Nachrichten Sonntag, 30. August, 1998

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Ahoj und willkommen, liebe Hörer, bei einer neuen halben Stunde in deutscher Sprache auf den Wellen von Radio Prag. Gute Unterhaltung und einen ungestörten Empfang bei unserem Wochenendprogramm wünscht Franz-Josef Balkhausen. Zunächst die Nachrichten:

Irak fordert von Prag SFE-Sendeverbot

Der Irak hat die tschechische Regierung am Sonntag aufgefodert, die guten gemeinsamen Beziehungen nicht zu gefährden und das Ausstrahlen von Sendungen des Senders Freies Europa aus Prag in den Irak zu untersagen. Wie es in der Samstagsausgabe der irakischen Tageszeitung As- Saura, dem Presseorgan der irakischen Regierung, heisst, sehe man keinen Grund dafür, warum sich die tschechischen Behörden an diesem "amerikanischen Komplott" beteiligen sollten, das die fruchtbaren Beziehungen zum Irak zerstören würde. Die Tschechische Republik könne aus den künftigen Beziehungen zum Irak Gewinn ziehen. Während der Sender Freies Europa vom 1.September an in den Iran sendet, wurde über eventuelle Sendungen in den Irak bislang noch nicht definitiv entschieden.

Das Thema Sender Freies Europa bildete auch eines der Themen, über die Präsident Vaclva Havel am Samstag mit Premierminister Milos Zeman im Rahmen der Radio-Sendereihe "Gespräche aus Lany" diskutierte. Während der Premier es als unmöglich bezeichnete, dass der Sender Freies Europa ohne vorhergende Konsultationen mit der Regierung über eine Ausstrahlung in den Irak entscheide, da hiervon auch die Sicherheit des Landes betroffen sei, betonte Vaclav Havel, der Sender könne sehr wohl ohne vorhergehende Konsultationen selbst darüber entscheiden, in welchen Sprachen er wohin sende. Der Sender Freies Europa, eine vom amerikanischen Kongress finanzierte internationale Non-Profit-Organisation, hatte seinen Sendebetrieb 1995 von München nach Prag verlegt.

Havel - Zeman - Geheimdienste

Auch beim Thema tschechische Geheimdienste gingen die Meinungen von Präsident und Premier im besagten Rundfunkgespräch auseinander. Während Milos Zeman sich dafür aussprach, die jetzigen vier verschiedenen Geheimdienste zu zwei - einem zivilen und einem militärischen Geheimdienst zusammenzufassen, verwies der Präsident darauf, dass unter den verschiedenen Geheimdiensten eine gewisse Konkurrenz aufrechterhalten werden müsse. Ausserdem besässe - so Havel - jeder Staat mehrere Geheimdienste.

Rückzahlungsmodus russischer Schulden

Einen Teil seiner Schulden gegenüber der Tschechischen Republik will Russland in Form von Ersatzteilen zurückzahlen. Der tschechische Verteidigunsgminister Vladmir Vetchy sagte dies am Samstag im Rahmen seines Besuchs der 5. Internationalen Flugtage in Hradec Kralove/Königgrätz. In Frage kämen für eine solche alternative Schuldentilgung beispielsweise Lieferungen von Ersatzteilen für russische Mig- Düsenjäger.

Local Street Party in Prag ohne Zwischenfälle

Ruhig und ohne nennenswerte Zwischenfälle ist am Samstag die sogenannte Lokal Street Party, eine Demonstration von mehreren links-alternativen Gruppen gegen die Globalisierung der Wirtschaft, verlaufen. Zwischen zwei- und viertausend Öko-Aktivisten waren zu dieer Kundgebung aus dem In- und Ausland nach Prag gekommen. Ein 1000-köpfiges Polizeiaufgebot hatte die gesamte Aktion, die bis in die späten Abendstunden andauerte, begleitet.

Dubcek: Gedenkplakette an Autobahn D1

An der Autobahn D1 von Prag nach Brünn ist am Sonntag in Höhe der mährischen Stadt Humpolec eine Gedenkplakette für den slowakischen Politiker Alexander Dubcek angebracht worden. Dubcek war am 1.September 1992 an dieser Stelle verunglückt und zwei Monate später seinen Verletzungen erlegen. Dubcek hatte 1968 als Vorsitzender der Kommunistischen Partei einen "Sozialismus mit menschlichem Antlitz" schaffen wollen, war jedoch nach der Niederschlagung des Prager Frühlings in die Forstverwaltung von Bratislava abgeschoben worden. Bis heute unbestätigten Gerüchten zufolge sollen ehemalige tschechoskowakische Geheimdienstler und sowjetische KGB-Agenten am Unfalltod Dubceks beteiligt gewesen sein. Dubcek soll im Besitz brisanter Dokumente über den KGB gewesen sein.

Evita-Premiere in Prag

Ein grosser Publikumserfolg scheint nach dem Mega-Erfolg des Musicals Jesus Christ Superstar nun auch die tschehcische Version des Musicals Evita zu werden. Nach der Premiere des Musicals am Samstagabend in der Spirale auf dem Prager Messegelände bedankte sich das Publikum bei den Sängern, Tänzern und Musikern mit einem 17-minütigen Beifallssturm.

Sie hörten die Nachrichten von Radio Prag.