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Spacek: Präsident Havel ist ernsthafter erkrankt als zunächst angenommen

Die gegenwärtige Erkrankung des tschechischen Präsidenten Václav Havel ist einer Information seines Sprechers Ladislav Spacek zufolge ernsthafter als seine vorangegangenen Krankheiten. Handelte es sich vormals oft "nur" um eine Aktivierung seiner chronischen Bronchitis, so wurde diesmal eine Lungenentzündung beim tschechischen Staatsoberhaupt festgestellt. "Angegriffen ist der rechte Lungenflügel, bei dem vor fünf Jahren eine bösartige Geschwulst operativ entfernt worden ist. Das bedeutet, dass sein Gesundheitszustand relativ ernst ist und er daher unter ständiger Beobachtung steht," sagte der Sprecher am Mittwochmorgen im Tschechischen Rundfunk. Vaclav Havel war am Montagabend mit Atembeschwerden erneut ins Prager Militärkrankenhaus eingeliefert worden. "Das Staatsoberhaupt ist fieberfrei, nimmt Antibiotika und fühlt sich den Umständen entsprechend gut", hatte sein Leibarzt Ilja Kotik noch am Dienstag mitgeteilt. Gleichzeitig hatte Kotik jedoch einschränkend durchblicken lassen, dass Havels Körper wegen der häufigen Krankheiten nicht mehr auf alle Medikamente anspreche. "Gegebenenfalls müssen wir ausländische Kollegen um Hilfe bitten", sagte Kotik. Die Präsidentenkanzlei sagte bis auf unbestimmte Zeit alle Termine ab. Der Präsident bleibe voraussichtlich zumindest bis zum Wochenende im Krankenhaus, sagte Kotik. Havels körperliche Abwehrkräfte sind aufgrund der Jahre langen Haft im kommunistischen Gefängnis, des teilweise amputierten rechten Lungenflügels und eines großen Arbeitspensums latent geschwächt.

Prager Abgeordnetenhaus verabschiedet defizitären Staatshaushalt für 2002

Die Tschechische Republik wird im Jahr 2002 einen defizitären Staatshaushalt in Höhe von 46,2 Milliarden Kronen haben. Das entschieden die hiesigen Abgeordneten am Dienstag während der Sitzung des parlamentarischen Unterhauses in Prag. Für den Kabinettsentwurf stimmten die regierenden Sozialdemokraten und die nach einem Tolerierungsabkommen mit ihnen verbundene stärkste Oppositionspartei, die ODS. Gegen ihn stimmten die Abgeordneten der Christlich-Demokratischen Volksunion (KDU-CSL), der Freiheitsunion und der Kommunisten. Laut Regierungsvorlage stehen im Staatsbudget des kommenden Jahres den Einnahmen von 690,4 Milliarden Kronen Ausgaben von 736,6 Milliarden Kronen gegenüber.

Tschechischer Sicherheitsrat empfiehlt Umzug von Radio Freies Europa

Der Sicherheitsrat des tschechischen Staates hat am Dienstag der Regierung um Ministerpräsident Milos Zeman die Empfehlung ausgesprochen, mit den Repräsentanten der Rundfunkstation Radio Free Europe/Radio Liberty die Verhandlungen über die Umsiedlung des Senders zu beginnen. Die Produktions- und Senderäume von Radio Freies Europa sind derzeit im Gebäude der ehemaligen Tschechoslowakischen Föderalversammlung mitten im Prager Stadtzentrum untergebracht und spätestens seit den terroristischen Anschlägen vom 11. September in den USA auch ein Ziel der internationalen Terroristen. Das Gebäude wird deshalb seit Wochen von Soldaten und vier Panzerwagen bewacht, was auch zu Verkehrseinschränkungen in der Prager City geführt hat. Der Sender soll nun nach Möglichkeit an einen sichereren Ort außerhalb der Innenstadt verlegt werden, äußerte der tschechische Premier nach der Sitzung vor Journalisten. Der Sender selbst möchte zwar gern im Stadtzentrum bleiben, wird sich aber einem Umzug in ein anderes, sichereres Objekt nicht verschließen, wenn auch von dort gute Sendemöglichkeiten bestehen, erklärte dessen Sprecherin Sonia Winter.

Regierung und Zentralbank wollen Kursanstieg der Krone entgegen wirken

Den Aussagen des tschechischen Premiers Milos Zeman zufolge seien Erwägungen über das Einfrieren von Teilerträgen aus der Privatisierung eine völlig legitime ökonomische Maßnahme. Beim Briefing nach der Sitzung des Tschechischen Sicherheitsrates sagte Zeman, dass er sich bei seinem Treffen mit dem Gouverneur der Tschechischen Nationalbank, Zdenek Tuma, am Dienstag mit diesem auf die Notwendigkeit eines gemeinsamen Vorgehens der Regierung und der Zentralbank hinsichtlich des anhaltenden Kursanstiegs der Tschechischen Krone geeinigt habe. Die Tschechische Nationalbank ist bereit, die aus der Privatisierung gemachten Deviseneinnahmen des Staates für Kronen entsprechend so zu kaufen, dass dieses Geld zu keinem weiteren indirekten Kursanstieg der Krone beitragen werde, sagte Gouverneur Tuma vor Journalisten. Aufgrund der Vereinbarung von Regierung und Zentralbank sank der Kurs der Krone am Dienstagnachmittag wieder auf 31,77 Kronen für einen Euro, was einem Kurs von 16,25 Kronen für eine D-Mark entspricht. Bei Eröffnung des Geldmarktes am Dienstagmorgen hatte der Kurs seinen historischen Höchstwert von 31,33 Kronen für einen Euro erreicht. Dennoch bleibt zu konstatieren, dass der Kurs der tschechischen Währung innerhalb der letzten Monate gegenüber der D-Mark um rund 2 Kronen angestiegen ist.

Tschechien schickt Soldaten nach Afghanistan und Kuwait

Im Rahmen des internationalen Kampfes gegen den Terrorismus wird NATO- Mitglied Tschechien vermutlich in Kürze eine C-Waffen-Einheit aus der nordböhmischen Stadt Liberec/Reichenberg auf einem US-Stützpunkt in Kuwait stationieren. Das wurde am Dienstag am Rande einer Sitzung des außenpolitischen Parlamentsausschusses in Prag verlautbart. Der Einsatz einer weiteren Einheit in Afghanistan werde nicht ausgeschlossen, sagte ein Abgeordneter. Insgesamt stelle Tschechien maximal 400 Soldaten für die Operation "Enduring Freedom" zur Verfügung. Den Vorstellungen der Prager Regierung nach sollen beide Kammern des Parlaments noch in dieser Woche dem Einsatz zustimmen.

Tschechische Soldaten müssen im Kosovo auf terroristische Angriffe achten

Der Vizepräsident der serbischen Regierung Nebojsa Covic hat am Dienstag in der slowakischen Hauptstadt Bratislava erklärt, dass auf die gemeinsame tschechisch- slowakische Einheit, die ab Anfang des neuen Jahres im Kosovo eingesetzt wird, nicht nur humanitäre Aufgaben zukommen werden, sondern dass diese Soldaten auch mit dem Terrorismus in Berührung kommen könnten. Die gemeinsame Einheit, in der die Slowaken eine Kompanie stellen werden, soll im Rahmen der KFOR-Mission zum Einsatz kommen.

Prozess gegen Ex-Regierungschef Strougal auf Januar vertagt

Der Prozess wegen Amtsmissbrauchs gegen den früheren Regierungschef der kommunistischen Tschechoslowakei, Lubomir Strougal, ist am Dienstag " einen Tag nach seiner Eröffnung " zur weiteren Anhörung von Zeugen auf Januar vertagt worden. Die drei für heute vorgeladenen Zeugen waren aus Krankheits- bzw. unbekannten Gründen nicht vor Gericht erschienen. Der heute 77-jährige Strougal muss sich vor einem Prager Gericht wegen Strafvereitelung und Amtsmissbrauch verantworten. Er soll 1965 als Innenminister Untersuchungen zum gewaltsamen Tod von drei politischen Häftlingen unterdrückt haben. Strougal weist die Vorwürfe zurück. Der heutige Rentner ist der bisher höchste Ex-Funktionär der CSSR, der sich nach der politischen Wende von 1989 vor Gericht verantworten muss. Ihm drohen bis zu zehn Jahre Haft.

Ústí nad Labem/Aussig muss sich nicht für umstrittene Mauer entschuldigen

Die nordböhmische Stadt Ústí nad Labem/Aussig muss sich nicht für den Bau der umstrittenen Mauer entschuldigen, mit der die Kommune 1999 sechs Wochen lang eine Roma-Siedlung von einem Wohngebiet trennte. Das entschied am Dienstag ein Gericht in Prag, das damit die Klage einer Roma-Frau zurückwies. Die Stadt hatte am 13. Oktober 1999 die 62 Meter lange und 1,80 Meter hohe Absperrung hochziehen lassen, um die Anwohner der Roma-Siedlung "vor Lärm und Schmutz" zu schützen. Nach internationalen Protesten wurde die Mauer abgerissen.

VW-Tochter Skoda beginnt mit Montage in der Ukraine

Der tschechische Fahrzeughersteller Skoda auto a.s., Tochter des deutschen Volkswagen-Konzerns, beginnt an diesem Mittwoch mit der Montage ihrer Modelle Octavia und Fabia in der Ukraine. Das Unternehmen rechne mit jährlich bis zu 7000 Wagen, berichtete die Prager Tageszeitung "Hospodarské noviny" in ihrer Dienstag-Ausgabe. Die Montage übernehme in Lizenz die Firma Evrocar in der Stadt Cop nahe der slowakisch-ungarischen Grenze. In das Projekt seien bisher 15 Millionen US-Dollar investiert worden, berichtete das Blatt.

SPORT: Tschechien besiegt Schweden nach Schierifehler und Los mit 4:3

Im Auftaktspiel des dritten Turniers zur diesjährigen Euro-Hockey-Tour, dem Baltica Cup, trennten sich am Dienstag in Moskau die Eishockey- Nationalmannschaften der Tschechischen Republik und Schwedens 3:3 nach Verlängerung. Entgegen dem offiziellen Turniermodus, bei unentschiedenem Spielausgang einen Sieger per Penaltyschießen zu ermitteln, ließ der russische Schiedsrichter Semjonov die Begegnung ohne diese Entscheidung beenden. Über den Sieger und damit Gewinner des zweiten Punktes wurde daher nachträglich per Los entschieden. Es fiel zugunsten von Weltmeister Tschechien aus.