Am letzten Wochenende fand der zehnte Jahrgang des Open-Air-Festivals in Trutnov statt

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Im Sommer gibt es viele Möglichkeiten, auch unter freiem Himmel Musik zu hören. Sei es Folk, Rock oder Techno, Tschechien bietet in der wärmeren Jahreszeit eine Reihe von Musikfestivals. Im heutigen Kulturspiegel stellen wir eins der bekanntesten Rockfestivals hierzulande vor, das kürzlich am Fuße des Riesengebirges stattfand. Am Mikrophon begrüßt sie Daniela Králová.

Drei Tage und drei Nächte lang konnten am letzten Wochenende rund zehn Tausend Menschen ununterbrochen Rock, Blues, Reggae, Jazz und Funk hören. Im ostböhmischen Trutnov - Trautenau fand nämlich der zehnte Jahrgang des legendären Trutnover Open Air Music Festivals statt. Die Veranstaltung, die 1987, also zwei Jahre vor der Wende, gegründet wurde, freut sich immer noch einer großen Beliebtheit, nicht zuletzt auch wegen ihrer Nähe zum Underground und wegen zahlreicher Kontakte zu ehemaligen Dissidenten: der tschechische Präsident Václav Havel zum Beispiel ist ein gelegentlichre Besucher des Festivals.

Mehr als fünfzig meist tschechische Bands präsentierten sich dem Publikum, das unter anderem auch dank des guten Wetters ein gelungenes Wochenende verbringen konnte. Die diesjährige Veranstaltung widmeten die Organisatoren der Mutter Erde und dem Weltall. Warum, fragte ich einen von ihnen Filip Kolací:

"Weil es eine ganz grundsätzliche Sache ist, sich um den Planeten zu kümmern. Es geht darum, wie wir leben und wo es hinführt: darüber sollten die jungen Leute nachdenken. Wir wollen aber keine Werbung für irgendwelchen konkreten philosophische Wege machen: letztes Jahr war das Festival den Hare Krishnas gewidmet, einem Ableger des Hinduismus. Dieses Jahr stehen die Indianer mit ihrer Naturreligion im Zentrum. Wir wollen zeigen, dass es viele Wege gibt, und dass es gut ist, sie zu erforschen und zu überprüfen, welcher der verkündeten Wege funktioniert."

Als Höhepunkt des Festivals kündigten die Veranstalter die Band "Prazsky vyber" an, die seit etwa zehn Jahren nicht mehr auf einem Festival aufgetreten ist. Die Sonderstellung dieser Band betonten die Organisatoren auch mit der Zeitpunkt des Auftritts: am Samstag um Mitternacht. Für Spannung sorgten die Musiker gleich selbst. Nach einem einstündigen Soundcheck dauerte es noch einige Minuten, bis die Bandmitglieder nach der Moderatoransage endlich die Bühne betraten. Dann legten sie aber los:

Prazsky vyber ist nicht nur eine Band, die gute Musik macht und lange auf sich warten lassen kann. Aus dem Underground der achtziger Jahre stammend und sich in der Wendezeit auf dem Höhepunkt des künstlerischen Ruhmes befindend, wurde der Frontman der Band Michael Kocáb zum Abgeordneten des ersten demokratisch gewählten, damals noch tschechoslowakischen Parlaments. Seine nur wenige Jahre dauernde politische Laufbahn machte ihn nicht weniger berühmt als seine musikalische Karriere. Er setzte sich für einen schnellstmöglichen Rückzug der sowjetischen Truppen ein, die auf dem Gebiet der damaligen Tschechoslowakei stationiert waren. Kocáb verließ die Politik, nachdem der letzte russische Soldat heimkehrte, und widmet sich seitdem wieder seinem ursprünglichen Beruf.

In den letzten Jahren entwickelte sich das Trutnover Open-Air von einem kleinen Festival mit ein paar hundert Besuchern zu einer erfolgreichen Riesenveranstaltung. Den Weg, den das Festival gegenwärtig einschlägt, beschreibt Tomas Bucil, ein Gemüsehändler und Amateurrocker aus Trutnov, der von Anfang an dabei ist und seit einigen Jahren bei der Organisation mithilft:

"Ich würde es als eine Rückkehr zu den Wurzeln bezeichnen. Das Trutnover Festival entwickelte sich aus dem Underground. Im Jahre 87 war es eine verbotene Veranstaltung, man wollte vor der Polizei und vor den Kommunisten untertauchen. Damals kam die Polizei, schnappte die Leute und ließ sie in verschiedenen Orten der Republik wieder raus. Das war der Anfang. Im Jahre 1990, als wir mit der Freiheit in Berührung kamen, dachten wir, dass es gut wäre, dieses Woodstock nochmals auferleben zu lassen. Damals war es noch Woodstock, ein tschechisches klassisches Woodstock. Dann ging es soweit, dass 1997 die Band "Faith No More" kam, die hier ihre Platte taufte, auf deren Cover Präsident Masaryk zu sehen war. Es war eine monströse Aktion, es kamen damals zwanzig tausend Leute. Und für uns war es zuviel."

Ob die proklamierte Rückkehr zu den Wurzeln bei den Besuchern ankam, fragte ich am Sonntag abend einen der Teilnehmer:

"Was ich dieses Jahr gut fand, war die Dramaturgie des Festivals, also welche Bands eingeladen wurden, damit meine ich, dass es hier weniger von den bekanntesten und populärsten Bands wie in den letzten Jahren gab. Und der größte Star war dann der Auftritt von Prazsky vyber."

Eine Ausnahme von der Philosophie des Festivals bildete zweifellos der Auftritt der Ivan Mládek Banjo Band, die bei weitestem den größten Applaus bekam.

Im Gegensatz zur verbotenen Band Prazsky vyber feierte die Banjo Band in den siebziger und achtziger Jahren Erfolge mit Hits wie "Ameisen im Küchenschrank", "Joschin aus dem Sumpf" oder "Die Spatzen haben Plastiktüten gepickt". Nach der Wende geriet sie fast in Vergessenheit, und in Trutnov erlebte sie vor fünf Jahren ihr unglaubliches Comeback. Aufgrund der großen Anfrage seitens der Zuschauer trat sie dieses Jahr wieder auf. Eine auserlesene Kostprobe der in Trutnov ausgebrochenen Mládekmania brachten wir natürlich von der Veranstaltung mit:

Dass es die Veranstalter mit den Woodstock- und nichtkommerziellen Underground-Traditionen ernst meinen, sieht man auch am Aussehen des Festival-Geländes: Weder auf der Bühne noch anderswo hängt Werbung, die kleinen Verkaufstätten sind gefüllt mit Bio-Kost, Holzschmuck oder selbstgemachten Lebkuchen. Einzig ein "Red-Bull"-Stand bildet eine kommerzielle Ausnahme des tschechischen Woodstocks. Das diese Aufmachung Trutnov von anderen Festivals möglicherweise unterscheidet, bestätigt uns ein Teilnehmer, der von weit hergereist ist:

Autor: Daniela Kralova
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