„Ich bin stolz und demütig“

Michael Häupl (Foto: ČTK)
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Der Wiener Bürgermeister und Landeshauptmann Michael Häupl hat den tschechischen Staatsorden erhalten.

Michael Häupl  (Foto: ČTK)
Unter den knapp 40 Persönlichkeiten, die am Samstag zum Staatsfeiertag geehrt wurden, war auch Michael Häupl. Der Bürgermeister und Landeshauptmann von Wien erhielt die höchste tschechische Staatsauszeichnung für ausländische Persönlichkeiten erhalten, den „Orden des Weißen Löwen“. Zuvor hatte sich der 68-jährige SPÖ-Politiker mit Journalisten getroffen. Dabei sagte er:

„Wenn man sich die Reihe der Ausgezeichneten in der Vergangenheit anschaut, dann hat man allen Grund, sehr stolz, aber auch demütig zu sein. Ich freue mich nicht nur, sondern es ist mir auch eine große Ehre, von unserem nördlichen Nachbarland diesen Orden durch die Hand des Herren Staatspräsidenten zu bekommen.“

Foto: Europäische Kommission
Seit 1994 ist Michael Häupl zudem Präsident der Österreichisch-Tschechischen Gesellschaft. Von dieser Warte aus empfiehlt er, dass Tschechen und Österreicher über Dinge diskutieren sollten, die für beide Seiten unerfreulich seien. Dazu wolle auch die von ihm geleitete Gesellschaft beitragen, obwohl sie keine politische Orientierung habe.

„Wenn es Kontroversen gibt zwischen Österreich und Tschechien – etwa im Hinblick auf die sogenannte friedliche Nutzung der Kernenergie, um dies auch sehr deutlich anzusprechen –, dann schauen wir, dass wir eine energiepolitische Diskussion führen: Wie macht man eine gemeinsame Energiepolitik in Europa, die tendenziell die Umstellung auf erneuerbare Energien forciert? Solche Diskussionen anzuregen, sehen wir auch als unsere Aufgabe an“, so Häupl.

Nicht anders in Fragen der gemeinsamen Geschichte, besonders dem Zweiten Weltkrieg und der Vertreibung der Sudetendeutschen:

„Viele junge Leute haben keine Ahnung, wer der tschechoslowakische Präsident Beneš war. Das ändert nichts an der Tatsache, dass dies unangenehm im Raum steht und aufgearbeitet werden muss.“

Wiener Rathaus  (Foto: Gryffindor,  CC BY-SA 3.0)
Die jüngsten Entwicklungen in den tschechisch-österreichischen Beziehungen bewertet der Wiener Bürgermeister als positiv. Die nun scheidende Regierung in Prag hatte gesagt, sie wolle den Reset-Knopf drücken in diesen Beziehungen. In letzter Zeit habe es daher eine „ungeheure Dichte“ an Treffen von Regierungsmitgliedern aus beiden Ländern gegeben, hebt Häupl hervor und fügt an:

„Was die Intensität der Kooperation beider Regierungen betrifft, bei Anerkennung aber auch der Meinungsverschiedenheiten: Da ist vieles gut gelungen.“

Seit Häupl 1994 Bürgermeister und Landeshauptmann von Wien wurde, hat er auch auf dieser Ebene bewusst die Kontakte nach Tschechien gesucht – nach Prag oder beispielsweise auch nach Brno / Brünn:

„Da gibt es – sehr pragmatisch gesehen – eine ganze Reihe von Themenstellungen. Ich habe mindestens dreimal mit dem jeweiligen Bürgermeister von Prag den Ausbau der Eisenbahn von Wien, über Prag, nach Dresden und Berlin unterzeichnet. Langsam, so habe ich den Eindruck, wird es ja auch etwas. Gestern bin ich mit dem Zug angereist, was ich seit 35 oder 40 Jahren nicht mehr gemacht habe, und das war ein sehr angenehmes Erlebnis. Aber das ist nur pars pro toto. Es sind sehr viele gemeinsame Themen, die uns verbinden.“

Für ihn persönlich interessant sei zudem der Bereich Wissenschaft, sagt der promovierte Biologe und Zoologe. Er wünsche sich in Österreich und Wien eine ähnliche Unterstützung der Universitäten, wie es sie in Tschechien gebe, so Häupl.