Nachrichten Montag, 04. Mai, 1998

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Radio Prag - Nachrichten - 4.5.1998 - 14.00 Uhr / BA

Havel erstmals wieder in der Öffentlichkeit

Die Genesung des tschechischen Präsidenten Vaclav Havel, der Mitte April nach einem lebensbedrohenden Darmdurchbruch an der Universitätsklinik in Innsbruck operiert worden war, macht weiter Fortschritte.

Am Vormittag sendete der tschechische Privatsender TV Nova bereits Bilder vom Morgenspaziergang Vaclav Havels im Garten des Krankenhauses.

Am heutigen Nachmittag will Vaclav Havel nach fast dreiwöchiger Pause erstmals wieder an die Öffentlichkeit treten. Anlass ist die Unterzeichnung der Beförderungsurkunden sieben tschechischer Generäle. Dieser Akt gilt gleichzeitig als Zeichen dafür, dass der Präsident seine Amtsgeshäfte faktisch wieder aufgenommen hat. Bereits am kommenden Mittwoch soll der Präsident ins Prager Militärkrankenhaus verlegt werden. Erst rund zehn Tage später wird Havel nach Einschätzung der Ärzte das Krankenhaus verlassen können.

Für Mittwochmorgen ist noch ein Besuch des österreichischen Präsidenten Thomas Klestil am Krankenbett seines tschechischen Amtskollegen in Innsbruck geplant.

Aussenminister Sedivy in Argentinien

Der tschechische Aussenminister Jaroslav Sedivy beginnt heute im Rahmen seiner Südamerika-Reise einen zweitägigen Besuch in Agentinien.

Nach einem Arbeitsfrühstück mit argentinischen und tschechischen Unternehmern trifft Sedivy am ersten Besuchstag u.a. auch mit seinem argentischen Amtskollegen Guido di Tella und Präsident Carlos Menem zusammen. Gesprächsthemen bilden die gemeinsamen Beziehungen sowie die Integrationsprozesse auf beiden Kontinenten. Die Südamerika-Reise, die den tschechischen Aussenminister auch nach Brasilien und Uruguay führen wird, soll in erster Linie der Stärkung der wirtschaftlichen Beziehungen zwischen der

Tschechischen Republik und den südamerikanischen Staaten dienen.

Nationalbank erwartet leichtes Haushaltsdefizit

Die tschechische Zentralbank erwartet ein nur leichtes Haushaltsdefizit für das Jahr 1998.

Dies sagte der derzeit amtierende Gouverneur der Zentralbank, Pavel Kysilka, heute vormittag auf der Fibex-messe in Brünn, nachdem das Finanzministerium bekanntgegeben hatte, dass der Staatshaushalt Ende April im Vergleich zum Vormonat ein Defizit von 0,75 Mrd. Kronen aufgewiesen habe.

Kysilka betonte, die Zentralbank sei im Hinblick auf den aktuellen Stand der Staatsfinanzen keineswegs beunruhigt, da es bislang keine Signale für eine Kehrtwendung des im Grossen und Ganzen bislang positiven Trends gebe.

Kardinal Vlk in Liechtenstein

Der Primas der tschechischen katholischen Kirche, Kardinal Miloslav Vlk, weilt heute zu einem eintägigen Privatbesuch im Fürstentum Liechtenstein.

Der Kardinal nahm dabei eine Einladung des Liechtensteinischen Fürsten Adam II. zu einem gemeinsamen Mittagessen auf dessen Burg in Vaduz wahr.

Gesprächsthemen bildeten u.a. die historischen Wurzeln des Liechtensteinischen Fürstengeschlechts in den Böhmischen Ländern, vor allem in Mähren.

Kardinal Vlk wird morgen am Zentralrat der Europäischen Bischofskonferenz im schweizerischen St. Gallen teilnehmen.

Ökologen gegen Autobahn

Regierungsunabhängige Ökologen sind gegen den Autobahnausbau der D 47, die von Kromeriz-Kremsier über Ostrava-Ostrau und Bohumin bis zur polnischen Grenze führen soll. So lautet zumindest das Fazit eines seminars, das am vergangenen Wochenende mit dem Titel "Die Umwelt - eine öffentliche Sache" in Zahradky bei Cesky Lipa stattfand.

Nach Meinung der Ökologen würde diese 110 Km lange Autobahn, deren Fertigstellung für das Jahr 2005 geplant ist, die Verkehrsprobleme Ostravas keineswegs lösen.

Die mit dem erhöhten Verkehrsaufkommen zusammenhängende Luftverschmutzung werde nach den Worten eines Sprechers der Umwltorganisation Kinder der Erde dagegen beträchtlich sein.

Umfrageergebnisse

Nicht einmal jeder dritte wahlbererchtigte Bürger der Tschechischen Republik glaubt, dass aus den im Juni stattfindenen vorgezogenen Wahlen eine stabile Regierung hervorgehen wird. Dies geht aus einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Sofres-Factum hervor.

Den meisten Zuspruch würde dieser Umfrage nach eine grosse Koalition erhalten, wofür sich 35% der Befragten aussprachen. Eine Minderheitsregierung würde nur jeder zehnte Bürger befürworten.

Volkes Meinung zur Privatiserung ist heute offensichtlich nicht mehr so positiv wie noch vor zwei Jahren.

Während 1996 noch 43% der damals Befragten Durchführung und Ausmass der Privatisierung als angemessen betrachteten, wird diese Meinung heute nur noch von 19% der Bürger vertreten. Dies geht zumindest aus einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts IVVM hervor.

Die grössten Vorbehalte hegen die Bürger u.a. gegen die Privatisierungsprojekte im Gesundheitswesen sowie im Banksektor.

Sie hörten die Nachrichten von Radio Prag. Es geht weiter mit dem aktuellen Block und Lothar Martin.