Der mystisch verschrobene Künstler Frantisek Bilek - eine Werkschau auf der Prager Burg

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Im Reitersaal der Prager Burg können sich Liebhaber tschechischer Kunst noch bis zum Februar 2001mit dem einmaligen Werk von Frantisek Bilek vertraut machen. Das Leben und Werk dieses Künstlers steht für Heute im Mittelpunkt unseres Kulturspiegels durch den Sie Marcela Pozarek führen wird.

Riesige, aus Holz geschnitzte Madonnen, Reliefe mit sakralen Motiven und mystischer Aura, Graphiken, aber auch Gebrauchsgegenstände, wie raffiniert dekorierte und verarbeitete Möbel, all das erschuf das egozentrische Allround- Talent Bilek der 1887 im südböhmischen Chynov zur Welt kam und seine Ausbildung zum Bildhauer an der Prager Kunstakademie, sowie auch in Paris genoss. Er ist ein Künstler der Jugendstilepoche mit einer eigenwilligen Handschrift, wie uns eine der Kuratorinnen dieser bislang grössten Bilek Ausstellung, die Kunsthistorikern Marie Halirova ausführte:

"Ich glaube er ist aussergewöhnlich, weil er sehr religiös war und dieser Glauben manifestierte sich auf eindrückliche Weise in seinem Werk, aber auch in seinem Leben. Obwohl er sich zwar gegen die Sezession aussprach, war er mit seinem ganz persönlichen Stil ein konsequenter und herausragender Jugendstilkünstler. Er war eine merkwürdige Person und ich glaube, er war auch sehr einsam. Abgesehen von seinen Dichterfreunden, hatte er es schwer, Wahlverwandte zu finden."

Frantisek Bileks Werk konnte man in seiner Gesamtheit erst nach der Samtenen Revolution erfassen, da die religiöse Thematik während der kommunistischen Ära Tabu war. Im Westen ist Bilek zu Unrecht nahezu unbekannt, auch da aber tut sich was, wie die Co-Autorin der Austellung, Hana Larvova an der Vernissage erzählte:

Wie bereits erwähnt, war Frantisek Bilek ein sehr mystisch-religiös veranlagter Mensch, das brachte er unter anderem in einem Vortrag im Jahre 1908 zum Ausdruck in dem er das künstlerische Schaffen als ein Bauen der künftigen Kathedrale in uns selbst bezeichnete mit den Worten:

"Die Perfektion unserer Arbeit ist abhängig von der Perfektion unseres Lebens, alles was unser Leben beeinflusst, beeinflusst auch unser Werk."

Das Leben eines Künstlers, ist für Bilek wie ein Symbol für das eigene Werk und umgekehrt: Das Werk ist Frucht des Lebens. Bileks Existenz strebte zu einem stilisierten Gesamtkunstwerk, seine Handschrift hat er überall hinterlassen. Ein gutes Beispiel dafür sind seine Möbelentwürfe, darüber sprachen wir mit der Kunsthistorikerin Dagmar Koudelkova, von der Mährischen Galerie in Brünn, die für die Prager Ausstellung alle Gebrauchsgegenstände inventarisierte:

"Ich denke, dass Bileks Möbel aussergewöhnlich sind, weil sich in ihnen sein künstlerisches Schaffen manifestiert. D.h. all die Motive, Symbole und Themen die er in seinen Graphiken, Gemälden und Skulpturen verwendete, die findet man auch bei seinen frühen Möbelentwürfen, wo er beispielsweise sehr stark mit Schnitzereien arbeitete. Die Möbel waren immer Auftragswerke für konkrete Personen, einige Möbel sind sehr dekorativ geschmückt, mit wunderschönen geschwungenen Säulen, Intarsien. In den späten 20-er Jahren entwarf er wiederum das Schlafzimmer für seine Tochter und seinen Sohn und da ging er vom eher allgemein gängigen 20-Jahre Stil aus, den er mit schönen Reliefen bereicherte. Er liess sich auch von leicht kubistischen Formen anregen. Die Möbel haben überhaupt immer eine interessante Form und deshalb erinnern sie auch ein wenig an Skulpturen. Die ganze Symbolik lässt das Möbelstück zudem als etwas Erhabens erscheinen, als ein künstlerisches Werk eben."

Die Expressivität und das Ungewöhnliche an Bileks Werk besticht durch seine tiefe Verwurzelung im Transzendenten, das ist es auch, was die Kunsthistorikerin Dagmar Koudelkova anzieht.

"Ich kann das vielleicht nicht ganz genau formulieren, aber im Laufe der Arbeit an dieser Ausstellung habe ich auch sehr viel über seine Familie erfahren. Mich fasziniert seine tiefe Gläubigkeit und wie er einfach so in seiner eigenen Welt lebte. Gleichzeitig war er sehr arbeitsam und eifrig, der sich seine Welt erschuf und diese auch zu verteidigen wusste."

An der Vernissage der Ausstellung im Reitsaal der Prager Burg war auch eine Enkelin Frantisek Bileks zugegen, die aus Uruguay stammt, Alena Bilkova, die seit einigen Jahren in Prag Ingenieurwissenschaften studiert erzählte uns über ihr Verhältnis zu ihrem Künstler-Grossvater:

"Für mich war er immer der Großvater meines Vaters, man hat mir immer viel von ihm erzählt- ich kannte ihn aber nicht. Es ist ein bisschen überraschend, hierher zukommen und ihn plötzlich als Künstler wahrzunehmen, als jemanden dessen Arbeit und Werk, die Menschen hier anerkennen und schätzen. Das ist das, was mich am meisten fasziniert und was mich etwas nervös macht wenn ich diese Bewunderung für ihn sehe..."

Sehen wir uns aber nun ein wenig die einzelnen Exponate an. Was unter anderem auffällt sind schön gearbeitet Modelle für grosse Skulpturen aus Terracotta. Dieses Material hat einen engen Bezug zu seiner Heimatstadt, dem südböhmischen Chynov u Tabora, wie die Kunsthistorikerin Marie Halirova ausführt:

"Das bekannteste Handwerk das man während der Jugendzeit Bileks in Chynov praktizierte war das Töpfern. Bilek selbst war von diesem Handwerk fasziniert, er begann selber mit der Töpferscheibe zu arbeiten, er modellierte auch und die Keramik und das Holz, den sein Vater war Radmacher, gehörten zu seinen bevorzugten Materialien."

In der Ausstellung besticht die eindrückliche Skulptur Golgotha. Es handelt sich dabei um die Darstellung eines schädelförmigen Felsens, wo Jesus nach Matthäus 27 gekreuzigt wurde, der sogenannte Kalvarienberg, eine Andachtsstätte zur Verehrung der Passion mit Kreuzigungsgruppe. Diese Skulptur, wie überhaupt das Werk von Bilek fand aber nicht immer passionierte Liebhaber, wie die Kuratorin Marie Halirova im Gespräch bestätigte:

"Ja man nahm sein Werk oftmals überhaupt nicht an. Es war immer für viele eine zu ungewöhnliche Art der künstlerischen Verarbeitung. Beispielsweise die Skulptur Golgotha, das man hier in der Ausstellung in der kleinen Version betrachten kann, schenkte er in der grossen Aufführung der Kirche in Chynov. Nach einigen Jahren liess aber der Pfarrer Golgotha entfernen, mit dem Argument, dass die Skulptur in den Menschen nicht den Glauben erwecke. Diese Niederlagen haben Bilek sehr zugesetzt, so wurde er beispielsweise von seinem Pariser Stipendienaufenthalt abberufen, nachdem er Zeichnungen vorlegte, die der Stipendienkommission nicht gefielen. Er interpretierte das als Demütigung."

Autor: Marcela Pozarek
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