Nachrichten Sonntag, 10. September, 2000

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Von Marketa Maurova

Havel stellte seine Vision der zukünftigen UNO vor

Der tschechische Präsident Vaclav Havel hat am Freitag eine Rede auf dem UN- Milleniumsgipfel in New York gehalten. Er fasste darin seine Vorstellungen über die zukünftige Aufgabe und Gestalt der wichtigsten Institutionen der UNO zusammen. Etwa in 100 Jahren könnte eine Versammlung der Organisation der Vereinigten Nationen existieren, die von allen Bewohnern der Erde direkt gewählt worden wäre, äußerte Havel. Dieser Körper würde dann gemeinsam mit Repräsentanten einzelner Regierungen die "Weltlegislative" schaffen, setzte er fort. Im Zusammenhang mit dem verlaufenden Milleniumsgipfel bemerkte Havel, dass sich die Politiker mehr mit Problemen der Zivilisation befassten, als ob sie sich deren Dringlichkeit bewusst wären.

Havel begrüßt jede Expertise des AKWs Temelin

Die Sicherheit des AKWs Temelin steht im Interesse aller Leute, erklärte am Freitag in New York der tschechische Präsident Vaclav Havel in Reaktion auf die Resolution des Europa-Parlaments zum südböhmischen Kernkraftwerk. Havel werde deswegen jede weitere Expertise begrüßen. "Was ich wichtig finde, ist, dass die Expertisen wirklich objektiv, sachlich, konkret und nicht durch Emotionen beeinflusst sind", fügte Havel hinzu.

Zeman und Klaus lehnen die Resolution des Europa-Parlaments ab

Der tschechische Premier Milos Zeman bedauert, dass der Annahme der Resolution zum AKW Temelin im Europa-Parlament keine Diskussion mit tschechischen Abgeordneten vorausgegangen war. Wie Zeman am Freitag sagte, hat ihm die Vorsitzende des Europa-Parlaments eine solche Debatte in ähnlichen Fällen versprochen. Auch der Vorsitzende des tschechischen Abgeordnetenhauses, Vaclav Klaus, hält die Resolution für eine ungerechte Beurteilung. "Es handelt sich um eine äußere Beurteilung, eine Beurteilung ohne Informationen, eine Beurteilung über uns ohne uns, und ich bin in keinem Fall bereit, sich damit zu versöhnen," sagte Klaus gegenüber der Nachrichtenagentur CTK.

Deutsche Öko-Aktivisten protestieren gegen das AKW Temelin

Öko-Aktivisten in Deutschland haben sich den Protestaktionen der österreichischen Gegner des südböhmischen Kernkraftwerks Temelin symbolisch angeschlossen. Etwa 60 Aktivisten aus dem bayrischen Naturschutzverein haben sich am Samstag Vormittag zu einer Kundgebung am Grenzübergang Strazny-Phillipsreut versammelt. Sie äußerten damit ihre Unterstützung dem massiven Widerstand der Österreicher, die in der vergangenen Woche zwei Blockaden der tschechisch-österreichischen Grenze veranstalteten. Unter den Protestierenden in Phillipsreut war u.a. der Sprecher der Oberösterreichischen Plattform gegen die Atomgefahr, Josef Pühringer. Temelin sei nicht nur ein österreichisches, sondern ein gesamteuropäisches Thema, sagte er gegenüber der Nachrichtenagentur CTK.

Europa-Tag in Kladno

Im mittelböhmischen Kladno wurde am Samstag ein "Tag der Stadt Kladno" veranstaltet. Hauptpunkt auf dem Programm war die Informationskampagne über den EU-Beitritt der Tschechischen Republik. Der Hauptunterhändler für die europäische Integration, Vizeaußenminister Pavel Telicka, überzeugte die Bewohner Kladno von Vorteilen des EU-Beitritts. Ähnliche Europa-Tage fanden bisher in 16 Städten der Tschechischen Republik statt.

Tage des europäischen Erbes

Etwa 800 Denkmäler Tschechiens, die normalerweise zum Großteil geschlossen sind, werden an diesem Wochenende für die Öffentlichkeit unzugänglich gemacht. Dazu kommt es im Rahmen der sog. "Tage des europäischen Erbes", die im letzten Jahr mehr als eine halbe Million Besucher in Burgen, Schlösser, Kirchen, Museen und weitere Baudenkmäler lockten.

Wetter

Abschließend der Wetterbericht. Am Sonntag soll es leicht bewölkt sein, in Morgenstunden kann Nebel vorkommen. Die Nachttemperaturen liegen zwischen 11 und 7 Grad, die Tageshöchstwerte steigen auf 21 bis 25 Grad Celsius.