Nachrichten Mittwoch, 25. Oktober, 2000

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Von Lothar Martin

Abkommen über Zwangsarbeiter-Entschädigung in Wien unterzeichnet

Die Vertreter der Vereinigten Staaten und von fünf mittel- und osteuropäischen Ländern einschließlich der Tschechischen Republik haben am Dienstag in Wien einen bilaterale Vertrag mit der Republik Österreich über die Entschädigung der im Zweiten Weltkrieg in der Alpenrepublik tätigen Zwangsarbeiter unterzeichnet. Aus Wien meldet sich dazu Marcela Pozarek:

Am Rande des Vertragsabschlusses traf der tschechische Außenminister Jan Kavan mit dem österreichischen Bundeskanzler Wolfgang Schüssel zusammen. In ihren Gesprächen spielte die Suche nach Möglichkeiten zur Verbesserung der tschechisch-österreichischen Beziehungen die tragende Rolle. Hauptsächlich wurden Meinungen und Vorstellungen über das strittige Atomkraftwerk Temelin ausgetauscht, die die Vorbedingung dafür schaffen sollten, dass das für den 31. Oktober zu diesem Thema in Brno/Brünn anberaumte Spitzentreffen der Ministerpräsidenten beider Länder zu einem beiderseits zufriedenstellenden Ergebis führen kann.

Amato sprach sich für einen schnellen EU-Beitritt Tschechiens aus

Die Ministerpräsidenten Italiens und der Tschechischen Republik, Giuliano Amato und Milos Zeman, sind der Meinung, dass die Tschechische Republik möglichst bald der Europäischen Union beitreten sollte. Darauf einigten sich die beiden Premiers am Dienstag in Rom. Beide Politiker sprachen auch über die Zusammenarbeit im Rahmen der Mitteleuropäischen Initiative, deren Vorsitz Italien ab Januar 2001 innehaben wird.

Außenminister Kavan in Jugoslawien

Der tschechische Außenminister Jan Kavan hat am Montag gegenüber der Nachrichtenagentur ctk erklärt, dass keiner der NATO-Staaten die Tschechische Republik darum ersucht habe, geeignete Persönlichkeiten zu finden, die eine demokratische und konfliktfreie Entwicklung in Jugoslawien sichern könnten. Damit reagierte Kavan auf Informationen, die in der Samstagsausgabe der Tageszeitung "Lidove noviny" angedeutet worden waren. Kavan stellte fest, dass die tschechische Diplomatie nichtsdestoweniger ihre Dienste anbiete, wenn sich Belgrad dafür interessiere. Er präzisierte, dass das tschechische Kabinett gute Beziehungen zum montenegrinischen Staatspräsidenten Milo Djukanovic, zur UN-Zivilverwaltung im Kosovo sowie zu den internationalen KFOR- Truppen hat. Mit dem Besuch des tschechischen Außenministers in Jugoslawien befassen wir uns ausführlicher im Tagesecho im Anschluss an die Nachrichten.

Belgisches Königspaar zu dreitägigem Besuch in Prag eingetroffen

Der belgische König Albert II. und seine Gattin Paola sind am Dienstag zu einem dreitägigen Besuch in der Tschechischen Republik eingetroffen. Zunächst traf das belgische Königspaar mit dem tschechischen Staatspräsidenten Vaclav Havel und dessen Gattin Dagmar zusammen.

Präsident Vaclav Havel erklärte nach dem Treffen, er unterstütze die Bemühungen Belgiens, die Rechte der kleinen EU-Staaten zu beschützen. Er stellte fest, es ist einzusehen, dass jetzt eine EU-Reform am wichtigsten sei. Vaclav Havel verbindet gerade mit dem belgischen EU-Vorsitz im nächsten Jahr den Höhepunkt der tschechischen Bemühungen um den EU-Beitritt.

Bereits am Montag hatte der belgische Außenminister Louis Michel, der das Königspaar bei dessen Besuch in Tschechien begleiten wird, die Beziehungen seines Landes zur Tschechischen Republik als "perfekt" bezeichnet. Diese Reise - so Michel - sei Ausdruck der großen Bedeutung, die man den Beziehungen zu Tschechien in Brüssel beimesse.

Tschechische SFOR-Truppen beendeten ein Förderungsprojekt in Bosnien

Die Angehörigen der Gruppe für militärisch-zivile Zusammenarbeit des 43. mechanisierten Bataillons der tschechischen Armee haben am Montag ein weiteres Projekt erfolgreich beendet, das die Entwicklung der Kleinunternehmen in Bosnien und Herzegowina fördert. Darüber informierte die Sprecherin der tschechischen SFOR-Truppen, Jana Ruzickova.

Eduard Goldstücker ist gestorben

Im Alter von 87 Jahren ist am Montag in Prag der namhafte tschechische Literaturhistoriker, Publizist und Germanist Eduard Goldstücker gestorben. Goldstücker befasste sich viel mit den tschechisch-deutschen literarischen Beziehungen im 19. Jahrhundert und er ist vor allem als Experte im Bereich der Prager jüdischen Literatur bekannt geworden.

In Hradec Kralove wurde eine Ausstellung über Jerusalem eröffnet

Mit einer Fotoausstellung unter dem Titel "Jerusalems Geist" sind am Montag im ostböhmischen Hradec Kralove/Königgrätz die "Tage für Israel" eröffnet worden. Der vierte Jahrgang des tschechisch-israelischen Projekts in Hradec Kralove wird am Donnerstag mit einer Diskussion über die gegenwärtige Lage im Nahen Osten seinen Höhepunkt erreichen. Die Veranstalter von der Königgrätzer Christlichen Gemeinschaft wollen mit diesem Projekt zu den guten Freundschaftsbeziehungen zwischen Tschechien und Israel beitragen. Bestandteil der "Tage für Israel" sind u.a. Vorträge für die Öffentlichkeit.

Herausgeber der tschechischen Version von "Mein Kampf" wird angeklagt

Der tschechische Herausgeber des Hitler-Buches "Mein Kampf" wird wegen nationalsozialistischer Propaganda angeklagt. Dies berichtete die Tageszeitung Pravo am Dienstag unter Berufung auf die Prager Staatsanwaltschaft. Dem 29- jährigen Michal Zitko drohen damit bis zu acht Jahre Haft. Auf der Grundlage von Fachstudien wird die Behörde bis Monatsende die Anklage vorlegen. Zitko, der das Buch als "historische Quelle" ansieht, lehnt die Anschuldigungen als "politisch motiviert" ab. Tschechische Behörden hatten das im März ohne historischen Kommentar erschienene Buch Anfang Juni als verfassungsfeindlich eingestuft.

Seismologen warnen die Bewohner von Cheb vor Erdbeben

Das Geophysikalische Institut der Akademie der Wissenschaften schließt in den nächsten Tagen ein Erdbeben von der Stärke 4,5 bis 5 Grad der Richter-Skala in der Region von Cheb/Eger und von Kraslice/Grasslitz nicht aus. Die Seismologen fordern deswegen die Bewohner der Region zur Vorsicht auf, da durch Erschütterungen Dächer oder Mauerwerk beschädigt werden könnten.