Nachrichten Freitag, 15. Dezember, 2000

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Von Lothar Martin

Senator Petr Pithart Kandidat für die Funktion des Senatsvorsitzenden

Senator Petr Pithart von der Christdemokratischen Volksunion (KDU-CSL) ist am Donnerstag zum Kandidaten der Viererkoalition für die Funktion des Senatsvorsitzenden gewählt worden. Die Viererkoalition stellt seit der Neuwahl eines Drittels der Senatoren seit vergangenen Monat die Mehrheit in der oberen Kammer des tschechischen Parlaments, so dass der neue Vorsitzende des Oberhauses mit großer Sicherheit aus ihrer Mitte kommen wird. Er wird die bisherige Vorsitzende Libuse Benesova von der Demokratischen Bürgerpartei (ODS) ablösen, die bei den Wahlen klar an ihrer Gegenkandidatin Zuzana Roithova gescheitert war.

Tschechien und die Slowakei wollen ihre Legislative weitgehend angleichen

Tschechien und die Slowakei wollen ihr Rechtssystem soweit als möglich miteinander angleichen. "Wir wollen die Rechtsordnung so ausarbeiten, dass deren Eckpfeiler annähernd gleich sein werden und somit die gleichen Voraussetzungen für die Durchsetzung der Demokratie und eines funktionierenden Marktes geschaffen werden," sagte der slowakische Vizepremier Lubomir Fogas am Donnerstag vor Journalisten in Prag unmittelbar nach dem Treffen mit seinem tschechischen Amtskollegen Pavel Rychetsky. Beide Politiker, die für die Legislative in Tschechien und der Slowakei zuständig sind, verständigten sich darüber hinaus auf regelmäßige, aller drei Monate stattfindende Treffen ihrer Ressorts zur Koordinierung der Vorbereitungen der großen Gesetzbücher ihrer Länder.

Havel würdigt US-Präsidentschaftswahl als demokratische Entscheidung

Der tschechische Präsident Vaclav Havel hat den Wahlsieg von Georg Wallace Bush als demokratische Entscheidung gewürdigt. Die USA hätten es geschafft, die nach der Präsidentschaftswahl entstandene komplizierte Situation auf eine demokratische Weise und im Rahmen der in der Verfassung verankerten Traditionen zu bewältigen, teilte das Staatsoberhaupt am Donnerstag in Prag mit. Mit diesen Worten reagierte Havel auf die Entscheidung des demokratischen Kandidaten Al Gore, das juristische Tauziehen gegen seinen republikanischen Rivalen George W. Bush nicht fortzusetzen und die eigene Niederlage anzuerkennen. Havel dankte zudem dem scheidenden Präsidenten Bill Clinton für die guten bilateralen Beziehungen.

"Lidové noviny": Altes Amerika siegt über komplizierte Buntheit

Zum Wahlsieg von George W. Bush in den USA schreibt die konservative tschechische Tageszeitung "Lidové noviny" in ihrer Donnerstag-Ausgabe: "Letztlich gab Al Gore den Kampf mit der Wahl-Arithmetik auf und gestand seine Niederlage - der neue mächtigste Mann der Welt wird George Walker Bush. Es ist der Sieg eines harten Burschen aus Texas, der sich selten mit langen Reden aufhält, über einen weichen Intellektuellen. Mit Bush siegt die Rückkehr des guten alten Amerika über die komplizierte postmoderne Buntheit von Al Gore.

Temelin-Gegner planen neue Protestaktionen an der Grenze zu Tschechien

Die Vertreter der gegen das Atomkraftwerk Temelin gerichteten Initiativen aus Österreich, der Tschechischen Republik und aus Bayern haben sich am späten Mittwochabend zur Durchführung einer weiteren Protestaktion gegen den umstrittenen Atommeiler entschieden. Die Atomkraftgegner wollen damit ihre Unzufriedenheit mit den Ergebnissen der Verhandlung der Regierungschefs von Tschechien und Österreich am Dienstag in Melk zum Ausdruck bringen, sagte der Vertreter der Oberösterreichischen Plattform gegen Atomgefahr Josef Pühringer in einem Telefonat für die Nachrichtenagentur CTK. Am Samstag soll daher zwischen 14 und 16 Uhr eine zweistündige Demonstration am österreichisch-tschechischen Grenzübergang Wullowitz/Dolni Dvoriste stattfinden. Ähnliche Protestversammlungen sind zur gleichen Zeit am bayerisch-böhmischen Grenzübergang Phillipsreut/Strazny und an weiteren deutsch-tschechischen Übergängen geplant. Bei ihrem gemeinsamen Treffen mit EU-Erweiterungskommissar Günter Verheugen am Dienstag in Melk hatten sich der tschechische Premier Milos Zeman und der österreichische Bundeskanzler Wolfgang Schüssel auf eine eingehende Überprüfung der Sicherheits- und ökologischen Standards des AKW unter Fortsetzung des Probebetriebes verständigt.

Mehrheit der Tschechen zufrieden mit NATO-Mitgliedschaft

Mehr als die Hälfte der Tschechen - genau 52 Prozent - sind mit der NATO- Mitgliedschaft Tschechiens zufrieden. Dies geht aus der am Donnerstag veröffentlichten Umfrage des Prager Meinungsforschungsinstituts IVVM hervor. Als unzufrieden erklärten sich 25 Prozent der Befragten, 23 Prozent wussten zu dieser Frage keine Stellung zu nehmen.

Im April 2001 läuft der letzte Skoda Felicia vom Band

Ab April kommenden Jahres wird der größte Fahrzeughersteller in der Tschechischen Republik, die Skoda automobilova AG in Mlada Boleslav, die Produktion des PKW-Modells Skoda Felicia einstellen. Das teilte der Vorstandsvorsitzende des Unternehmens Vratislav Kulhanek in einem am Donnerstag veröffentlichten Interview für die tschechische Tageszeitung "Pravo" mit. Diese Entscheidung habe zur Folge - so Kulhanek - dass ab 1. Januar 2001 kaum noch Fahrzeuge dieser Modellreihe in die Länder der europäischen Union exportiert werden. Der diesjährige Verkauf an Fahrzeugen des Typs Skoda Felicia wird sich laut Kulhanek knapp unter der Grenze von 100.000 Stück bewegen. "Das ist ein hervorragendes Ergebnis, das unsere Erwartungen übertrifft," charakterisierte Kulhanek das zu erwartende Verkaufsergebnis.

Viertelmillion Kronen an Spenden auf Prager Weihnachtsmarkt gesammelt

Nahezu eine Viertelmillion Kronen (knapp 140.000 Mark) haben die Besucher des Weihnachtsmarktes auf dem Altstädter Ring in Prag gespendet. Diese Summe, die sich in drei dafür bereitgestellten Sparbüchsen in diesen Tagen angesammelt hat, ist für die Rekonstruktion des Kinder- Transplantationszentrums zur Transplantation von Rückenmark im Prager Fakultätskrankenhaus Motol bestimmt. Dies gab Andrea Kaldova, die Sprecherin der Gesellschaft Folk Art Production, die den Weihnachtsmarkt und die Spendenaktion veranstaltet, am Donnerstag gegenüber der Nachrichtenagentur CTK bekannt.

An Jungstar Tomas Rosicky sind Großclubs aus halb Europa interessiert

Tomas Rosicky, der junge Spielmacher des tschechischen Rekordmeisters Sparta Prag, hat die in der deutschen Fachzeitschrift "Kicker" veröffentlichte Aussage, er würde bei einem Wechsel ins Ausland dem FC Bayern München den Vorzug geben, dementiert. Gegenüber der Nachrichtenagentur CTK bezeichnete er am Donnerstag das mit ihm angeblich vom "Kicker" gemachte Interview als "frei erfunden". Wie Sparta-Clubpräsident Vlastimil Kostal bekannt gab, ist es richtig, dass der FC Bayern München an Rosicky interessiert sei, doch darüber hinaus liegen dem Verein noch weitere Angebote für das Supertalent von Borussia Dortmund, Lazio Rom, Inter Mailand, Paris St. Germain, Arsenal London und von einem zweiten englischen Club vor. Kostal hatte zuvor schon mehrfach vor der tschechischen Presse verkündet, dass man Rosicky nur für eine Ablösesumme von mindestens 20 Millionen Mark ziehen lassen würde.