Babiš: „Habe Erklärung zu Sudetendeutschem Tag nicht gründlich gelesen“

Tschechiens Premier Andrej Babiš (Partei Ano) hat eigener Aussage nach die Parlamentserklärung, in der die Organisatoren des Sudetendeutschen Tages in Brno / Brünn zur Absage der Veranstaltung aufgefordert werden, nicht gründlich gelesen. Dies sagte er der Zeitung Deník in einem am Dienstag veröffentlichen Videointerview. Babiš, der bei der Abstimmung über die Erklärung vergangene Woche so wie die meisten Minister nicht persönlich anwesend war, betonte in dem Gespräch, dass die Deklaration nicht negativ gegen Deutschland gerichtet sei.

In dem Interview bezeichnete Babiš die Ausrichtung des Sudetendeutschen Tages in Tschechien erneut als Fehler. Er habe über den deutschen Botschafter in Prag versucht, auf die deutschen Politiker einzuwirken, nicht nach Brünn anzureisen, so Babiš.

Der Sudetendeutsche Tag in Brünn wird am Donnerstag eröffnet. Redner sind unter anderem der deutsche Innenminister Alexander Dobrindt und der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (beide CSU). Letzterer sagte am Dienstag, der Sudetendeutsche Tag sei immer ein Angebot zur Versöhnung gewesen und dies gelte besonders in diesem Jahr. Er bedauere die radikalen Stimmen aus Tschechien, so der Ministerpräsident nach der Sitzung der bayerischen Landesregierung.

Wie Babiš am Dienstag im Interview mit der Zeitung Deník sagte, werde er selbst nicht an der Veranstaltung teilnehmen. Stattdessen kündigte der tschechische Premier an, am Sonntag nach Lidice zu fahren. Der Ort wurde während des Zweiten Weltkriegs von den Nationalsozialisten ausgelöscht, alle männlichen Einwohner wurden bei dem Massaker erschossen.