Frauen in der Armee

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Schon in den Hussitenkriegen im 15. Jahrhundert kämpften tschechische Frauen gegen die eindringenden Kreuzritter. Heute hat die tschechische Armee insgesamt 1923 Soldatinnen, ein knappes Viertel davon, 502, im Offiziersrang. Liebe Hörerinnen und Hörer, Frauen in Uniform, das ist das Thema unseres heutigen Schauplatzes. Am Mikrofon begrüßt Sie Alexandra Klausmann.

In der Armee der Tschechischen Republik haben Frauen einen Anteil von 8,2 Prozent. Zur Berufssoldatin ausgebildet kann frau werden auf zweierlei Arten: entweder in einer 12-monatigen Grundausbildung oder in einer fünfmonatigen Ersatzausbildung. Beide Formen der Ausbildung sind eine Art Vorspiel für das Leben einer Berufssoldatin. Die Ausbildung hat Marta Zikesova schon lange hinter sich. Schon 24 Jahre dient sie der Armee, erst der tschechoslowakischen, heute der tschechischen. Innerhalb dieser Zeit hat sie es nicht nur zum Rang eines Unterleutnants geschafft, was sie zu einer der ranghöchsten Offizierinnen der tschechischen Armee macht, sondern auch noch so nebenher zwei Studiengänge absolviert und zwei Töchter erzogen. Unterleutnant Zikesova hat die Dreifachbelastung nicht nur mit Bravour bestanden, sie ist heute froh, dass sie sich für eine Karriere in Uniform entschieden hat:

"Ich bedauere das überhaupt nicht, während meiner ganzen Zeit als Berufssoldatin habe ich es eigentlich nie bedauert, mich für die professionelle Schiene entschieden zu haben. Jetzt diene ich schon seit 24 Jahren, wenn ich auf diese Zeit zurückblicke, kann ich wirklich sagen, dass ich damals eine gute Wahl getroffen habe. Ich habe die ganze Karriereleiter durchschritten und nachdem ich die Offiziersprüfung bestanden habe, habe ich erreicht, was ich jetzt hier auf meinen Schultern habe, den Rang eines Unterleutnants. Von meinem inneren Standpunkt aus ist das eine Würdigung meiner langjährigen und, ich will mich da nicht selber loben, auch gewissenhaften Arbeit bei der Armee."

Dem Dienstreglement der tschechischen Armee nach sind Frauen ihren männlichen Kollegen absolut gleichgestellt. Das heißt, sie haben die gleiche Bezahlung - was in der tschechischen Zivilgesellschaft bis heute noch nicht der Fall ist - und die gleichen Karrierechancen. Das behauptet eine Studie über Frauen in der Armee der Tschechischen Republik, die im Jahre 1998 von Dozent Dr. Felix Cernoch erstellt wurde. Der kann die Ergebnisse seiner Studie auch heute nur bestätigen:

"Auf jeden Fall ist es eine Tatsache, dass der weibliche Faktor das ganze Ambiente verfeinert. Dazu muss ich aber auch sagen, dass wir in unserer Armee überhaupt keine Probleme zwischen Frauen und Männern haben. Bis jetzt ist es noch nicht vorgekommen, dass ein Mann seine Stellung einer weiblichen Kollegin gegenüber missbraucht hat. Die Armee gibt den Frauen die Chance, sich selbst zu realisieren und es gibt wenig Ressorts, in denen eine Frau auf die gleiche Stufe gestellt wird wie ein Mann. Unser Dienstreglement macht da keinen Unterschied, Soldatinnen erhalten die gleiche Bezahlung und die gleichen Bildungschancen wie ihre Kollegen."

Die Bildungschancen hat auch Unterleutnant Zikesova genutzt. Als sie bei der, damals noch Tschechoslowakischen Armee, anfing, kam sie frisch vom Gymnasium. Erst später, nachdem ihre beiden Töchter etwas größer waren, konnte sie sich dem Studium widmen. An der Palacky Universität im mährischen Olomouc/Olmütz studierte sie Pädagogik, später kam noch ein postgraduales Studium des humanitären Dienstes an der theologischen Fakultät im südböhmischen Ceske Budejovice/Budweis hinzu. Mit der Erhebung in den Offizieresrang wurden ihre Anstrengungen belohnt:

"Es hat mir sehr grosse Freude bereitet als ich zum Offizier ernannt wurde, das heisst, als es mir ermöglicht wurde, die Offiziersprüfung zu absolvieren. Bei meinem Antritt hatte ich ja keine Hochschulausbildung, das wurde mir erst in der Armee ermöglicht."

Gut, Frauen sind in der tschechischen Armee also gleichberechtigt, haben vielleicht sogar größere Chancen, als im Zivilleben. Dennoch lässt es sich nicht verleugnen, dass Frauen andere biologische Funktionen haben. Sie haben es erraten, es geht ums Kinderkriegen. In zivilen Berufen geschieht es ja leider immer noch häufig, dass Frauen schon allein wegen der Möglichkeit Kinder in die Welt zu setzen, benachteiligt werden. In der Armee ist auch das Kinderkriegen genauestens geregelt. Schwangere Soldatinnen, die eine Funktion ausüben, die ihre Schwangerschaft gefährden könnte, werden, bei gleichem Gehalt in eine andere, sicherere Funktion versetzt. Junge Mütter haben das Anrecht auf 28 Wochen Mutterschaftsurlaub und dürfen nur dann auf eine Mission außerhalb ihres Wohnorts gesandt werden, wenn sie dem ausdrücklich zustimmen. Die Bestimmungen gehen noch weiter. So dürfen Frauen wegen einer Schwangerschaft keinesfalls aus der Armee entlassen werden, haben das Recht nur Teilzeit zu arbeiten und sind von Nachtschichten ausgenommen. Allerdings bleibt es dann der Mutter/Soldatin überlassen, wen sie mit der Betreuung ihrer Kinder beauftragt. Armeeeigene Kindergärten gibt es nicht. Und wie überall, wo die Frau der Doppelbelastung Beruf und Familie standhalten muss, ist die wichtigste Voraussetzung dafür ein verständnisvoller Partner. Marta Zikesova lernte ihren Mann in der Militärakademie kennen. Auch er ist Berufssoldat. Außerdem hatte sie auch das Glück, dass ihre Eltern nicht weit entfernt wohnten und bei der Erziehung ihrer Kinder gerne mithalfen, was besonders nötig war, als sie studierte.

"Wenn ich allein gewesen wäre, wenn ich nicht die Unterstützung meines Mannes gehabt hätte, dann hätte ich niemals das geschafft, was ich heute erreicht habe. Wir haben uns gegenseitig ergänzt, wir haben ja beide früh als Eltern angefangen, ich war bei der Geburt meiner ersten Tochter 21, mein Mann ein Jahr älter. Wir haben uns bei der Kindererziehung abgewechselt, waren dabei auch sehr voneinander abhängig. Mein Mann musste lernen zu kochen, heute ist er übrigens ein sehr guter Koch, und, wenn ich mit meiner Einheit wegmusste, übernahm er alle traditionellen Mutterpflichten."

Die Mehrheit der tschechischen Berufssoldatinnen glaubt, dass ihr doch sehr fordernder Beruf mit einem glücklichen Familienleben vereinbar ist, nur 11 % sind, der Studie Dr. Cernochs nach, nicht ganz so überzeugt. Ganze 71 % der Soldatinnen sind verheiratet, 19 % sind noch zu haben und 9 % sind geschieden. Im Unterschied zu Frauen im Zivil geht es den Soldatinnen sehr um die Selbstrealisierung. Nur zum Vergleich, 34 % aller Tschechinnen glauben, dass Frauen anstelle zu arbeiten, sich nur um Haushalt und Familie kümmern sollte. Unter den Soldatinnen herrscht diese Meinung nur bei 4 %.

Die Statistik entspricht also auch dem, was uns Unterleutnant Zikesova erzählt hat, nämlich dass sie ihre Berufswahl nie bereut hat. In ihrer Familie hat sich das auch auf ihre beiden Töchter abgefärbt. Beide studieren an verschiedenen Militärakademien und sehen ihre Zukunft und Karriere auch in Uniform.

Autor: Alexandra Klausmann
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