Johann Kupezky - Ein Meister des Barockporträts

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Im Kultursalon wollen wir Sie zum Besuch einer Ausstellung einladen. "Johann Kupezky. Ein Meister des Barockporträts" heißt sie und ist nicht in Tschechien, sondern im Suermondt-Ludwig-Museum im westdeutschen Aachen bis zum 3. Februar zu sehen. Durch die Sendung führen Sie nun Jörn Nuber und Markéta Maurová.

Willkommen, liebe Hörerinnen und Hörer. Jan Kupecky oder Johann Kupezky, ein Maler böhmischer Herkunft, ist ein führender Repräsentant der mitteleuropäischen Porträtkunst der Barockzeit. Die Ausstellung umfasst 75 Gemälde, darunter Bildnisse von Kaiser Karl VI., seiner Tochter Maria Theresia, Prinz Eugen von Savoyen, aber auch von verschiedenen Freunden und Bekannten des Malers und von dem Künstler selbst. Es handelt sich dabei um Leihgaben von über dreißig Museen und Privatsammlungen aus ganz Europa. Kurator der Ausstellung ist der Kunsthistoriker und Kupezky-Forscher Eduard A. Safarik, der auch einen begleiteten Katalog zur Ausstellung verfasste. Sein Katalog diente uns als die wichtigste Quelle bei der Gestaltung der folgenden Sendung über das Leben und Werk Jan Kupezkys und die europäische Porträtkunst.

Die Porträtmalerei nimmt in der europäischen Kunstgeschichte eine besondere Stellung ein. Seit der Antike schufen Künstler Bildnisse von Menschen, die eine bestimmte Persönlichkeit widerspiegeln sollten. Als eigenständige Gattung bildete sich zunächst vor allem das Herrscherporträt heraus, das in Funktion, Bedeutung und Gestalt unterschiedlichen Zeitströmungen unterworfen war. Bis ins 18. Jahrhundert blieb die bildliche Darstellung eines Herrschers zumeist eine Auftragsarbeit, die von den am Hofe der jeweiligen Herrscher beschäftigten Malern ausgeführt wurde. Diese Abhängigkeit bedingte meist festgesetzte und vorgeschriebene Maßstäbe feudaler Repräsentation. Herrscherbildnisse waren deshalb eher idealisierte Selbstdarstellungen als authentische Wiedergaben der porträtierten Personen.

Der Typus des bürgerlichen Porträts entwickelte sich mit der zunehmenden politischen und gesellschaftlichen Bedeutung des städtischen Bürgertums seit der Renaissance. Wissenschaftler, Bankiers, Kaufleute und andere Mitglieder der Gesellschaft gaben Bildnisse in Auftrag, die ihrer Persönlichkeit Gestalt verleihen sollten.

Seit der Renaissance entwickelte sich auch das Künstlerbildnis zu einer eigenständigen Porträtform. Nach den versteckten Malerporträts der spätmittelalterlichen Tafelgemälde - der Autor verewigte sich als eine der vielen Figuren auf dem Gemälde - wurde Ende des 15. und Anfang des 16. Jahrhunderts das Künstlerbildnis zur selbstbewussten Darstellung der Künstlerpersönlichkeit genutzt.

Jan Kupezky wurde höchstwahrscheinlich im Jahre 1666 geboren. Dieses Datum ist jedoch ebenso unklar, wie sein Geburtsort. Es geht aus Kupezkys Testament hervor, in dem der Maler sein Alter mit 68 Jahren angibt und wird auch von anderen Personen bestätigt. Sein Biograph, Freund und Schüler, Johann Caspar Füessli beginnt aber seine im Jahre 1758 veröffentlichte Erzählung mit diesen Worten:

"Dieser war seinem Vaterland nach ein Böhm, von wannen seine Eltern der Eifer für ihren Gottesdienst wegtrieb, und sie nach der Ungarischen Gränzen, nach Pasing brachte, wo er 1667 gebohren ward".

Der Maler selbst erklärte jedoch in seinem obengenannten letzten Willen:

"Ich Johannes Kupezky, aus Böhmen gebürtig, jedoch der Wahren Evangelischen Religion angethan".

Und, ein wenig später, als er seinen Geschwistern eine bestimmte Summe seines erheblichen Vermögens vererben wollte:

"Weiters verschaffe meiner lieben Schwester, Fr. Maria Maixnerin zu Pesing in Böhmen an der Ungar. Grenze und meinem leibl. Bruder Jürga Kupezky in Ungarn Sechshundert Gulden...".

Zwischen seiner Behauptung, er sei "aus Böhmen gebürtig", und der Füesslis, er sei in Bösing geboren, besteht jedoch kein Widerspruch: der alte und kranke Künstler war eigenartigerweise davon überzeugt, dass die Stadt Bösing - Pezinok in der Nähe von Bratislava, heute in der Slowakei, in jener Zeit aber Teil des Ungarischen Königreiches - sich in Böhmen befand. Es ist auch möglich, dass er nicht einmal seinen wirklichen Geburtsort kannte, da er vielleicht während der plötzlichen Flucht der Eltern aus dem Heimatland das Licht der Welt erblickte.

Johann sollte so wie sein Vater Weber werden. Er flüchtete davor aber auf das Schloss des Grafen Czabor. Auf Czabors Empfehlung wurde er in die Lehre beim Schweizer Maler Klaus aufgenommen, dessen Tochter er später heiratete. Mit Klaus reiste Kupezky zunächst nach Wien und dann nach Italien. Er hielt sich in Rom, Bologna, Florenz, Mantova und Venedig auf. Er machte sich mit der Porträtkunst Sebastiano Bombellis und den Werken der sog. Tenebrosi bekannt und wurde allmählich zum anerkannten Porträtisten.

Mit vierzig Jahren kehrte Kupezky nach Wien zurück, wobei er vor allem die Unterstützung der Fürsten von Liechtenstein genoss. Bald schon avancierte er hier zu einem der geschätztesten Maler des Hoch- und Beamtenadels. 1709 heiratete er in der Kaiserstadt Susanna, die Tochter seines verstorbenen ersten Lehrers. Aus der unglücklichen Ehe gingen zwei Kinder hervor: Franziska und Christoph, die beide sehr früh verstarben. Besonders den Tod des talentierten Sohnes hat der erschütterte Kupezky nie überwunden.

Die Gemälde aus den Wiener Jahren, die sich jedes Jahr genau verfolgen lassen, erlauben uns, eine detaillierte Entwicklung seines Stiles darzulegen: die von seinen Auftraggebern erwünschte reiche barocke Pracht war dabei dem Künstler wohl eher aufgezwungen um deren Eitelkeit aufrechtzuerhalten. In dieser Zeit ließ er sich auch keine wichtige Arbeitsreise entgehen. 1712 porträtierte er in Karlsbad den russischen Zaren Peter den Großen, 1716 weilte er in Prag, weiter besuchte er Dresden, Leipzig und andere Städte.

Weil ihm seine Werke große Einnahmen verschafften, konnte er den Intrigen des Erfolges und des Reichtums, dem Neid der Kollegen nicht entgehen. Dies verband sich bei ihm mit dem Gefühl, aus religiösen Gründen verfolgt zu werden, was ihm mehr und mehr Angst bereitete. Sein unsteter und launenhafter Charakter, der noch nicht einmal Respekt für die Personen des Hofes besaß, wie Füessli uns informiert, der "ungeachtet ihm seine Freunde eine schlechte Aufnahme vermuthen ließen ..., so wagte er es doch, zu Kupezky hinzugehen", hat sicherlich seine soziale Stellung nicht erleichtert.

Im Jahre 1723 wartete auf Kupezky, der eigentlich sein ganzes Leben auf Reisen verbrachte, ein weiterer Umzug. Er erhielt den Nürnberger Stadtschutz, und siedelte sofort in diese Stadt über, deren Lebensstil ihm vielleicht mehr zusagte als der Wiener. Er wohnte in einem Haus am Panierplatz, fand dort neue Freunde und erhielt viele neue Aufträge der Bischöfe von Würzburg, der Markgrafen von Ansbach, der Herzogen von Gotha, der Kurfürsten von Mainz, aber auch von einfachen Bürgern, Kaufleuten, Wissenschaftlern und Handwerken. Diese bevorzugten eine realistische, einfache und strenge Wiedergabe, die der protestantischen Welt mehr entsprach. Dem Künstler lag es daran, die psychologischen Eigenschaften der dargestellten Personen widerzugeben. Er konzentrierte sich daher stark auf die Darstellung deren Gesichts sowie das lebendige Spiel der Hände.

Um 1730 ist er aufgrund der fortschreitenden Gicht, "die ihm unaussprechliche Schmerzen verursachte", gezwungen, seine Verpflichtungen einzuschränken, die er dann nach dem Tode seines geliebten Sohnes vollkommen aufgab. Sein letztes Werk ist wahrscheinlich das Traumgesicht, ein Gemälde, in dem ihm sein Sohn im Traum erscheint und das der Künstler dem Nürnberger Rathaus vermachte; später ging das Bild leider verloren.

Im Jahre 1734 setzte der Künstler sein Testament auf, in dem er den Armen der Stadt, den in Nürnberg niedergelassenen Salzburger Emigranten evangelischen Glaubens und den Verwandten von Bösing Vermächtnisse hinterließ.

Johann Kupezky starb am Sonnabend, dem 16. Juli 1740. Am 20. legte man "den berühmten Kupezky in eine Kutsche, führte ihn bey anbrechendem Tag auf den Johannis Kirchhof, setzte ihn dem Grab seines Sohnes bey, und scharrte ihn ein, ohne Gesang und Klang", ohne jegliche Zeremonie.

Autor: Jörn Nuber
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