Nachrichten Donnerstag, 02. November, 2000

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Von Marcela Pozarek

ZEMAN UND SCHÜSSEL ÜBER TEMELIN

Der tschechische Premier Milos Zeman und der österreichische Bundeskanzler Wolfgang Schüssel einigten sich nach einem mehrstündigen Treffen in Brünn am Dienstag laut der Nachrichtenagentur CTK darauf, dass man in Zukunft vermehrt und transparenter im Bezug auf die Inbetriebnahme des südböhmischen AKWs Temelin bilateral miteinander kommunizieren müsse. Zudem einigten sich die Ministerpräsidenten beider Länder darauf, dass man in Zukunft die Sicherheitsstandards für Kernkraftwerke in Europa, die von der EU ausgearbeitet werden respektieren wird. Als Vermittler zwischen Österreich und Tschechien soll in Zukunft der EU- Osterweiterungskommissar Günther Verheugen dienen. Weitere Details über das Treffen der beiden Spitzenpolitiker in Brünn erfahren Sie gleich in unserem anschliessenden Tagesecho.

GRENZBLOCKADEN BEGINNEN WIEDER

Ihren Unmut über das Treffen von Premier Zeman und Bundeskanzler Schüssel manifestierten österreichische AKW-Gegner, in dem sie bekannt gaben, dass man ab Donnerstag morgen wieder tschechisch-österreichische Grenzübergänge blockieren wird. Dies gab der Vorsitzende der Oberösterreichischen Initiative gegen Atomgefahr Josef Pühringer am Mittwoch der CTK bekannt.

DEUTSCHER UND TSCHECHISCHER UMWELTMINISTER IN BERLIN

Welchen Einfluss die Kernenergie auf die Umwelt hat darüber werden am Donnerstag in Berlin der tschechische Umweltminister Milos Kuzvart mit seinem deutschen Amtkollegen Jürgen Trittin verhandeln. Wie die Pressesprecherin des tschechischen Umweltministeriums heute bekannt gab, werden die beiden Ressortkollegen auch über die Autobahnstrecke zwischen Prag und Dresden, insbesondere über den Teilabschnitt der durch das Naturschutzgebiet im nordböhmischen Mittelgebirge führen wird, sprechen.

EU - BEURTEILUNG DER TSCHECHISCHEN REPUBLIK

Der tschechische EU Chefunterhändler Pavel Telicka weilte am Dienstag in Brüssel um der Europäischen Kommission zu erläutern, wieweit Tschechien bei der Erfüllung der Beitrittskriterien vorangeschritten ist. Im Zusammenhang mit dem Umstand, dass nächsten Woche der alljährliche Fortschrittsbericht der Europäischen Kommission für die Beitrittskandidaten vorliegen wird, wies Telicka darauf hin, dass die Position Tschechiens keine schwache sei, da man weit fortgeschritten sei beispielsweise in der ökonomischen Liberalisierung und beim Anteil ausländischer Investoren im Land. Grundsätzlich wird sich die Europäische Kommission in der Beurteilung der Beitrittskandidaten künftig vor allem auf Analysen der wirtschaftlichen Restrukturalisierung und Privatisierung und deren Transparenz konzentrieren. Hinzu kommt, dass man Mängel in der Staatsverwaltung unter die Lupe nehmen will.

HAVEL WIRD NEUEN ZENTRALBANKGOUVERNEUR ERNENNEN

Der tschechische Staatspräsident Vaclav Havel wird trotz politischer Kritik seitens der Parteien ODS und CSSD am Auswahlverfahren des Zentralbankgouverneurs, das vorerst ganz in seinen Händen liegt, nichts ändern. Nach seiner Rückkehr von seinem Ferienaufenthalt in Portugal wird er mit Mitgliedern des Bankenrats und Wirtschaftsexperten über die Besetzung des, nach dem Rücktritt von Gouverneur Josef Tosovsky vakanten Chefpostens der tschechischen Nationalbank entscheiden, wie Havel am Dienstag Abend bekannt gab. Mehr zu diesem Thema im anschliessenden Tagesecho.

50 FRANZ. FIRMEN WERDEN SICH IN KÖNIGSGRÄTZ PRÄSENTIEREN

Rund 50 französische Firmen, die Interesse haben in Tschechien zu investieren haben sich laut dem Handelsattachee der französischen Botschaft in Prag für die tschechisch-französischen Wirtschaftstage angemeldet, die in diesem Jahr am 15.und 16. November im westböhmischen Hradec Kralove in Königsgrätz statt finden werden. Der französische Handelsattachee Dominique Mauppin wies darauf hin, dass Frankreich als Handelspartner Tschechiens an vierter Stelle stehe und man in den nächsten Jahren in diesem Bereich auf die zweite Stelle vorrücken möchte.

FESTIVAL MUSICA IUDAICA

Der 9. Jahrgang des Festivals Musica Iudaica findet vom Donnerstag an in Prag statt. Zur Eröffnung des Festivals kommen im Prager Konzerhaus Rudolfinum unter dem Taktstock des amerikanischen Dirigenten Gerard Schwarz Werke der Komponisten Joseph Achron, Ernst Toch und Darius Milhaud zur Aufführung. Der Dramaturg der Veranstaltung, Antonin Matzner sagte diesbezüglich allen Komponisten sei ihr europäischer Ursprung gemeinsam, sie waren aber gezwungen wegen der nazistischen Verfolgung in die USA zu emigrieren. Das Festival Musica Iudaica bietet nicht nur klassische Konzerte an, sondern bis zum 19. Dezember auch Lesungen israelischer Autoren, sowie eine internationale Konferenz von Musikwissenschaftlern.

KULTURDENKMÄLER BLEIBEN AUCH IM WINTER OFFEN

Einige tschechische Kulturdenkmäler blieben nach Angaben der CTK auch über die Wintersaison geöffnet. Es handelt sich dabei beispielsweise um das Kloster Tepla, die Burg Loket, die Burgen Cesky Sternberk und Krivoklat, sowie die Schlösser Blatna, Jindrichuv Hradec und Trebon. Der grösste Publikumsmagnet war auch in diesem Jahr wieder die Prager Burg und die Burg Karlstejn, die jedoch in den nächsten fünf Monaten geschlossen sein wird. Ein Höhepunkt der Saison war die Eröffnung des westböhmischen Schlosses Kynzvart, das nach 25 Jahren Restaurierung der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde. Als ausserordentlich beliebtes Ausflugsziel nicht nur für Touristen aus aller Welt gilt die südböhmische UNESCO Stadt Cesky Krumlov, Krumau mit 170 000 Besucher seit der Saisoneröffnung im April, wie die Nachrichtenagentur weiter meldete.