Kultursalon

r_2100x1400_radio_praha.png

Was das Angebot von verschiedenen Sprachkursen in Tschechien betrifft, daran gibt es offenbar kein Mangel. Vor allem in Prag findet man jede Menge Sprachschulen, die sich staendig bemuehen ihre Studenten mit etwas Neuem anzulocken. Jedoch die Nachfrage nach dem Deutsch-Unterricht ist ziemlich schlecht. Natuerlich - meistens sind alle auf Englisch konzentriert und fuer die Nachbarsprache gibt es kein besonders grosses Interesse. Doch zumindest in Bruenn und in der ganzen suedmaehrischen Region sieht die Situation ein bisschen anders aus. Vor kurzem wurde da eine neue Filiale des Oesterreich-Instituts gegruendet. Mehr darueber berichtet Ladislav Kylar.

Suedmaehren - eine Region mit sonnigen Weinbergen, kleinen verschlafenen Staedtchen, romantischen Burgruinen und langsam fliessenden Fluessen, eine Region, wo die Verbindung zur deutschen Sprache in der ganzen Tschechischen Republik seit Jahrhunderten wahrscheinlich eine der staerksten ist. Es ist nicht nur die gemeinsame Geschichte der Laender der alten habsburgischen Monarchie, die hier lange ihren Einfluss ausgeuebt hat. Die ganze Lage der Region, geoeffnet nach Sueden hin, hat traditionell die Verbindung zu Wien und dadurch zur deutsch-oesterreichischen Kultur bedingt. Kein Wunder, dass sich die deutsche Sprache auch nach dem Fall des eisernen Vorhangs langsam wieder zu einem wichtigen Kommunikationsmittel der ganzen Region entwickelt. Dies ist zwar einerseits traditionsbedingt, aber entscheidend ist dabei auch der oertliche Wirtschaftsfaktor. Oesterreich beeinflusst die anderen Staaten im Laenderviereck - die Tschechische Republik, die Slowakei und Ungarn - nicht nur oekonomisch, aber auch kulturell und die deutsche Sprache spielt dabei auch eine sehr wichtige Rolle. Doch nach der Wende, der 40 Jahre Isolation vorgegangen sind, sind die Unterschiede zwischen den Laendern zu gross, als dass man sie einfach uebergehen koennte. Diese Differenzen zu milden ist auch eine grosse Aufgabe fuer die auslaendischen Kulturinstitute. Frau Astrid Pucharski, ehemalige Deutschlektorin der Masaryk-Universitaet, wurde erste Leiterin des neu gegruendeten Bruenner Oesterreich-Instituts. Die deutsche Kultur und die deutsche Sprache stehen an sich mit der Stadt Bruenn in enger Verbindung. Erstens gibt es eine jahrhundertelange gemeinsame Geschichte der Tschechen und Deutschen in dieser Stadt, die erst nach dem zweiten Weltkrieg abgebrochen wurde, zweitens ist es durch die geographische Lage bedingt. Von hier aus ist es nur etwa eine Stunde Fahrt nach Wien - die oesterreichische Grenze verlaueft ungefaehr 60 km von der Stadt entfernt. Dadurch ist leicht erklaerlich, dass auch die Stadt ueberwiegend auf die deutsche Sprache ausgerichtet ist. Auch gilt Bruenn an sich mit fast einer halben Million Einwohner als Metropole der ganzen suedmaehrischen Region. Aber nicht nur alle diese historisch bedingten Tatsachen haben bei der Auswahl des Sitzes des neuen Oesterreich-Instituts eine grosse Rolle gespielt. Frau Astrid Pucharski, Leiterin des neu gegruendeten Bruenner Oesterreich-Instituts: Doch bis sich die ersten Studierenden in die Baenke setzen, wird es noch etwas dauern. Das neue Oesterreich-Institut wurde offiziell erst vor ein paar Wochen gegruendet. Bis zum eigentlichen Unterrichtsbeginn am Anfang des Wintersemesters muss in diesem Sommer noch viel getan werden. Die ersten Kurse sollten vor allem den Angestellten der Bruenner Filliale der Ersten Bank und der Tschechischen Sparkasse dienen, die die Anschubfinanzierung leistete. Doch der Schwerpunkt liegt vor allem auf der Sprachvermittlung in der breiten Oeffentlichkeit und auf diesem Feld kann in Maehren noch viel getan werden. Zum Glueck ist aber dafuer das neue Oesterreich-Institut nicht allein zustaendig, Mitstreiter gibt es da viele.

Autor: Ladislav Kylar
abspielen