Nachrichten Donnerstag, 16. November, 2000

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Dagmar Keberlova

Keine EU-Beitrittsgespräche mit Tschechien im November

Die Novemberrunde der Beitrittsgespräche zwischen den 15 EU-Staaten und der Tschechischen Republik findet nicht statt, zumindest nicht zum vorgesehenen Termin heute. Die EU-Mitgliedstaaten haben sich aufgrund des Widerstands Österreichs auf keine gemeinsame Stellungnahme zum Energiekapitel geeinigt, das am Donnerstag zusammen mit Umwelt Thema der Verhandlungen mit Tschechien sein sollte. Auch beim Kapitel Umwelt wollen sich Diplomaten zufolge die EU-Staaten mehr Zeit zur Auswertung von Gesuchen der tschechischen Seite nehmen. Der Chefunterhändler Tschechiens bei der EU Pavel Telicka hält die eingetretene Situation für eine verschobene Verhandlung und ist der Ansicht, dass man in kurzer Zeit einen Ersatztermin wird finden können.

Zum ersten Mal seit dem Beginn der Beitrittsverhandlungen im Jahre 1998 haben die Tschechische Republik und die EU kein Verhandlungsthema.

Griechischer Staatspräsident erhält Gedenkmedaille der Karlsuniversität

Die EU-Beitrittsgespräche sollen mit der Tschechischen Republik im Jahre 2003 beendet werden, sagte am Mittwoch in Prag der griechische Präsident Konstantinos Stefanopulos anlässlich der Eröffnung des Unternehmerischen Forums tschechischer und griechischer Unternehmer. Das griechische Staatsoberhaupt kam des weiteren mit Senatspräsidentin Libuse Benesova sowie mit Vertretern der Prager Karlsuniversität zusammen. Bei letzterer Begegnung wurde ihm die Gedenkmedaille der Universität überreicht. Heute am Vormittag hat Stefanopulos den historisch ersten Besuch der Tschechischen Republik mit einem treffen mit dem Tschechischen Premier Milos Zeman beendet.

CSSD und KSCM schließen eine mögliche Zusammenarbeit nicht aus

Der Chef der Sozialdemokraten Milos Zeman hat gestern in Warschau den Aufruf der sozialdemokratischen Parlamentsvizevorsitzenden Petra Buzkova zu seinem Rücktritt als unbegründet bezeichnet. Buzkova forderte Zeman zur Niederlegung seiner Funktion auf, da sie Zemans Treffen mit dem Vorsitzenden der Kommunistischen Partei Böhmens und Mährens, Miroslav Grebenicek, für einen skandalösen Fehler hält. Beide Parteichefs sind Dienstag Nacht zu einem Abendessen zusammen gekommen, bei dem man sich laut Grebenicek auf Koalitionsarbeit in den neuen Landkreisvertretungen geeinigt haben sollen sowie auf gegenseitiger Unterstützung ihrer Kandidaten beim zweiten Wahlgang der Senatswahlen. Auch hierzu äußerte sich Zeman, dass kein Abkommen zwischen ihm und Grebenicek erzielt wurde. Weder der Sprecher der Sozialdemokraten, Jiri Hron, noch Grebenicek haben allerdings eine solche Unterstützung ausgeschlossen. Sie betonten beide lediglich, die endgültige Entscheidung darüber werde bei den regionalen Organisationen ihrer Parteien liegen.

AKW Temelin erhöht Leistung

Das umstrittene südböhmische Atomkraftwerk Temelin hat am Mittwoch seine Leistung auf zehn Prozent erhöht. Fünf Wochen nach Beginn des Probebetriebs hatte die Prager Atomsicherheitsbehörde am Dienstag der Kraftwerksleitung die Erlaubnis zur Steigerung im ersten Reaktorblock auf insgesamt zwölf Prozent erteilt. Zum schrittweisen Herauffahren des AKWs auf volle Leistung seien weitere Genehmigungen nötig, meldete die tschechische Nachrichtenagentur CTK. Temelin soll im kommenden Frühjahr ans Netz gehen.

Debatte über Auswirkungen des AKW Temelin

Eine öffentliche Debatte über die Auswirkungen des AKWs Temelin auf die Umwelt veranstaltet heute in Tyn nad Vltavou im Bezirk Ceské Budejovice/Budweis das tschechische Umweltministerium. Laut Informationen der Nachrichtenagentur CTK werden an der Debatte auch oberösterreichische Gegner des AKW Temelin zusammen mit Vertretern der österreichischen Grünen teilnehmen.

Präsident Vaclav Havel besucht Landkreis Liberec/Reichenberg

Der tschechische Präsident Vaclav Havel hat am Mittwoch den neuen Landkreis Liberec/Reichenberg besucht. Bei diesem Anlass hat er die vor einer Woche ihrer Bestimmung übergebene Staatliche wissenschaftliche Bibliothek, deren Bestandteil auch ein jüdisches Gebetshaus ist, besichtigt. Havel hat vor einigen Jahren zusammen mit dem ehemaligen deutschen Bundespräsidenten Roman Herzog die Schirmherrschaft über den Bibliotheksbau übernommen. Im Rahmen eines Treffens mit Studenten der Universität in Liberec sagte Havel, er wisse bereits, wer die Leitung der Tschechischen Nationalbank übernehmen werde. Es sei jedoch verfrüht, sich diesbezüglich zu äussern, fügte Havel hinzu.

Katholische Kirche Tschechiens veröffentlicht Dokument "Friede und Güte"

Die katholische Kirche formuliert in einem umfangreichen Dokument ihre Vorstellungen und Themen zur öffentlichen Diskussion über die Verbesserung des gesellschaftlichen Klimas in Tschechien. Dieses Dokument über soziale Fragen, das den Titel "Friede und Güte" trägt, hat die Tschechische Bischofskonferenz gestern vor Journalisten vorgestellt. In der Einleitung zu diesem Dokument erklärt sich die Kirche mitverantwortlich für den allgemeinen Verfall der Moral und dafür, dass sich die gegenwärtige tschechische Gesellschaft von den traditionellen christlichen Werten abgewendet habe. Das Dokument wurde fast drei Jahre unter Leitung des Präsidenten der Tschechischen Christlichen Akademie Tomas Halik vorbereitet.

Humanitäre Hilfe für Krankenhaus in Belgrad

Insgesamt 2400 DM, die bei der Kampagne SOS Serbien eingesammelt wurden, haben die tschechische NGO "Mensch in Not" und der Tschechische Rundfunk der kardiochirurgischen Klinik in Belgrad gewidmet. Die humanitäre Hilfe wurde den Vertretern der Klinik durch die tschechische Botschafterin in Belgrad, Judita Stouracova, übergeben. Der CTK teilte dies am Mittwoch die Organisation "Mensch in Not" mit.