Das Center For Democracy and Free Enterprise

r_2100x1400_radio_praha.png

Die Tschechische Republik gehört nach 12 Jahren zu den noch jungen Demokratien. Die Jahrzehnte des Kommunismus sind nicht spurlos am Verhältnis der Bevölkerung zur Politik vorbeigegangen, das Misstrauen steckt tief. Dieses Misstrauen abzubauen ist Anliegen einiger politischer Organisationen, die darin die Grundbedingung für eine funktionierende Demokratie sehen. Jörn Nuber stellt eine dieser Organisationen vor.

Ein Mitglied des tschechischen Parlaments erhält die Einladung, zusammen mit Stadtplanern und Architekten über die Nutzung öffentlicher Grünflächen zu diskutieren. Bei einem Treffen von Lokalpolitikern und Bürgervereinigungen wird ausgemacht, den Bürgervereinigungen die leerstehende Kaserne zur Einrichtung von Büros und Konferenzsälen zu Verfügung zu stellen. Dies sind Beispiele für die Arbeit von CDFE, des Center For Democracy and Free Enterprise. CDFE ist die Tschechisch- Slovakische Zentrale einer amerikanischen Non-Profit Organisation, die von der amerikanischen und tschechischen Regierung, sowie von verschiedenen Großunternehmen finanziert wird. Hauptziel von CDFE ist, den Abstand von Politikern und Bürgern zu verringern. Megan King, stellvertretende Direktorin von CDFE in Prag erklärt:

"Konkretes Ziel ist es eine allgemeine Öffentlichkeit in diesem Land zu bilden, die versteht, was eine Demokratie ist und was Verantwortung des Einzelnen in einer Demokratie bedeutet. Demokratie besteht nicht einfach nur darin zu Wählen und dann abzuwarten, bis die Politiker alles klar machen, sondern dass man wählt und sich für die nächsten Jahre in einem politischen System engagiert, um zu verlangen, daß die gewählten Leute auch das tun, was man von ihnen erwartet hat. Unser Ziel ist es, den Menschen klar zu machen, dass man sich offiziellen Stellen annähern kann und soll, und dass in einer Demokratie die Teilnahme der Bürger eine genauso wichtige Rolle spielt, wie die der Politiker. Wir arbeiten daran, auch den Politikern ihre Rolle in diesem Prozess klar zu machen, dass sie offen sind für die Belange ihrer Wähler und diese in ihre Entscheidungen einzubeziehen verstehen."

Außer der Vorbereitung von Versammlungen, zu welchen Politiker, Experten und Bürger eingeladen werden, und die in der Regel auch von Seiten der Politik begeisterten Zuspruch finden, unterhält CDFE unter anderem auch ein Programm für tschechische Studenten. Nach einer Vorbereitungsphase werden sie einzelnen Mitgliedern des tschechischen Parlaments oder der Kommission für europäische Integration zur Verfügung gestellt, um für sie nach Informationen in fremdsprachigen Quellen zu suchen. Diese Informationen erleichtern die Entscheidungsarbeit der Verantwortlichen erheblich und werden von den meisten Parlamentsmitgliedern sehr begrüßt, da der Tschechischen Regierung nur wenig Gelder für vergleichbare Leistungen zur Verfügung stehen. Megan King sieht der Zukunft der tschechischen Demokratie optimistisch entgegen:

"Wenn man sich heute die 20, 30 Jährigen ansieht, die reisen, im Ausland studieren und eine oder zwei Fremdsprachen sprechen, verstehen sie besser, wie die Welt funktioniert. In zwei Generationen wird das Land Mitglied der EU sein, die mit einer viel stärkeren Gesetzesstruktur arbeitet, als die Regierung heute. Die Wirtschaft wird weiter gewachsen sein und ich denke, das Land wird sich von seiner kommunistischen Vergangenheit befreit haben."

Anlass zu dieser These gibt auch das "Streetlaw"-Programm, bei dem Schulkinder von Megan Kings tschechischen Mitarbeitern über das Rechtssystem und die Arbeit der Polizei aufgeklärt werden, sowie über persönliche Verantwortung in einer Demokratie. Wenn diese Schulkinder in 10 bis 15 Jahren aktive Mitglieder der Gesellschaft sind, bilden auch sie das Fundament für eine Regierungsarbeit in Mitverantwortung der Bürger.

Autor: Jörn Nuber
abspielen