"Als es noch keine Juden waren"

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Aus Amerika reiste ein jüdischer Rabbiner zu mir. Er hatte weder Peies noch einen Hut und trug nicht einmal einen schwarzen Havelock. Es war ein netter eleganter Herr in heller Kleidung, einem cremefarbenen Hemd und einer farblich abgestimmten Krawatte. Es war ein liberaler Rabbiner und auf Fotografien wirkt er nicht so auffällig, wie etwa die orthodoxen, die ab und zu auf das Privatgrundstück der Ceska Pojistovna eindringen, damit sie sich fotografieren lassen können, um aller Welt zu zeigen, auf was für beschämende Weise die tschechische Regierung "den Alten jüdischen Friedhof" liquidiert......."

Die Israelische Botschafterin Erella Hadar schrieb daraufhin in einem offenen Brief, dass der Artikel des Kulturministers an Rassismus grenze. Was hält Tomas Jelinek von der Sache:

"Ich möchte sagen, dass dieser Artikel von Dostal mit der Friedhof Causa nur indirekt zu tun hat. Die Regierung fällte ihren Entschluss im März, das Kulturministerium hatte da keine Einwände, es war also eine Überraschung, dass er da überhaupt das Bedürfnis hatte, mit so einem Artikel zu kommen. Ich glaube, viele bewerten es dahingehend, dass er seine persönliche Frustration loswerden wollte, weil alle frustriert sind, wie kompliziert sich diese Verhandlungen gestalten, wie ständig etwas geändert wird, niemand eine Entscheidung treffen will etc. Allgemein kann man sagen, dass dieser Artikel von Minister Dostal sehr dumm ist, er ist da zu persönlichen Angriffen übergegangen, die sehr an diese antisemitischen Stereotypen erinnern. Herr Dostal hat da einen Bereich betreten, der sehr heikel ist, denn er muss sich bewusst sein, dass die Art und Weise, wie er schreibt, manche an die Zeit erinnern kann, die dem Holocaust voran ging."

Auffallend an der Friedhofscausa war, dass die Prager Jüdische Gemeinde nicht geschlossen, sondern mit vielen verschiedenen Statements an die Öffentlichkeit trat und damit nicht gerade dazu beitrug, das Problem verständlich sowohl für die Politiker als auch für die Bevölkerung darzustellen.

"Man kann bestimmt sagen, dass die Prager Jüdische Gemeinde eine ganze Reihe von Fehlern gemacht hat. Das Resultat ist, dass die Gemeinde heute einer dieser vielen Schuldigen des verworrenen Falls ist, so sieht das auch die Öffentlichkeit. Die Jüdische Gemeinde schaffte es nicht der Bevölkerung zu erklären, um was es in dieser Sache überhaupt geht. Hinzukommt, dass der Partner oder Konkurrent, in diesem Fall die Ceska Pojistovna, eine ziemlich starke Institution ist. Die haben professionelle PR- Leute und die konnten ihre Version besser präsentieren und durchsetzen, als die Prager jüdische Gemeinde."

Soviel also über die Baustelle in der Vladislavova Strasse, wo sich einer der ältesten jüdischen Friedhöfe in Mitteleuropa befindet, Das letzte Kapitel in diesem Fall ist noch nicht geschrieben, wir werden Sie aber auf dem Laufenden halten.