Nachrichten Samstag, 02. September, 2000

r_2100x1400_radio_praha.png

Von Lothar Martin

Vizepremier Rychetsky kontert österreichische Attacken wegen Temelin

Der tschechische Vizepremier Pavel Rychetsky hat sich am Freitag gegen den von Seiten Österreichs an Intensität zunehmenden Drucks wegen der geplanten Inbetriebnahme des südböhmischen Atomkraftwerks Temelin verwahrt. "Ich erachte es als nicht richtig, dass die österreichische Regierung die angestrebte Mitgliedschaft der Tschechischen Republik in der Europäischen Union mit der Inbetriebnahme oder Nichtinbetriebnahme des Kernkraftwerkes Temelin verknüft. In der Europäischen Union sind eine ganze Reihe von Ländern, deren Energiewirtschaft auf der Nutzung der Atomenergie basiert, was ich als ganz legitim ansehe, und keines dieser Länder wird ausgeschlossen oder diskriminiert," sagte der Sozialdemokrat auf einer Pressekonferenz in Prag.

Ähnlich äußerten sich am Freitag auch Vertreter der tschechischen Freiheitsunion, die darüber hinaus zum Ausdruck brachten, dass die Art und Weise, wie die Polemik um die Inbetriebnahme des Atommeilers geführt werde, ein ernsthaftes Risiko für die weitere Entwicklung der guten Nachbarschaftsbeziehungen zwischen beiden Ländern darstellt.

Am gleichen Tag hatte der oberösterreichische Landeshauptmann Josef Pühringer in einer Presseerklärung "alle Oberösterreicherinnen und Oberösterreicher" aufgefordert, am Samstag an der Protestdemonstration gegen Temelin und der Blockade der Straßengrenzübergänge zwischen Südböhmen und Oberösterreich teilzunehmen. Die Leiterin des Staatlichen Amtes für atomare Sicherheit in Tschechien, Dana Drabova, hat Pühringer daraufhin zu einem informativen Besuch des Kernkraftwerkes eingeladen. Wie der stellvertretende Pressesprecher des Amtes Vratislav Fajman zuvor gegenüber der Nachrichtenagentur CTK mitgeteilt hat, wird am Samstag in der Prager Atombehörde eine bilaterale Tagung einer tschechisch-österreichischen Expertenkommission im Rahmen des Partnerschaftsvertrages über die Zusammenarbeit auf dem Gebiet der atomaren Sicherheit und zum Schutz gegen ionisierende Strahlung stattfinden. Den Kernpunkt der Tagung werden dabei alle Fragen zum Atommeiler Temelin einnehmen, erklärte Fajman.

"Pravo": Einer unvorstellbaren Tat folgte eine harte Strafe

Über das Neonazi-Urteil von Halle schreibt die linksliberale tschechische Tageszeitung "Pravo" in ihrer Freitagausgabe: "Das Urteil von Halle ist zweifellos sehr hart: Ein 24-jähriger wird jahrzehntelang hinter Gitter sein, und die beiden 16-jährigen werden nach Verbüßung ihrer Strafe keinen einfachen Start ins Leben haben. Aber kaum vorstellbar ist auch, dass jemand nach drei Tagen an seinen inneren Verletzungen starb und drei farbige Kinder in einer Gesellschaft hinterlässt, in der Farbige unerwünscht sind.

In diesem Punkt sind die Verhältnisse in Ostdeutschland ähnlich wie die in Tschechien: Nicht wenige Einwohner verhalten sich gegenüber den meisten Ausländern ablehnend. Der große Unterschied sind aber die Gesetze: Auf Grund der tschechischen Vorschriften wäre das Trio wegen schwerer Körperverletzungen verurteilt worden. Andere Länder, andere Sitten? Wir sollten tatsächlich darüber nachdenken, welches Urteil rechtmäßiger ist," hinterfragt die "Pravo".

Internationale Konferenz über Minderheiten-Fragen findet in Brno statt

Die Minderheiten in der pluralistischen Gesellschaft zur Jahrtausendwende sind das Thema einer internationalen Konferenz, die am Freitag in der südmährischen Metropole Brno/Brünn begonnen hat. Deren Teilnehmer werden sich dabei vor allem mit den Möglichkeiten zur Unterstützung der Ausbildung von Kindern befassen, die aus sozial niedrig gestellten Verhältnissen stammen. Zudem werden die Ergebnisse einer zweijährigen Untersuchung analysiert, deren Ziel es war, die intellektuellen und die Lehrvoraussetzungen der Kinder aus den sozial niedrig gestellten Verhältnissen in der Tschechischen Republik zu ergründen, informierte Vladimir Smekal von der Brünner Masaryk-Universität die Nachrichtenagentur CTK.

Stadtvertreter von Prag 2 schnüren Sicherheitspaket vor IWF-Tagung

Das Rathaus des Prager Stadtteils 2 bereitet sich ebenso gründlich wie die anderen Stadtvertretungen im Zentrum der Moldaumetropole auf die Protestkundgebungen vor, die die Gegner der Globalisierung anläßlich der Tagung des Internationalen Währungsfonds und der Weltbank Ende September in Prag abhalten wollen. Die Stadtvertreter von Prag 2 lassen zum Beispiel ihre Gebäude zusätzlich versichern und einige von ihnen mit Hartplexiglas ausrüsten. Sämtliche Sicherheitsmaßnahmen werden der Stadtverwaltung über eine halbe Millionen Kronen (ca. 30.000 Mark) kosten, sagte dazu am Freitag der Bürgermeister von Prag 2, Michal Basch, vor Journalisten.

Superstar Jagr sah Niederlage von Eishockey-Weltmeister Tschechien

Eishockey-Superstar Jaromir Jagr war seit mehreren Jahren erstmals wieder bei einem Länderspiel der tschechischen Nationalmannschaft live zugegen. Zum Auftakt der diesjährigen Euro Hockey Tour, dem Turnier um den Pokal der Tschechischen Versicherung in Zlin, sollte er jedoch am Donnerstag miterleben, wie der amtierende Weltmeister und Olympiasieger Tschechien gegen Schweden eine 2:3-Niederlage einstecken musste. Der tschechischen Auswahl wurde dabei ihre schlechte Chancenverwertung zum Verhängnis. In der zweiten Auftaktpartie des Turniers gewann Finnland gegen Russland mit 4:3 nach Verlängerung und Penaltyschießen.

Sohn von Abgeordnetenchef Vaclav Klaus in den Hafen der Ehe eingelaufen

Der jüngere Sohn des tschechischen Ex-Premiers und amtierenden Chefs des Abgeordnetenhauses Vaclav Klaus Jan und dessen Freundin Veronika Kancelova haben am Freitag auf Schloss Pruhonice unweit von Prag den Bund der Ehe geschlossen. Das Trauungszeremoniell, an dem nahezu einhundert Verwandte und Freunde des Brautpaares teilnahmen, fand unter freiem Himmel im Schlosshof statt.

Und abschließend noch ein Blick auf das Wochenend-Wetter:

Am Samstag wird eine Schlechtwetterfront die Tschechische Republik überqueren. Tagsüber wird es größtenteils bewölkt sein, örtlich treten Schauer auf und vereinzelt kommt es auch zu Gewittern. Die Tageshöchsttemperaturen erreichen Werte zwischen 19 und 23 Grad, in Höhen über 1000 Meter bis zu 14 Grad Celsius. Am Sonntag keine Wetterveränderungen, am Montag wird sich die Wolkendecke örtlich aufkären. Die Tageshöchstwerte sinken allerdings weiter auf herbstliche 16 bis 20 Grad am Sonntag und auf 14 bis 18 Grad Celsius am Montag. In der Nacht zum Sonntag ist mit Temperaturen zwischen 12 und 8 Grad und in der Nacht zum Montag zwischen 10 und 6 Grad Celsius zu rechnen.