Nachrichten Samstag, 26. August, 2000

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HAVEL SPRICHT MIT INNENMINISTER GROSS

Staatspräsident Vaclav Havel ist beunruhigt darüber, dass im öffentlichen Leben Tschechiens Leute an Einfluss gewinnen, die mit dem früheren kommunistischen Regime in Verbindung stehen. Havel bat deshalb Innenminister Stanislav Gross an einen Treffen am Freitag Vormittag, diesem Phänomen erhöhte Aufmerksamkeit zu widmen." Mich beunruhigt diese Art Aktivierung von Personen die mit dem ehemaligen Regime verbunden sind, dem ehemaligen Machtapparat, mich beunruhigt eine Reihe von personellen Veränderungen, die diese Personen angeregt und durchgeführt haben, sagte Havel in diesem Zusammenhang.

HOHE STAATSBEAMTE WEGEN AFFÄRE BLEI AUSSER DIENST

Die sogenannte Affäre Blei, die die sozialdemokratische Politikerin Petra Buzkova hätte diskreditieren sollen, ist nach Ansicht der Leitung der Sozialdemokratischen Partei Tschechiens, CSSD das Werk einer bestimmten Institution, die bereits in der Bamberg Affäre, wo es um Sponsorengelder für die CSSD ging, involviert war. Dies gab heute der Vorsitzende der Partei, Premier Milos Zeman vor der Presse bekannt. Zeman sagte zudem, dass bis zum Ende der polizeilichen Untersuchungen im Fall Blei, die zwei Berater im Regierungsamt Zdenek Sarapatka sowie Vratislav Sima ausser Dienst gestellt seien. Während Sarapatka Vratislav Sima für den Fall verantwortlich macht, behauptet Zeman wiederum Sarapatka habe das kompromittierende Dokument verfasst.

GYMNASIASTEN DEBATTIEREN AUF DER PRAGER BURG

Rund 50 Schüler aus verschiedenen Gymnasien des Landes kamen am Donnerstag auf der Prager Burg zusammen um mit Präsident Havel über Politik zu debattieren. Havel gab zu bedenken, dass man in Tschechien sehr oft darüber lamentiere, dass man nicht aktuelle Ereignisse beeinflussen könne, gäbe es aber dann die Möglichkeit aktiv am Geschehen zu partizipieren, fänden sich wenige die sich dafür engagieren würden, als Beispiel nannte er die Jahrestagung des IWF und der Weltbank im September in Prag. "Es ist eine ungeheure Chance als Gastgeber dabei zu sein, mitzureden, es gibt aber so Ansichten, wie hoffentlich geht das Ganze bald zu Ende und das ist schade" meinte Havel.

MARSCH DURCH DEN NATIONALPARK BÖHMERWALD

Am Wochenende veranstaltet die Organisation Duha Regenbogen zusammen mit der deutschen Arbeitsgemeinschaft Waldwildnis einen Marsch durch den Böhmer und Bayrischen Wald. Man möchte damit darauf aufmerksam machen, was der Zweck eines Nationalparks sei. Der Marsch beginnt am Samstag im südböhmischen Prachatice, am Sonntag Nachmittag will man die Staatsgrenze ins Bayrische Finsterau überschreiten. Der Sprecher des Nationalparks Sumava, Zdenek Kantorik gab in diesem Zusammenhang heute bekannt, dass man für die Organisatoren spezielle Wege ausgemacht habe, auf denen sich nicht mehr als 100 Leute aufhalten dürfen.

BILATERALE GESPRÄCH ÜBER BENES DEKRETE

Der österreichische Regierungsbeauftragte für die EU Osterweiterung Erhart Busek sagte der Nachrichtenagentur AP in Alpbach, dass man bald mit einem tschechisch - österreichischen Dialog beginnen könnte, der alle bilateralen Rechtsfragen behandeln würde. Diese Möglichkeit hatte die tschechische Regierung vorübergehend ausgeschlossen zum Zeitpunkt, als die FPÖ in die österreichisch Regierung trat. Bei den bilateralen Gesprächen möchte man sich vor allem der Benes Dekrete Problematik an nehmen. Das tschechische Aussenministerium äusserte sich über einen geplanten Termin der Verhandlungen vorsichtig. "Wir hoffen, das sich ein vernünftiger Termin finden lässt, vielleicht bis Jahresende, bis dann könnte das Team von Historikern und Juristen zusammen kommen um sich mit der gemeinsamen Geschichte zu befassen," sagte der Sprecher Ales Pospisil.

TSCHECHIEN MACHT VON EU FINANZIERUNGEN NICHT GEBRAUCH

Aussenminister Jan Kavan verhandelte gestern mit seinen Ministerkollegen über Dotationen aus dem Fond der Europäischen Union ISPA. Die EU hat im Rahmen des ISPA Programms insgesamt bereits 18 Projekte von Beitrittskandidaten in den Bereichen Verkehr und Umwelt bewilligt, darunter ist aber kein tschechisches Projekt, da man sich in Tschechien bei den Vorbereitungen für die Finanzierung verspätet habe, deshalb habe der Aussenminister die unbefriedigende Situation mit seinen Kollegen lösen wollen.

INTERNATIONALE FLUGZEUGSHOW IN KÖNIGSGRÄTZ

Das Programm des 7. Jahrgangs der militärischen Flugzeugshow, Czech International Air Fest steht ganz im Zeichen des 55. Gedenkjahres an das Ende des 2. Weltkrieges, wie die Organisatoren der Veranstaltung in Hradec Kralove Königsgrätz bekannt gaben. Besucher der Flugzeugshow erwarten am 2. Und 3. September rund 100 Flugzeuge aus 15 verschiedenen Ländern, als grösste Attraktion gilt der ukrainische Atombomber TU 22, es stellen sich aber auch Gripen und Mirage Flugzeuge vor und verschiedene Akrobatengruppen aus Frankreich, den Niederlanden und der Ukraine.

BAROCKE GÄRTEN AUF DER KLEINSEITE WIEDERERÖFFNET

Die renovierten barocken Palastgärten auf der Prager Kleinseite werden am Montag der Öffentlichkeit wieder zugänglich gemacht. Die Rekonstruktion des Kolowrat und des kleinen Fürstenberg Gartens fanden unter dem Patronat von Prinz Charles statt. Der Wiedereröffnung werden Präsident Havel, Premier Zeman aber auch Diplomaten beiwohnen. Die Arbeiten an den Gärten kosteten insgesamt 297 Millionen Kronen.