Nachrichten Dienstag, 19. September, 2000

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Von Marketa Maurova

Herbsttagung von IWF und Weltbank beginnt in Prag

In Prag beginnt am Dienstag die Herbsttagung des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank. Am ersten Tag der Tagung wird die Prognose der Weltwirtschaft "World Economic Outlook" veröffentlicht. Etwa 18 000 Wirtschaftsexperten aus rund 180 Ländern wollen bis zum 28. September unter anderem über die Entschuldung von Entwicklungsländern beraten. Die eigentliche Tagung, zu der 182 und Gouverneure der Zentralbanken zusammenkommen, findet am 26.-28. September statt. Protestgruppen haben angekündigt, die Tagung in der tschechischen Hauptstadt empfindlich stören zu wollen. Sie werfen den Institutionen vor, die Entwicklungsländer zu Gunsten der Industriestaaten zu benachteiligen. Im Rahmen der Tagung findet am Samstag auch ein Treffen der G-7-Finanzminister statt.

Das Kabinett billigte den Hauhaltsentwurf

Das Kabinett hat auf seiner Sitzung die endgültige Version des Staatshaushaltes für das Jahr 2001 gebilligt. Man rechnet darin mit einem Defizit von 20 Milliarden Kronen, das im Vergleich mit der früheren Version um 3 Milliarden Kronen reduziert wurde. Die Einnahmen sollen die Höhe von 630,7 Milliarden und die Ausgaben 650,7 Milliarden Kronen erreichen. Die Minister entschieden des weiteren über die Anhebung der Renten ab dem Dezember dieses Jahres, und zwar um durchschnittlich 350 Kronen.

Bereitschaft zu Verhandlungen über das AKW Temelin

Präsident Vaclav Havel äußerte am Montag während seines Besuchs in Südmähren seine Bereitschaft, mit jedem Gespräche über das Atomkraftwerk Temelin zu führen. Er habe nie gesagt, dass die Umweltaktivisten für ihn keine Verhandlungspartner seien, erklärte Havel. Er betonte jedoch, dass er in keinem Fall unter Druck verhandeln und nicht auf Drohungen oder Erpressungen eingehen wird.

Weder österreichische Umweltaktivisten noch der oberösterreichische Hauptmann Josef Pühringer stellen Verhandlungspartner für die tschechische Regierung dar. Premier Milos Zeman sagte dies am Montag auf einer Pressekonferenz. Er reagierte damit auf einen Brief, den die Sprecher der Oberösterreichischen Plattform gegen Atomgefahr, Josef Pühringer und Otto Gumpinger, an 15 Spitzenrepräsentanten Tschechiens geschickt haben.

Stadtgericht hob das Verbot des Protestumzugs auf

Das Stadtgericht in Prag hat am Montag die Entscheidung des Gerichts im Stadtteil Prag 2 aufgehoben, das den Protestumzug der Bürgervereinigung "Umweltverteidigung" gegen die Politik des Internationalen Währungsfonds verboten hatte. Die Demonstranten müssen jedoch die Absperrung einiger Straßen in der Umgebung des Kongresszentrums respektieren, über die der Prager Magistrat entschieden hat, stellte das Stadtgericht fest. Während der Sitzung des Internationalen Währungsfonds und der Weltbank in Prag sollen etwa 200 Veranstaltungen in der ganzen Stadt stattfinden, die mit der Tagung zusammenhängen, darunter auch zahlreiche Protestaktionen. In der tschechischen Hauptstadt werden etwa 18 Tausend offizielle Gäste sowie 20 bis 50 Tausend Globalisierungsgegner erwartet.

Österreichische und bayrische Experten werden nach Temelin eingeladen

Der Vorstand des Industrieverbandes der Tschechischen Republik hat entschieden, Repräsentanten der Industrieverbände aus Österreich und Bayern zu einer Visite und Besichtigung ins Atomkraftwerk Temelin einzuladen. Dort können sie sich nicht nur mit unabhängigen Experten im Bereich der Kernenergie, sondern auch mit den Betreibern des Kraftwerks treffen, steht im Bericht des Industrieverbandes. Der Vorstand äußerte des weiteren eine eindeutige Unterstützung der Inbetriebnahme des Kernkraftwerks Temelin. Dafür sprechen die Notwendigkeit, die Kohlekraftwerke zu ersetzen, sowie die wachsende Nachfrage nach Strom.

Proteste der Staatsbeamten

Etwa 200 Staatsbeamte haben sich am Montag Vormittag vor dem Prager Gebäude der Gewerkschaftsverbände versammelt, um eine Erhöhung der Tariflöhne im kommenden Jahr um 10 Prozent öffentlich zu verlangen. Die Regierung verspricht ihnen die Tarifsteigerung um nur 6 Prozent, was negative Folgen auf die Realeinkommen haben wird. Der Vorsitzende der Gewerkschaftler im Gesundheitsressort, Jiri Schlanger, erklärte auf der Kundgebung, dass man eine Lohnerhöhung erwartet, die nicht nur die zukünftige Inflation, sondern auch den Verlust aus diesem Jahr ausgleicht, als die Gehälter im Staatssektor eingefroren blieben.

Die renovierte Tein-Orgel wird in vier Konzerten vorgestellt

Ein internationales Symposium und ein Interpretationskurs werden bis zum Freitag die Internationale Woche der Tein-Orgel begleiten. Diese älteste Barockorgel in Prag, die sich in der Tein-Kirche auf dem Altstädter Ring befindet, wurde am Sonntag nach zweijährigen Restaurierungsarbeiten eingeweiht. In dieser Woche wird das Instrument in vier Mittagskonzerten vorgestellt. Die Renovierung der Orgel, die in den Jahren 1671 bis 1673 gebaut worden war, wurde von der deutschen Firma Johannes Klais durchgeführt. Drei Viertel der Kosten in Höhe von 1,2 Millionen Mark wurde aus dem deutschen staatlichen Fonds zur Unterstützung der deutschen Kultur in Osteuropa finanziert.

Tschechien hat in Sydney zwei Medaillen gewonnen

Bei den Olympischen Sommerspielen in Sydney konnte die Tschechische Republik bereits eine Gold- und eine Bronzemedaille gewinnen. Den Olympiasieg errang Stepanka Hilgertova in der Kajak-Slalom-Konkurrenz der Damen, womit sie ihren Triumph von Atlanta 96 wiederholen konnte. Für den Gewinn der Bronzemedaille sorgte Jan Rehula im erstmals bei Olympia ausgetragenen Wettbewerb im Triathlon.

Wetter

Abschließend der Wetterbericht. Am Dienstag soll es leicht bewölkt sein, in den Morgenstunden muss mit Nebel gerechnet werden. Die Nachttemperaturen liegen zwischen 9 und 5 Grad. Die Tageshöchstwerte steigen auf 16 bis 20 Grad Celsius.