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Tschechische Politiker zeigen sich erschüttert über Terroranschläge in den USA

Alle führenden tschechischen Politiker haben die Terrorangriffe auf die USA scharf verurteilt. Präsident Havel äußerte in einer ersten Reaktion auf die Ereignisse in den Vereinigten Staaten:

"Ich möchte für unser Land und für alle unsere Bürger allen Opfern und Hinterbliebenen meine tiefe Anteilnahme aussprechen und das amerikanische Volk versichern, dass wir an seiner Seite sind und zu jeder Hilfe im Rahmen unserer Möglichkeiten bereit. Ich sehe in den Anschlägen einen Angriff auf die menschliche Freiheit und die Demokratie. Ich vermute, dass das eine große Warnung an die Zivilisation ist, die uns einfach dazu auffordert, dass wir unsere Verantwortung für diese Welt maximal mobilisieren. Fanatiker und Verrückte dürfen uns nicht alle als ihre Geiseln nehmen."

Der Vorsitzende des Abgeordnetenhauses, Vaclav Klaus, bezeichnete die Nachrichten über die Terroranschläge als "einfach unglaublich und schrecklich". Er sehe darin ein Muster für die Katastrophen der Moderne, die mit diesem furchtbaren Tag wohl nicht endeten und Zeichen für die Zerbrechlichkeit und Verletzbarkeit der modernen Zivilisation seien, sagte Klaus vor Journalisten. Er fügte hinzu:

"Ich bin nicht nur erschreckt über das immense menschliche Unglück, sondern auch über die Ernsthaftigkeit des ganzen Anschlags auf die gesamte Zivilisation. Ich will hiermit meine tiefste Verachtung denen gegenüber äußern, die nicht gezögert haben, Leben von unschuldigen Menschen für die Erreichung ihrer Ziele zu opfern, zu denen nichts anderes als die Störung der Grundlage der menschlichen Gesellschaft gehören kann."

Auch die tschechische Diplomatie hat die Serie von Terroranschlägen in den Vereinigten Staaten entschieden verurteilt und dem amerikanischen Volk sein Beileid ausgesprochen. Außenminister Jan Kavan sagte am Dienstagabend:

"Ich möchte sagen, dass ich soeben meinem Amtskollegen, US-Außenminister Colin Powell, ein Telegramm geschickt habe. Darin habe ich meine Erschütterung über die hohe Zahl an Verunglückten und Verletzten zum Ausdruck gebracht und diesen feigen terroristischen Anschlag verurteilt. Ich habe inzwischen mit meinen Kollegen von der Regierung gesprochen - wir teilen dieselben Gefühle der Erschütterung, verurteilen die Anschläge und sind bereit, auf jedwede Art zu helfen. Was die ersten, von meinem Ressort bislang getroffenen Maßnahmen anbelangt, kann ich sagen, dass wir die ersten Sicherheitsmaßnahmen in unseren diplomatischen Vertretungen, insbesondere im Nahen Osten sowie in einigen anderen ausgewählten Regionen getroffen haben. Es handelt sich um Präventivmaßnahmen und sobald wir über weitere Informationen verfügen, können wir diese Maßnahmen präzisieren. Dies sind die ersten Maßnahmen, um unsere Mitarbeiter zu beschützen. In diesem Augenblick haben wir keine Information darüber, dass jemand von unseren Angestellten verletzt wäre. Ich war damals selbst in der Nähe dieser Wolkenkratzer, als dort vor einigen Jahren eine Bombe explodierte. Das war ein viel kleinerer Anschlag, trotzdem war es grausam. Ich erinnere mich immer noch an die damalige Panik und an die Auswirkungen für die ganze Umgebung. Ich kann mir diese Gräuel vorstellen."

Der Vorsitzende des außenpolitischen Ausschusses des Senats, Michail Zantovsky, machte darauf aufmerksam, dass die Terrorakte nicht nur als Anschlag auf die Vereinigten Staaten zu begreifen seien:

"Ich glaube, wir sollten uns auch eine Sache bewusst machen - auch wenn es vielleicht noch verfrüht ist, sie auszusprechen: Es geht nicht nur um die Vereinigten Staaten. Die Vereinigten Staaten sind unser Verbündeter und wir sind ein Teil der Nordatlantischen Allianz, gemeinsam mit 18 weiteren Staaten. Und Artikel 5 des Washingtoner Vertrags sagt: Ein Angriff auf einen der Staaten der Allianz ist ein Angriff auf alle Länder der Allianz - das heißt, auch ein Angriff auf uns."

Ein tschechischer Augenzeuge, der die Terroranschläge in den USA direkt miterlebte, berichtete dem Tschechischen Rundfunk über seine unmittelbaren Eindrücke:

"Die Menschen sprangen aus den höchsten Stockwerken, aus der 100. Etage haben wir Menschen herausfallen sehen. Es war schrecklich. Dann sah ich mich über die Schulter um und sah ein weiteres Flugzeug, da kam ich mir nun mehr vor wie im schlechtesten Film. Das Flugzeug prallte direkt gegen den zweiten Turm."

Verteidigungsminister Tvrdik beruft Krisenstab ein

Der tschechische Verteidigungsminister Jaroslav Tvrdik kehrte unmittelbar nach Bekanntwerden der Attentate von einer Reise in die Slowakei zurück und versetzte Teile der Armee in Alarmbereitschaft. Die Atomsicherheitsbehörde rief in den beiden Kernkraftwerken in Temelin und Dukovany die höchste Sicherheitsstufe aus. Innenminister Stanislav Gross ließ gefährdete Objekte bewachen oder schließen. Dazu gehörte auch der Amtssitz von Havel, die Prager Burg. Gross berief zudem noch für den Abend den nationalen Krisenstab ein. Ein Flugzeug der tschechischen Linie CSA, das am Mittag von Prag nach New York aufgebrochen war, musste nach kurzem Flug nach Tschechien zurückkehren.

Czech airlines treffen erhöhte Sicherheitsmaßnahmen auf allen Fluglinien

Die tschechische Fluggesellschaft Czech airlines hat als Reaktion auf die Terroranschlägen in den USA bis auf weiteres erhöhte Sicherheitsmaßnahmen auf allen Fluglinien getroffen.