Das Programmkino AERO im Prag-Zizkov

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Dass mit guten Ideen und Unterstützung von der richtigen Seite besondere Projekte auf die Beine gestellt werden können, wird in Tschechien der Nachwendezeit immer wieder bewiesen. Seit knapp drei Jahren existiert das Kino AERO, das sich inzwischen als eine Art Kulturzentrum etabliert hat. Jörn Nuber führt uns zu dem ungewöhnlichen Programmkino.

Sonntag Nachmittag, auf dem Programm steht ein Film von Wim Wenders. In dem Kaffee, das dem Kinosaal vorgeschaltet ist und wo man auch die Eintrittskarten erhält, ist nicht mal mehr ein Stehplatz frei. Wer sich den Film anschauen möchte, muss sich zuerst durch das Menschenmeer und die rauchschwangere Luft drängen. Das Prager Kino AERO ist ein Phänomen, eine Instanz und ein kultureller Treffpunkt. Ivo Anderle, einer der drei Direktoren des Filmtheaters, erklärt sich den Erfolg von AERO mit seinem besonderen Charakter: "Da sind sehr viele kleine Dinge, von denen der Erfolg abhängig ist und die das Theater zu einem, "Theater mit Gesicht" machen. Wir versuchen jedem, der das erste, zweite oder hundertste mal hierher kommt, das Gefühl zu geben, dass etwas dahintersteckt, dass es nicht einfach ein leerer Ort ist. Das kostet einige Anstrengungen und es liegt in vielen Details, die behutsam eingerichtet sein müssen. Es fängt bei einem kleinen Nagel an, der von der Decke hängt und geht bis zum Programm, was natürlich das wichtigste ist."

Jeden Monat ist eine Retrospektive eingeplant. Neben den Filmen von Wenders gab es unter anderem die Werke von Kusturica, Greenaway oder Bergmann zu sehen. Weil es nicht immer leicht ist, an diese Filme heranzukommen, kooperieret das Kino oft mit ausländischen Kulturinstituten. Diese schicken mitunter gleich die Stars selbst mit. Die Einführung der Monty Python Filmreihe zum Beispiel, wird von den Schauspielern Terry Gilliam und Terry Jones durchgeführt.

Studenten der Filmakademie FAMU haben die Gelegenheit vor der eigentlichen Präsentation Kurzfilme zu zeigen. Die lustigen aber auch kritischen Streifen -meist sind es Animationsfilme- stoßen auf reges Interesse bei den Kinogängern. Studenten der Fakultät für Filmtheorie führen dann den zu zeigenden Film ein. Statt durch das lange Zeigen von Werbespots die Aufnahmefähigkeit der Zuschauer einzuschläfern, wird so gewissermaßen eine Kommunikationssituation erzeugt.

Das Kino AERO finanziert sich weitgehend selbst. Nur einzelne Projekte werden gelegentlich vom tschechischen Kinoverband oder von ausländischen Kulturinstituten gefördert. Als das Gebäude von der Zizkover Gemeinde zur Pacht ausgeschrieben wurde, entschied nicht die Höhe des finanziellen Angebotes, sondern die Qualität des Projekts. Indirekt wird also das Kino mit einer günstigen Pachtsumme unterstützt.

Die meisten kleinen Prager Kinos dagegen, haben der Konkurrenz von Multiplexkinos nicht viel entgegenzusetzen - außer der interessanteren Atmosphäre und gelegentlich einem europäischen Film. Nur das Bio-Konvikt in der Bartolomejska zeigt -regelmäßig, ausschließlich und erfolgreich- sonderbare Streifen aus dem nationalen Filmarchiv.