Nachrichten Montag, 06. November, 2000

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Von Jitka Mladkova

Zeman bedingt sein geplantes Treffen mit Schüssel durch Beendigung der Grenzblockade

Premier Milos Zeman will nicht mit seinem österreichischen Amtskollegen Wolfgang Schüssel zusammenkommen, wenn die Blockade der österreichisch-tschechischen Grenzübergänge nicht bis Montagabend beendet ist. In der sonntäglichen Talkshow des TV-Privatsenders Prima reagierte er somit auf die Erklärung von Manfred Doppler vom österreichisch-tschechischen Antiatomausschuss für die Nachrichtenagentur APA, nach der die Straßenblockaden bis Donnerstagabend weiter andauern werden. Der tschechische Ministerpräsident deutete an, dass hinter den gegenwärtigen Problemen zwischen beiden Ländern der Landeshauptmann von Kärnten, Jörg Haider, stehen dürfte. Er wäre froh, so Zeman, wenn die Regierung des Bundeskanzlers Wolfgang Schüssel Einfluss in Österreich habe und nicht ein verborgenes Schattenkabinett eines Kärntner Landeshauptmanns. Sollten die Blockaden nicht aufhören, wolle seine Regierung mit der Slowakei und Deutschland über Ersatztrassen für tschechische Autofahrer verhandeln.

Alle österreichisch-tschechischen Grenzübergänge bleiben vorläufig bis Montagabend blockiert

Die südliche Grenze der Tschechischen Republik ist seit Sonntagmittag in ihrer Gesamtlänge blockiert. Österreichische AKW-Temelin-Gegner besetzten zu diesem Zeitpunkt den letzten gemeinsamen Grenzübergang Valtice-Schrattenberg. Wie sie angekündigt haben, werden drei Grenzübergänge zwischen Oberösterreich und Südböhmen bis Donnerstag 20.00 Uhr blockiert bleiben, obwohl die Genehmigung der zuständigen Behörde bis Montagabend befristet ist. In Niederösterreich hingegen sollen Straßenblockaden nicht fortgesetzt werden.

Österreicher besuchen das AKW-Dukovany

Eine Delegation von etwa 40 Österreichern aus dem grenznahen Wildendürnbach hat am Samstag das Atomkraftwerk Dukovany bei Trebic besucht. Es handelte sich hierbei um die bereits zweite Visite niederösterreichischer Bürger innerhalb von zwei Wochen. Während bei der ersten Exkursion am 21.Oktober vor allem Mitarbeiter des Zivilschutzes in Niederösterreich in das 15 Jahre alte AKW Dukovany kamen, waren diesmal andere Berufsgruppen vertreten wie z.B. Landwirte und Beamte, mit dabei war auch eine Lehrerin. Sie besichtigten das AKW-Infozentrum den Reaktorsaal und den Zwischenlagerraum für abgebrannte Stäbe. An den kommenden Novembersamstagen werden in Dukovany weitere Exkursionen für österreichische Interessenten organisiert.

Tschechische Polizei fahndet seit einer Woche nach dem geflüchteten Mörder

Dutzende von Polizisten haben am Sonntag die Fahndung nach dem geflüchteten zweifachen Mörder Jiri Kajinek wieder aufgenommen. Sie durchforsten erneut vor allem die Umgebung der Gefängnisfestung Mirov, aus der Kajinek am Sonntag vor einer Woche ausgebrochen war. Bis jetzt fehlt jede Spur nach dem zu lebenslangen Freiheitsentzug verurteilten Verbrecher.

Katholische Kirche ruft zur Wahlbeteiligung auf

Die katholischen Bischöfe in Böhmen und Mähren haben die Gläubigen aufgerufen, an der bevorstehenden Ergänzungswahl zum Senat und zu den neuen Verwaltungsorganen teilzunehmen. In ihrem Brief, der am Sonntag beim Gottesdienst in den römisch-katholischen Kirchen verlesen wurde, verwiesen die Bischöfe darauf, dass eine Nichtbeteiligung an den Wahlen ein Ausdruck der Resignation bzw. Unentschlossenheit sei und in einem direkten Widerspruch zur christlichen Mitverantwortung für die Entwicklung der Welt stehen würde. Die Wahl findet am Sonntag in einer Woche statt.

Jahreskongress der Tschechischen Ärztekammer

Die Allgemeine Medizinische Versicherungsanstalt(VZP) rechnet in ihrem Strategieplan für das Jahr 2001 mit höheren Finanzsummen für praktische Ärzte als für stationäre Einrichtungen. Dies ging aus einem Diskussionsbeitrag von Jirina Musilkova, der VZP-Direktorin, auf dem 12.Jahreskongress der Tschechischen Ärztekammer hervor, der an diesem Wochenende im ostböhmischen Hradec Kralove/Königgrätz stattfand. Das tschechische Gesundheitsministerium will aber diesem Vorgehen nicht zustimmen. Gesundheitsminister Bohumil Fiser warnte, er werde den Strategieplan der VZP nicht billigen, wenn sich das bisherige Verhältnis der Finanzierung der praktischen Ärzte und der Krankenhäuser verändern sollte.

Tschechische Wirtschaftshilfe für Jugoslawien

Als großzügig, gemessen am Wirtschaftspotential Tschechiens und der EU, hat die Wirtschaftsberaterin des jugoslawischen Präsidenten, Dragana Dzuric, die aktuelle Hilfeleistung der tschechischen Regierung für die Bundesrepublik Jugoslawien bezeichnet. In einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur CTK unterstrich sie, dass ihr Land immer gute wirtschaftliche, politische und andere Beziehungen zu tschechischen Bürgern unterhalten habe. Tschechische Firmen beteiligen sich derzeit z.B. am Wiederaufbau des durch Bombenangriffe beschädigten Krankenhauses Zakisa Mitrovic , an der Rekonstruktion von drei Brücken in Kragujevac und des Elektrittzitätswerkes Kolubara A.

Frauenkonferenz in Prag

Nach dem EU-Beitritt Tschechiens sollten auch tschechische Frauen größere Chancen haben, sich am Arbeitsmarkt durchzusetzen. Das wünscht sich zumindest der Tschechische Frauenverband , der am Sonntag in Prag eine Konferenz der Vertreterinnen seiner Kreisorganisationen veranstaltete. Laut der Vorsitzenden des Verbandes Zdenka Hajna ging aus der vorausgegangenen landesweit organisierten Diskussion hervor, dass Frauen bereit seien, sich sowohl in der Familie als auch im Beruf aktiver zu engagieren. Ein Dokument, das aufgrund der Frauendiskussion entstand, will der Frauenverband an die Regierung weiterleiten.