Nachrichten Sonntag, 01. Oktober, 2000

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Von Lothar Martin

Vor mehreren tschechischen Botschaften in Europa wurde protestiert

Am Freitag kam es vor mehreren diplomatischen Vertretungen der Tschechischen Republik in Europa zu Protestkundgebungen. Die Proteste von jeweils bis zu 50 Menschen richteten sich dabei gegen die anhaltende Festnahme von radikalen Globalisierungsgegnern, die bei den von Ausschreitungen begleiteten Demonstrationen gegen den Internationalen Währungsfonds (IWF) und die Weltbank zurückliegende Woche in Prag von der tschechischen Polizei festgenommen worden sind. Die Protestkundgebungen vor den tschechischen Botschaften in Berlin, Bern, Madrid, Paris, Rom, Stockholm und Wien sowie dem tschechischen Konsulat in Dresden nahmen alle einen friedlichen Verlauf.

Prager Bürger nach Randale enttäuscht von Globalisierungsgegnern

Nach den von heftigen Ausschreitungen begleiteten Demonstrationen von Globalierungsgegnern gegen IWF und Weltbank am Dienstag in Prag ist einer Umfrage der Agentur Gallup zufolge die Anzahl der Prager, die mit den Demonstrierenden sympathisieren, drastisch gesunken. Waren es vor den Ausschreitungen noch 29 Prozent der Befragten, die den Globalisierungsgegnern ihre Unterstützung aussprachen, so waren es danach nur noch 17 Prozent. Zum Einschreiten der Polizei meinte rund die Hälfte der Prager, dass es angemessen war, während die andere Hälfte den Zugriff als unzureichend empfand. Kein einziger Prager äußerte sich jedoch dahingehend, dass das Eingreifen der Polizei überzogen gewesen wäre.

Tschechische Abgeordnete geteilter Meinung zu Referendum in Dänemark

Das Ergebnis des Referendums in Dänemark, bei dem die Skandinavier den Beitritt ihres Landes zur Europäischen Währungsunion abgelehnt haben, bewerteten tschechische Abgeordneten zum Teil als Enttäuschung oder aber als Bestätigung dessen, dass die optimistischen Äußerungen über einen relativ problemlosen Verlauf der europäischen Integration nicht den Tatsachen entsprechen. Als legitim erachtet der Vorsitzende des Abgeordnetenhauses Vaclav Klaus die von den Dänen getroffene Entscheidung. "Das Projekt der gemeinsamen europäischen Währung wurde in vielerlei Hinsicht übereilt vorangetrieben, so dass es ganz einfach legitim ist, wenn sich irgendein Land dafür entscheidet, nicht an dieser Währung teilzuhaben. Und Dänemark wählte dazu die Methode, die gerecht ist - ein Referendum," sagte Vaclav Klaus am Freitag vor Journalisten in Prostejov.

Demonstration gegen Atomkraftwerk Temelin im südböhmischen Budweis

Etwa 150 Menschen haben am Freitag in der südböhmischen Stadt Ceské Budejovice/Budweis gegen die geplante Inbetriebnahme des nahegelegenen Atomkraftwerks Temelin demonstriert. Zu der Kundgebung seien zahlreiche Teilnehmer aus Österreich und dem deutschen Bundesland Bayern gekommen, meldete die tschechische Nachrichtenagentur CTK. Zu der Veranstaltung hatte die nicht im Parlament vertretene Partei "Union für Europa" aufgerufen.

Während der Kundgebung erinnerten Sprecher an den schweren Unfall im Atomkraftwerk Tschernobyl (Ukraine) und forderten von der Regierung in Prag den Verzicht auf den "sicherheitstechnisch bedenklichen" Meiler. Die tschechische Regierung hatte vor wenigen Tagen versprochen, das umstrittene Kraftwerk erst nach Beseitigung aller technischen Probleme in Betrieb zu nehmen.

Prag erhält Denkmal zur Erinnerung an die Opfer des Kommunismus

Elf Jahre nach der "Samtenen Revolution" erhält Prag ein "Denkmal für die Opfer des Kommunismus". Von 15 Vorschlägen sei die Idee des renommierten tschechischen Bildhauers Olbram Zoubek gewählt worden, berichtete die tschechische Tageszeitung "Mlada fronta Dnes" am Freitag. Zoubek plane eine Installation aus mehreren Bronze-Figuren mit beschädigten Gliedmaßen.

Das Denkmal soll spätestens im kommenden Jahr im Stadtzentrum enthüllt werden und "die Gewalt symbolisieren, die eine Ideologie gegenüber dem Individuum ausübt", hieß es.

Speerwurf-Olympiasieger Zelezny wurde ins IOC gewählt

Der tschechische Leichtathlet und dreifache Olympiasieger im Speewerfen Jan Zelezny zog am Samstag in Sydney als einer von sieben Athleten-Vertretern für vier Jahre in die Vollversammlung des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) ein. Die acht Athleten waren von den in Sydney teilnehmenden Sportlern in die Athleten-Kommission gewählt worden und hatten dadurch ein imperatives Mandat bekommen. Zusammen mit drei Wintersport-Vertretern gehören nun elf "aktive Athleten" dem IOC an.

Tag der Eisenbahn wurde am Samstag in Tschechien veranstaltet

Die tschechische Eisenbahngesellschaft Cesky drahy (CD) hat am Samstag landesweit den "Tag der Eisenbahn" veranstaltet. Für die Reisenden und alle Eisenbahnfans wurden eine Vielzahl von Ausstellungen, Exkursionen, Fahrten von historischen Zügen und weitere Aktionen angeboten. Alle Reisenden kamen in den Genuss einer 50-prozentigen Fahrpreisermäßigung, falls sie für ein Reiseziel innerhalb des Landes Hin- und Rückfahrt gebucht hatten. Im Rahmen des Tages der Eisenbahn wurden auch mehrere Streckenjubiläen begangen, darunter das 150-jährige Jubiläum der Eisenbahnstrecke zwischen Decin/Tetschen und Prag.