Mobil ans Ziel

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Willkommen und Start frei zu einer neuen Ausgabe unseres Verkehrsmagazins "Mobil ans Ziel". Aus dem Prager Studio begrüßen Sie dazu ganz herzlich Karin Schöne und Lothar Martin.

In unserer letzten Sendung vor 14 Tagen haben wir Sie über den aktuellen Stand der Motorisierung in der Tschechischen Republik, d.h. über die neueste Statistik hinsichtlich der registrierten Fahrzeuge, deren durchschnittliche Lebensdauer, die Trends bei Zulassungen und Abmeldungen und dergleichen mehr informiert. Allerdings sind wir im Detail aus Zeitgründen nur auf die Personenkraftfahrzeuge eingegangen. Bei unserem Gespräch mit dem Direktor der Vereinigung für Fahrzeugindustrie (SAP) in Tschechien, Antonín Sípek, haben wir jedoch auch Näheres zu den hierzulande registrierten LKW´s, Autobussen und Motorrädern erfahren. Und das wollen wir Ihnen natürlich nicht vorenthalten.

Knüpfen wir zuerst an die Zahlen an, die wir Ihnen bereits vor 14 Tagen genannt haben. Demnach sind derzeit rund 4,6 Millionen Fahrzeuge in Tschechien registriert, davon allein 3,5 Millionen PKW´s. Die zugelassenen PKW´s haben einen Altersdurchschnitt von 13,57 Jahren und sie sind im Besitz von durchschnittlich jedem dritten Tschechen unter den 10 Millionen Einwohnern des Landes. Nun ist Tschechien aber nicht nur durch seine Skodas und die früher produzierten Tatras bekannt, sondern hatte auch einen guten Ruf als Zweiradhersteller, und zwar als Produzent der Motorradmarken Jawa und CZ. Beide Marken haben seit der Wende vor zwölf Jahren äußerste Schwierigkeiten, sich auf dem Markt zu behaupten bzw. sind wie im Falle von CZ so gut wie nicht mehr präsent. Doch das ist nicht der alleinige Grund, weshalb die Anzahl der in Tschechien registrierten Motorräder von knapp 1,2 Millionen im Jahr 1992 auf inzwischen rund 737.000 Kräder gesunken ist. Zur Situation im Zweiradbereich sagte uns Antonín Sípek: "Wissen Sie, die Motorräder sind eine weitere Spezifität hier in der Tschechischen Republik. In der Regel hatte früher fast jeder Tscheche, wie man so sagt, ein Krad, sei es eine Pionier, eine Simson, eine Jawa 50, eine Jawa 250, die berühmte Jawa 350 oder eine alte CZ. Vornehmlich auf dem Dorf hatte nahezu jede Familie ein Zweirad. Und selbst wenn man schon nicht mehr regelmäßig damit gefahren ist, es wurde nicht verschrottet, sondern als Statussymbol beibehalten. Man nutzte es halt nur noch für kleine Touren, zum Beispiel für die morgendliche Ausfahrt zum Angeln, für Fahrten in den Wald und dergleichen mehr. Als es aber vor zwei Jahren, wie ich bereits geschildert habe, durch die Einführung des neuen Gesetzes über die Haftpflichtversicherung sozusagen zur ´Säuberung des Marktes´ kam, dann wurde auch eine Vielzahl dieser Motorräder ausrangiert. Aber auf der anderen Seite gibt es immer noch eine ganze Reihe von Zweiradfans, die ihren ´Feuerstuhl´ lieben, ihn hegen und pflegen, und ihn deshalb trotz erhöhter Versicherungsgebühren noch längst nicht aus dem Verkehr gezogen haben. Einige von ihnen wird man ganz sicher auch wieder beim WM-Grand Prix an diesem Wochenende auf dem Masaryk-Ring bei Brünn zu Gesicht bekommen."

Dass diese Motorräder gehegt und gepflegt werden müssen, um verkehrssicher zu bleiben, dafür spricht auch das hohe Durchschnittsalter der registrierten Kräder, das bei 30,1 Jahren liegt. Daher interessierte uns natürlich auch, wie es derzeit um die Produktion der hiesigen Marken bzw. um den Import von modernen Maschinen bestellt ist. Dazu äußerte Sípek: "Nun, es lässt sich nicht sagen, dass Jawa aufgelöst wurde. Tatsache aber ist, dass die Firma CZ nach dem Zusammenschluss mit der italienischen Marke Cagiva innerhalb von fünf Jahren ihre Motorradproduktion eingestellt hat. Jawa produziert weiterhin und bei den Verkaufszahlen auf dem tschechischen Markt findet sich das Unternehmen auf dem sechsten bis achten Platz unter 30 Marken wieder, was kein solch schlechtes Ergebnis ist. Andererseits durchläuft der Motorradmarkt in Tschechien derzeit gerade eine Renaissance, der Verkauf sowohl von neuen als auch gebrauchten Maschinen aus dem Ausland ist im Anstieg begriffen. Daraus folgt, dass der Fahrzeugpark auch unter den Zweirädern wieder zunimmt und dass die Oldtimer, die vornehmlich auf den Dörfern aufbewahrt werden, immer seltener das Straßenbild in Tschechien prägen."

Um über 14.000 Fahrzeuge hat im ersten Halbjahr dieses Jahres die Anzahl der in Tschechien zugelassenen Lastkraftwagen, Spezial- und Nutzfahrzeuge zugenommen, was bei der Gesamtanzahl von rund 384.500 Fahrzeugen einer Steigerung von 3,6 Prozent entspricht. Knapp 290.000 dieser LKW´s weisen dabei ein durchschnittliches Betriebsalter von 10,4 Jahren auf. Auf unsere Frage, wie er dies Zahlen werte, antworte uns Antonín Sípek: "Nun, was die Lastkraftwagen anbelangt, ein durchschnittliches Betriebsalter von etwas über zehn Jahren ist das schlechteste nicht. Aber ich muss hinzufügen, dass dieses Durchschnittsalter natürlich von der kleinsten Fahrzeugkategorie in diesem Bereich beeinflusst wird, und das sind die kleinen Nutzfahrzeuge. Diese Kategorie war bis vor der Wende in Tschechien so gut wie gar nicht vertreten, lediglich die Skoda-Fahrzeuge vom Typ 12 und 12/3 erfüllten diese Funktion. Hier hat sich in den letzten zehn Jahren am meisten getan, denn gleich eine ganze Palette kleiner Nutzfahrzeuge ist auf dem Markt erschienen, sowohl einheimische Typen wie der Skoda Pick-up als auch zahlreiche ausländische Fabrikate. Leider sieht es in der mittleren Kategorie von 3,5 bis 12 Tonnen und auch in der Kategorie der schweren Fahrzeuge über 12 Tonnen nicht so rosig aus, denn da liegt das durchschnittliche Betriebsalter weit höher. Auf einem sehr guten Stand hingegen sind unsere Zugmaschinen. Hier sind sich unsere Spediteure offenkundig dessen bewusst, dass sie für Transitfahrten im Ausland moderne und ökologisch günstige Fahrzeuge haben müssen, um im Geschäft zu bleiben. Daher ist das Betriebsalter dieser Fahrzeuge wesentlich niedriger."

Bei allen Verbesserungen, die im tschechischen LKW-Fahrzeugpark inzwischen Einzug gehalten haben, muss Sípek aber auch einen Wermutstropfen in den Becher der Zufriedenheit gießen: "Wenn wir uns schon über Lastkraftwagen unterhalten, dann will ich noch etwas zu den Autobussen sagen. Hier ist die Situation meiner Meinung nach am schlimmsten, und zwar deshalb, weil das durchschnittliche Betriebsalter der knapp 20.000 in Tschechien verkehrenden Busse schon fast zwölf Jahre beträgt. Und das ist für Autobusse relativ hoch. Es wird nämlich angeben, dass die technische und moralische Betriebsdauer eines Busses bei acht bis neun Jahren liegt. Also hier sollte der Staat zu einer rasanteren Erneuerung der im öffentlichen verkehr eingesetzten Autobusse beitragen."

Dabei sei der einheimische Busproduzent Karosa aufgrund seiner Kooperation mit dem französischen Hersteller Renault durchaus in der Lage, den Bedarf an Neufahrzeugen zu decken, erklärt uns Sípek, aber das Problem liegt woanders.

"Freilich ist das eine Frage der Finanzierung zum Kauf von neuen Autobussen. Weil der öffentliche Verkehr von den Kreisen bzw. Bezirken sichergestellt wird, ist dies demnach eine Frage der staatlichen Zuschüsse, die den Kommunen zur Erneuerung des Autobusparkes zur Verfügung gestellt werden. Ein Bus kostet immerhin zwischen dreieinhalb und sieben Millionen Kronen. Der Staat, dessen Aufgabe es ist, eine grundlegende Transportkapazität im öffentlichen Verkehr zu gewährleisten, sollte daher ein entsprechendes Programm verabschieden."

Sie merken also dass es im Fahrzeugbereich auch in Tschechien noch das ein oder andere Problem zu lösen gilt. Wir jedenfalls bleiben dran, wie es diesbezüglich vorwärts geht.

Autoren: Lothar Martin , Karin Schöne
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