurz IBFAN, darstellt.

Die Unterstützung, der Schutz und die Durchsetzung des Stillens ist eines der Hauptziele, die der Tschechische UNICEF-Ausschuss verfolgt. Denn die Muttermilch ist, da ist sich die moderne Forschung einig, das Beste für das Immunsystem und die Psyche sowohl des Säuglings als auch seiner Mutter.

Zwar ist die Anzahl der Mütter, die ihre Kinder auch nach sechs Monaten stillen, in den letzten sieben Jahren von 16 auf 50 Prozent angestiegen, dennoch bleibt das Stillen, vor allem in der Öffentlichkeit, ein Tabuthema.

Denn dass die Mutter ihr Kind stillt, das ist in unserer Zeit alles andere als selbstverständlich. Das weiß auch Frau Dr. Magdalena Paulová, Oberärztin der Säuglingsstation der Prager Thomayer-Universitätsklinik, zu berichten.

"Heutige Mütter befinden sich in einer Umgebung, die mit dem Stillen nicht vertraut ist. Unsere Mütter und vielleicht auch meine Generation haben ihre Kinder überwiegend nicht gestillt. Das heißt, dass sie es nicht können und dementsprechend die heutigen Mütter auch nicht unterstützen können. Erst die Kinder der heutigen Mütter werden das Stillen als etwas Selbstverständliches ansehen und werden ihren Kindern mit Rat zur Seite stehen können".

Diese Entwicklung kam auch hierzulande mit der zunehmenden Einbindung der Frauen in die modernisierte und technisierte Arbeitswelt zu Stande und das noch stärker als in den westlichen Nachbarländern. So ist es kein Wunder, dass sich die Meinung durchgesetzt hat, dass Stillen etwas unpraktisches ist, denn es fesselt ja die Mutter 24 Stunden täglich an ihr Kind. Hersteller von Babynahrung hatten es schliesslich nicht schwer, Frauen davon zu überzeugen, dass Trockenmilch und Babybrei das Stillen ohne weiteres ersetzen können.

UNICEF versucht aufzuklären, dass das nicht der Fall ist. Aufklärung geschieht durch verschiedene Veranstaltungen, wo stillenden Müttern Informationsmaterial zum Stillen zur Verfügung gestellt wird. Ausserdem haben die Ärzte einiger Krankenhäuser Hotlines eingerichtet, an die sich stillende Mütter mit ihren Fragen wenden können.

Schließlich entscheidet laut Frau Dr. Paulova neben der familiären Unterstützung auch die Informiertheit der Mütter darüber, ob sie ihr Kind stillen oder nicht.

Autor: Veronika Siskova
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