Evangelische Gemeinde in Karlovy Vary feiert ihr 50igjähriges Jubiläum

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Vor über 50 Jahren sind einige Böhmen aus Schlesien nach Karlovy Vary/Karlsbad gekommen. Mit sich brachten sie ihren evangelischen Glauben. Und da die Stadt eher katholisch geprägt war, gründeten sie 1951 auch gleich eine eigene Gemeinde. Über das am letzten Wochenende gefeierte Jubiläum berichtet Sylvie Reichel.

Karlovy Vary ist einer der vielen Orte, in denen die tschechische Geschichte eng mit der deutschen verbunden ist. Auch heute noch bestehen hier zahlreiche Kontakte zwischen beiden Nationen. So auch in der evangelischen Gemeinde in Karlovy Vary. Sie pflegt intensiv die Beziehungen zu drei deutschen Partnergemeinden. Und die Pfarrerin ist sogar aus Deutschland importiert. Das ist Grund genug gewesen, um sich zum 50jährigen Bestehen in einem Seminar einmal tiefgründiger der gemeinsamen, oft spannungsreichen Geschichte zu widmen. Siebzig Tschechen und Deutsche kamen am Wochenende in der Gemeinde zusammen, um unter anderem so sensible Themen wie die Besetzung der Böhmischen Länder durch das nationalsozialistische Deutschland oder auch die Vertreibung der Deutschen nach dem Krieg zu diskutieren. Dank dem fachkundigen, aber auch sensiblen Referenten, dem Historiker des Karlsbader Museums Stanislav Burachovic sei die Atmosphäre trotzdem entspannt und offen gewesen, erzählt die Pfarrerin Ivona Linhardt.

"Es war also auf jeden Fall in diesem Verarbeitungsprozess ein Schritt nach vorn, so dass Sachen benannt werden konnten, die in der Vergangenheit oft schmerzhaft waren."

Eine Frau aus der tschechischen Gemeinde erzählte zum Beispiel, wie sie zu Beginn der nationalsozialistischen Herrschaft angewiesen wurden, sich möglichst unauffällig durch ihre Heimatstadt zu bewegen. Ihr Lehrer habe den Schülern geboten, nicht als tschechische Gruppe aufzutreten. Nur zu zweit oder höchstens zu dritt sollten sie von der Schule nach Hause gehen und vor allem die Nebenstraßen nutzen.

"Also von der deutschen Seite her, ist da natürlich Verständnis da, gerade wenn man dann solche persönlichen Erfahrungen hört."

Ivona Linhardt selbst ist jetzt seit zwei Jahren Pfarrerin in Karlovy Vary. Die evangelische Gemeinde hatte sich damals ausdrücklich einen Pfarrer oder eine Pfarrerin aus Deutschland gewünscht. Das hing einerseits damit zusammen, dass in der Kirche der Böhmischen Brüder, der die Gemeinde angehört, akuter Pfarrermangel herrscht. Auf der anderen Seite sind Deutschkenntnisse eine kaum verzichtbare Voraussetzung. Schließlich kommen jedes Jahr zahlreiche Touristen, vor allem aber auch Kurgäste über die Grenze. Und für ihr seelisches Wohlbefinden möchte auch die evangelische Gemeinde von Karlovy Vary sorgen.

"Wir haben einen deutschsprachigen Gottesdienst, den wir nun dieses Jahr in der Saison anbieten, von April bis Oktober, jeweils direkt im Anschluss an den tschechischen Gottesdienst, um 10.30 Uhr."

Am vergangenen Sonntag wurde jedoch zusammen gefeiert. Einhundert Menschen besuchten den zweisprachigen Gottesdienst, der den festlichen Abschluss der Jubiläumsfeier bildete.

Autor: Sylvie Reichel
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