Masern-Epidemie im Kreis Ústí – wegen Impflücken aus den 1970ern
Im vergangenen Jahr wurden deutsche Ärzte von einer Krankheit aufgeschreckt, die eigentlich als besiegt galt: den Masern. Nun ist auch in Tschechien an der Grenze zu Sachsen eine epidemische Verbreitung der Krankheit bekannt geworden.
Wenn man aber erst als Erwachsener diese Kinderkrankheit bekommt, dann kann es gefährlich werden. Vor allem bei alten und schwächeren Menschen droht zusätzlich eine Lungenentzündung, und bei einem von 1000 Erkrankten bricht eine Gehirnentzündung aus.
In Tschechien haben normalerweise pro Jahr nicht mehr als 20 Menschen die Masern. Seit vergangener Woche sind es allein im Kreis Ústí nad Labem / Aussig rund 70. Die Hygieniker sprechen deswegen von einer Epidemie. Josef Trmal steht der sogenannten Kreishygienestation vor:„Die große Mehrheit gehört zum Personal des Masaryk-Krankenhauses in Ústí, sie bilden 75 Prozent der Erkrankten.“
Ausgangspunkt für die Infizierung mit dem höchst ansteckenden Virus war eine verschleppte Krankheit. Pavel Dlouhý, Leiter der klinischen Immunologie am Krankenhaus:
„Der erste Masernfall war ein Mann, der von einer Indien-Reise zurückkam. Vielleicht hat er sich auch auf einem Flughafen in Europa angesteckt. In den ersten vier Tagen einer Erkrankung sind die Symptome nicht spezifisch, und die Masern lassen sich noch nicht erkennen.“Der Indienreisende ging nach der Rückkehr nach Tschechien noch zu einer Feier, bei der er weitere Menschen ansteckte. Die Übertragung geschieht schnell, da eine Tröpfcheninfektion reicht. Nach der Einlieferung in das Masaryk-Krankenhaus übertrug sich die Krankheit aber auch auf das Personal. Es sind fast ausnahmslos Männer und Frauen im Alter zwischen 35 und 45 Jahren. Denn zu kommunistischen Zeiten gab es in der Tschechoslowakei eine Impflücke, wie Hygieniker Trmal in den Inlandssendungen des Tschechischen Rundfunks erläuterte:
„Normalerweise erfolgen gegen die Masern zwei Impfgaben. Ab 1969 wurde aber nur noch eine Dosis verabreicht, und zwar eines Stoffes, der in der damaligen Tschechoslowakei hergestellt wurde. Erst nach etwa sechs Jahren kehrte man wieder zur doppelten Impfgabe zurück. Diese Praxis besteht bis heute. Wir führen regelmäßig landesweite Kontrollen durch. Ich kann daher bestätigen, dass wir hierzulande einen hohen Stand an Frühimpfungen haben. Für junge Menschen und Kinder besteht praktisch keine Gefahr.“In der Klinik von Ústí wurde nun das Gesundheitspersonal aus Sicherheitsgründen zusätzlich nachgeimpft. Doch für die Allgemeinbevölkerung ist das nicht angedacht, eben weil im Allgemeinen die Durchimpfungsquote in Tschechien hoch ist. Wer sich aber unsicher ist, ob sein Immunschutz ausreicht, muss auf eigene Kosten nachbessern lassen. Dabei sagen tschechische Hygieniker, dass Ansteckungsgefahr nicht nur in exotischen Ländern besteht.
„Mehrere Staaten Europas haben zuletzt begonnen, Masern-Epidemien zu melden. Das waren Frankreich, Deutschland, Spanien und Italien, aber auch Belgien und Großbritannien“, so Roman Chlíbek von der tschechischen „Vakzinologischen Gesellschaft“.Im Falle Deutschlands gehen diese Epidemien auf eine allgemeine Impfmüdigkeit zurück. Entsprechend mehr Menschen sind betroffen als in Tschechien: So meldete Berlin beispielsweise im vergangenen Jahr knapp 500 Erkrankte und München sogar etwa 800.







