Fernsehstreik wegen Lohnsteigerung

Jiri Balvin an der Versammlung der CT-Angestellten am 17. Januar (Foto: CTK)
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Ein neuer Streik droht im Tschechischen Fernsehen CT. Diesmal geht es jedoch nicht um Meinungsfreiheit und Unabhängigkeit des öffentlich-rechtlichen Senders, sondern um eine wesentlich banalere Sache: ums Geld. Markéta Maurová berichtet.

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Während CT-Intendant Jiri Balvin erforderliche Sparmaßnahmen für das Jahr 2002 ankündigt, fordern die Mitarbeiter des Senders eine Steigerung ihrer Löhne. Verlangt werden das 13. und 14. Gehalt sowie eine flächendeckende Valorisierung der Löhne.

Der Durchschnittslohn im Sender erreicht 22 Tausend Kronen. Wie jedoch die Gewerkschaftler anführen, werde dieser Durchschnitt durch eine sehr hohe Belohnung des Managements optisch erhöht und viele der Mitarbeiter erreichten nicht einmal den Durchschnittslohn des Landes. Zum Vergleich - das durchschnittliche Gehalt in der Tschechischen Republik lag Ende letzten Jahres bei 16 Tausend Kronen, wobei jedoch zwei Drittel der Bevölkerung weniger als diese Summe verdienten.

Nach den Forderungen der Fernsehmitarbeiter fragte Radio Prag den CT-Redakteur und Repräsentant der unabhängigen Fernsehgewerkschaftsorganisation Adam Komers.

Jiri Balvin an der Versammlung der CT-Angestellten am 17. Januar (Foto: CTK)
"Die Mitarbeiter des Tschechischen Fernsehens sind nach ihren schlechten Erfahrungen nicht mehr bereit, ihre Lohnansprüche, die im Kollektivvertrag verankert sind, zu Gunsten weiterer unklarer Experimente und Versuche zu opfern, die wir in den letzten Jahren mehr als genug erlebt haben."

Die Mitarbeiter verlangen einen klaren Standpunkt seitens des Managements in Bezug auf dessen Zielsetzungen:

"Ich glaube - wenn die Leitung eindeutig erklären würde, was sie anstrebt, dann wären die Mitarbeiter sicher bereit, sich im Interesse der öffentlich-rechtlichen Institution an diesem Projekt zu beteiligen und etwas von ihren Ansprüchen einzubüßen."

Und wo sieht Adam Komers die möglichen Quellen für die Erfüllung der Forderungen?

"Die Konzessionsgebühr hat sich seit vielen Jahren nicht geändert, trotz immer höheren Kosten auf die Produktion einzelner Programme. Und außerdem schafft es das Abgeordnetenhaus nicht, legislativ zu sichern, dass die Konzessionsgebühren tatsächlich erhoben werden. Derzeit wird die Gebühr von ungefähr 600 Tausend Haushalten nicht bezahlt. Es geht uns daher in erster Linie darum, dass die Konzessionen eintreibbar sind. Und mit diesen Mitteln könnte der Sender meiner Meinung nach ordentlich funktionieren."

In Sache der Konzessionen sind sich die Gewerkschaften mit der Fernsehleitung einig. Sonst äußern jedoch die Mitarbeiter ihr Misstrauen gegenüber dem neuen Intendanten Jiri Balvin. Kritisiert wird auch seine Personalpolitik. Die bisherigen Auswahlverfahren, bei denen das Ergebnis schon im voraus bekannt gewesen sei, hätten gezeigt, dass es um keinen Vorteil des Tschechischen Fernsehens sondern um eine Rache an den Streikenden vor einem Jahr gehe.