Nachrichten Freitag, 03. März, 2000

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ALBRIGHT ERWÄGT PRÄSIDENTSCHAFTSKANDIDATUR NICHT

US- Aussenministerin Madeleine Albright hat nochmals Berichte über eine geplante Präsidentschaftskandidatur in Tschechien dementiert. "Ich fühle mich sehr geschmeichelt von den Spekulationen, aber ich werde nicht kandidieren für das hohe Amt, für das es, glaube ich, genung qualifizierte tschechische Männer und Frauen gibt," heisst es in einer Erklärung von Albright, die die amerikanische Botschaft in Prag am Mittwoch veröffentlichte. Das tschechische Parlament wählt im Janauar 2003 den Nachfolger des derzeitigen Amtsinhabers Vaclav Havel. Das Time-Magazine hatte in seiner jüngsten Ausgabe berichtet Albright, die tschechischer Abstammung ist, könne sich eine Kandidatur vorstellen. Albright erwähnte diesbezüglich: "Ich werde immer den Ort lieben, an dem ich geboren wurde, aber meine Loyalität gehört den Vereinigten Staaten."

ALARMSYSTEM IN KW TEMELIN VERSAGTE

In dem umstrittenen Atomkraftwerk Temelin in Südböhmen hat bei einem Test ein Teil der Alarmsirenen versagt. Das berichtet der tschechische Fernsehsender Prima am Mittwoch. Grund sei das ungewöhnliche Datum 29. Febrauar 2000 gewesen, das einen Teil der Computer verwirrt habe. Ein Sprecher des im Bau befindichen Meilers sagte, die Störung sei im Ernstfall kein wirkliches Problem geworden. Temelin geht vermutlich im Juni 2001 ans Netz. Die Fertigstellung des 1986 begonnen AKW hatte sich auf Grund umfangreicher Arbeiten immer wieder verzögert.

BENESDEKRETE WERDEN NICHT IM PARLAMENT DISKUTIERT

Das tschechische Parlament wird vermutlich nicht in absehbarer Zeit über die Gültigkeit der Benesdekrete diskutieren. In der Donnerstagsausgabe der linksliberalen Tageszeitung Pravo wandten sich zahlreiche Abgeordnete verschiedener Fraktionen gegen einen entsprechenden Vorstoss von Aussenminister Jan Kavan. Der Sozialdemokrat hatte in einem Interview gesagt, er könne sich bei einem geeigneten Anlasss einen Parlamentsbeschluss vorstellen, der das Erloschensein der Dekrete betont.

Der Fraktionschef der regierenden Sozialdemokraten Stanislav Gross sagte wörtlich "es kann kaum erwünscht sein, dass das tschechische Parlament die Aktualität der Dekrete interpretiert. Der Vorsitzende der konservativen Freiheitsunion Unie Svobody Karel Kühnl gab wiederum bekannt: "Die Dekrete sind eine solch schwierige juristische Materie, dass man sie kaum in eine kurze Parlamentsentscheidung packen kann."

ÄRZTE PROTESTIEREN GEGEN HÜHNERGROSSFARM

Rund zweihundert tschechische und deutsche Ärzte haben einen Aufruf unterschrieben, der auf die gesundheitlichen Risiken beim Bau einer Hühnerzuchtfarm im westböhmischen Domazlice hinweist. Der Aufruf wurde heute dem Vorsitzenden des Kreisamtes Domazlice Pavel Faschingbauer überreicht. Der tschechisch-deutsche Aufruf geht davon aus, dass bei einer Inbetriebnahme der Hühnerfarm die Luft durch Viren und Pilze im Umkeis von rund 50 Kilometern verunreinigt weren kann. Dies kann den Ärzten zufolge zu vermehrten Atemwegserkrankungen, Hautinfektionen und zu Allergien führen. Das Unternehmen Tschechisches Geflügel plant in Kreis Domazlice rund drei grosse Geflügelfarmen mit eine Kapazität zwischen 200 000 und 600 000 Hühnern. Der Bau der Farmen stiess im vergangen Jahr auf scharfe Kritik seitens Öko-Aktivisten und Bewohnern der deutschen Grenzregion.

QUITTUNG ÜBER 20 KRONEN IST DOCH NICHT OBLIGATORISCH

Das tschechische Parlament hat an seiner Donnerstagssitzung eine Novelle des Gewerbegesetzes abgeändert, der zufolge es seit dem 1. März 2000 vorgeschrieben ist, das Kleingewerbler bei Verkäufen von über 20 Kronen obligatorisch einen Kassenzettel aushändigen müssen. Die Abgeordneten haben sich entschieden, das Gesetz dahingehend zu modifizieren, dass eine Quittung nur dann ausgestellt wird, wenn es der Kunde ausdrücklich verlangt.

SEMINARE FÜR LEHRER ZUM THEMA SHOA

An einem am Freitag in Prag beginnenden Weiterbildungsseminar werden rund 40 Lehrer aus ganz Tschechien damit vertraut gemacht wie man das Thema Holocaust als Unterrichtsstoff behandelt. Jakub Grygar vom Jüdischen Museum in Prag gab bekannt, dass die Lehrer mit der Geschichte der Juden bekannt gemacht werden und man übers Wochenende das Konzentrationslager Theresienstadt gemeinsam besuchen werde. Auf diese Weise sollen rund 400 tschechische Lehrer bis zum Jahresende geschult werden, im Rahmen eines Projektes, das unter anderem von der internationalen Task Force for International Cooperation on Holocaust Education, Remembrance und Research finanziert wird.