Nachrichten Samstag, 29. August, 1998

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Ahoj und willkommen, liebe Hörerinnen und Hörer, bei einer neuen halben Stunde in deutscher Sprache auf den Wellen von Radio Prag. Gute Unterhaltung und einen ungestörten Empfang bei unserem Wochenendprogramm wünscht Franz-Josef Balkhausen. Zunächst die Nachrichten:

Krise an Prager Börse geht weiter

Die politische und finanzwirtschaftliche Krise in Russland hat auch am Freitag noch das Geschehen an der Prager Wertpapierbörse in negativer Weise beeinflusst. Mit ihren sehr niedrigen Preisen lag die Börse am Freitag auf dem Niveau von 1993. Ihr offizieller PX 50-Index sank um 3,4% auf nunmehr 383,3 Punkte. Kurz nach Öffnung der Börse am Freitagmorgen sah es zeitweise sogar nach einem unkontrollierbaren Preisabsturz aus. Vorübergehend bestand die Gefahr, den Handel mit den meistverkauften Aktien ganz einstellen zu müssen. Nach Ansicht von Experten erlebte die Prager Börse am Freitag die grössten Kursschwankungen ihrer Geschichte. Westliche Börsenkenner gehen davon aus, dass die Ausverkaufswelle an den mitteleuropäischen Aktienmärkten auch in der kommenden Woche noch anhalten wird. Im Gegensatz zum Prager Aktienmarkt erstarkte die tschechische Währung am Freitag um 28 Heller und liegt nun bei 18,44 Kc für eine D-Mark.

Global Street Party in Prag

Die Global Street Party in Prag, an der am Samstag nach vorliegenden Meldungen zwischen 1000 und 1500 zumneist junge "Oko- Aktivisten aus dem In- und Ausland teilnehmen, ist zumindest in ihrer ersten Phase ruhig und ohne Zwischenfälle verlaufen. Die Demonstranten wollen gegen den übermässigen Autoverkehr in Prag sowie gegen die Globalisierung der Wirtschaft protestieren. Nachdem es bei der ersten Prager Global Street Party im vergangenen Mai zu einer Strassenschlacht zwischen Demonstranten und Ordnunsgkräften gekammen war, hat die Polizie dieses Mal 1000 Beamten aufgeboten, um einen ruhigen Verlauf der Demonstration sicherzustellen. Bei Readaktionsschluss dauerte die Demonstration noch an.

Exodus tschechischer Roma nach Grosbritannien

Im Zusammenhnag mit der nach wie vor ungebrochenen Ausreisewelle tschechischer Roma nach Grosbritannien hat die britische Regierung erneut Kontakt mit den tschechischen Behörden aufgenommen. Wie das britische Innenministeriums am Freitag bekanntgab, haben 600 Roma aus der Tschechischen und der Slowakichen Republik alleine in diesem Monat um politisches Asyl ersucht. Die Roma begründen ihren Asylantrag mit der Behauptung, in ihrer Heimat Opfer von Skinhead-Angriffen gewesen zu sein. Bereits Ende Juli hatte die britische Regierung verschärfte Einwanderungsbestimmungen angekündigt.

Umweltminister besucht Böhmerwald

Umweltminister Milos Kuzwart besucht an diesem Wochenende den Böhmerwald, um sich einen Überblick über das von Borkenkäfern verursachte Waldsterben zu verschaffen. Das heutige Borkenkäfer-Problem des Böhmerwaldes ist nach Meimung von Forstexperten das Resultat der dortigen massiven Abholzung im vorigen Jahrhundert im Verein mit der anschliessenden einseitigen Wiederaufforstung ausschliesslich mit Fichten. Es soll nun versucht werden, durch entsprechende Aufforstungsmassnahmen den ursprünglichen natürlichen Zustand des Böhmerwaldes wiederherzustellen.

130. Eisnebahnjubiläum

Mit Sonderfahrten auf alten Originaldampfloks sowie mit anderen Attraktionen wurde am Samstag im südböhmischen Ceske Budejovice/ Budweis eines besonderen Jubiläums gedacht. Vor genau 130 Jahren wurde der Eisenbahnbetrieb auf der Strecke Budweis-Pilsen aufgenommen. Diese Eisenbahntrasse war seinerzeit Bestandteil der sogenannten Kaiser Franz-Josef -Bahn von Wien über Cheb/Eger nach Sachsen. Die Jungfernfahrt am 1. September 1868 von Budweis nach Pilsen hatte 7 Stunden und 36 Minuten gedauert. Ein heutiger Schnellzug schafft diese Strecke - einschliesslich der Wartezeiten auf den Bahnhöfen - in einer Stunde und dreizehn Minuten.

Sie hörten die Nachrichten von Radio Prag.