Nachrichten Mittwoch, 23. September, 1998

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Radio Prag Nachrichten 23.9.1998

Klestil traf mit Havel zusammen

Der österreichische Bundespräsident Thomas Klestil hat heute vormittag auf der Prager Burg seinen fünfstündigen Besuch in der Tschechischen Republik mit einem Treffen mit seinem tschechischen Amtskollegen Václav Havel eröffnet. Nach dem Arbeitsessen, das zu Ehren Klestils von Václav Havel veranstaltet wurde, trifft Klestil mit dem Vorsitzenden des Abgeordnetenhauses Václav Klaus zusammen. Zum Abschluss seines Prag-Besuches wird Thomas Klestil diese Woche bereits zum zweitenmal mit Premier Milos Zeman zusammentreffen. Der heutige Besuch in Tschechien ist Bestandteil einer Mission, während der der österreichische Präsident als Oberhaupt des Staates, der den EU-Vorsitz innehat, bereits Polen, Ungarn und Slowenien besuchte.

Regierung billigte einen defizitären Haushaltsentwurf 99

Die Regierung hat gestern den endgültigen Haushaltsentwurf für 1999 gebilligt, in dem mit einem Defizit von 26,8 Milliarden Kronen bei Einnahmen in Höhe von 580,9 Milliarden Kronen gerechnet wird. Den Haushaltsentwurf, den der Vizepremier Pavel Mertlík als neutral bezeichnete, hält der Gouverneur der Tschechischen Nationalbank, Josef Tosovský, für vernünftig. Wie Mertlík ferner erklärte, liess Tosovský verlauten, dass der Haushaltsentwurf keinen Grund zur Änderung der Finanzpolitik der Zentralbank darstelle. Ausführlicher befassen wir uns mit diesem Thema im aktuellen Beitragsblock im Anschluss an die Nachrichten.

Zeman über Haushaltsdefizit 98

In diesem Jahr wird das Haushaltsdefizit ungefähr 20 Milliarden Kronen erreichen. "Wenn man die Verluste einiger Transformationsinstitutionen mit einberechnet, wird diese Summe noch bedeutend überschritten werden," erklärte gestern Premier Milos Zeman während seines Treffens mit führenden tschechischen Unternehmern im Prager Liechtenstein-Palais. Zeman erinnerte daran, dass das Defizit im Vorjahr 17 Milliarden Kronen erreichte, auch wenn der Staatshaushalt als ausgeglichen zusammengestellt wurde.

Havel über seine Nachfolger

Die Vizevorsitzende des Abgeordnetenhauses Petra Buzková, Senatspräsident Petr Pithart oder die jetzige US- Aussenministerin Madeleine Albright könnten nach Meinung von Staatspräsident Václav Havel seine möglichen Nachfolger im Präsidentenamt werden. Dies erklärte Havel gestern gegenüber dem Tschechischen Rundfunk. Präsidentensprecher Ladislav Spacek stellte gegenüber der Nachrichtenagentur CTK fest, der Staatspräsident habe seine Erklärung ernst gemeint. Die US- Aussenministerin ist tschechischer Herkunft und spricht gut tschechisch. Sie wurde als Tochter eines tschechischen Diplomaten in Prag geboren und kam mit ihrer Familie 1948 in die Vereinigten Staaten.

Regierung über Kircheneigentum

Die Regierung soll heute u.a. über die staatliche Garantien für die Obligationen zum Umbau des Prager Kongresszentrums entscheiden. Auf dem Programm der Kabinettssitzung steht auch eine Diskussion über die Vorbereitungen der Tagung des Internationalen Währungsfonds und der Weltbank, die im September 2000 im Prager Kongresszentrum stattfinden soll.

Gewerkschaften - Regierung

Der Kongress der Böhmisch-Mährischen Konföderation der Gewerkschaftsverbände hat gestern 21 Forderungen festgelegt, auf die sich die Gewerkschafter bei ihren künftigen Verhandlungen mit der Regierung und den Arbeitsgebern konzentrieren sollen. Unter diesen Forderungen sind z.B. die Anhebung des Minimallohns oder der Abschluss eines Abkommens über die Verhandlungen zur Entlohnung der Staatsangestellten.

Vetchý - Portugal

Verteidigungsminister Vladimír Vetchý wird heute nach Vilamoura in Portugal reisen, wo er am Donnerstag und Freitag gemeinsam mit seinen Amtskollegen aus Ungarn und Polen an dem regelmässigen Treffen der Verteidigungsminister der NATO- Staaten teilnehmen wird. Nach Meinung des tschechischen Botschafters bei der NATO, Karel Kovanda, wird sich die Aufmerksamkeit der Verteidigungsminister eben auf Vetchý konzentrieren, da er sein Amt erst seit zwei Monaten bekleide und mit der Mehrheit der NATO-Verteidigungsminister bislang noch nicht gesprochen habe.

Medek - deutsche Sozialdemokraten

Der Leiter der Präsidialkanzlei Ivan Medek hat gestern das Münchner Abkommen aus dem Jahr 1938 als die grösste Schande der europäischen Geschichte bezeichnet. Dies erklärte Medek während seines Gesprächs mit sudetendeutschen Antifaschisten, ihres Zeichens ehemalige tschechoslowakische Staatsbürger, mit denen er auf der Prager Burg zusammentraf. Die Sozialdemokraten, von denen die Mehrheit heute in Kanada lebt, sind nach Europa gekommen, um an einer Versammlung anlässlich des 60. Jahrestags des Münchner Abkommens im bayrischen Straubing teilzunehmen.

Senat - Zypern

Eine Delegation des Senatsausschusses für auswärtige Angelegenheiten, geleitet von seinem Vorsitzenden Michael Zantovský, weilt zu Besuch auf Zypern. Gestern befassten sich die tschechischen Senatoren während des Treffens mit ihren zypriotischen Amtskollegen mit den Vorbereitungen auf die EU- Mitgliedschaft.

Horta - Havel

Präsident Václav Havel ist nach Meinung von José Manuel Ramos Horta, Nobelpreisträger und Vertreter der Bewegung für die Unabhängigkeit von Osttimor, wahrscheinlich der ernsthafteste Kandidat für den diesjährigen Friedensnobelpreis. Dies erklärte Horta nach seinen gestrigen Gesprächen mit dem tschechischen Senatspräsidenten Petr Pithart. Wie er erklärte, würde er die Verleihung des Friedensnobelpreises an den tschechischen Staatspräsidenten begrüssen, da es seiner Meinung nach ein Ausdruck der Gerechtigkeit wäre.

Zum Abschluss der Wetterbericht:

Heute ist es in Tschechien heiter mit Tageshöchsttemperaturen zwischen 16 und 20 Grad. Am Donnerstag wird es heiter bis bewölkt sein, die Tageshöchsttemperaturen erreichen 17 bis 21 Grad.

Soweit die Nachrichten, mit dem weiteren Programm macht Sie jetzt meine Kollegin Julia Newig bekannt.