Tschechisches Arbeitsministerium verschärft Kriterien für Umschulungen – Experten kritisieren geringe Quote
Wer sich in Tschechien derzeit umschulen lassen will, muss immer häufiger mit einer Ablehnung rechnen. Das Arbeits- und Sozialministerium hat die Kriterien für solche Qualifizierungsmaßnahmen verschärft.
Arbeitnehmer in Tschechien sind derzeit so sehr an Veränderungen im Job interessiert wie nie zuvor. Grund sind viele neue Anforderungen, die von den Arbeitgebern gestellt werden. Tomáš Ervín Dombrovský ist Arbeitsmarktanalytiker bei Alma Career und sagt:
„Wenn die Menschen nach zwei bis drei Monaten immer noch keinen neuen Arbeitsplatz gefunden haben, dann überlegen sie schon, ihre Qualifikationen zu erweitern oder in ein anderes Fachgebiet zu wechseln, in dem eine Nachfrage nach Arbeitskräften besteht. Und mit diesem Ziel stellen sie einen Antrag auf Umschulung.“
Die Zahlen zeigen indes, dass viele dieser Anträge abgelehnt werden. Während in der ersten Hälfte dieses Jahres knapp 5000 Arbeitnehmer eine Qualifizierungsmaßnahme begonnen haben, waren es im selben Zeitraum 2025 noch über 30.000 – also sechsmal so viele. Aktuell gebe es einen historischen Niedrigstand, urteilt Dombrovský.
Keine EU-Gelder mehr
Dahinter steht eine veränderte Herangehensweise der Arbeitsämter in Tschechien, als sie zuvor viele Jahre lang gepflegt wurde. Damals wurden auch Menschen in Beschäftigung beziehungsweise gut qualifizierte Leute dazu motiviert, sich weiterzubilden. Das sollte den Arbeitsmarkt flexibler machen und mehr Beschäftigte auf den Strukturwandel vorbereiten.
Die mittlerweile geringere Zahl an Qualifizierungsmaßnahmen erklärt das Arbeits- und Sozialministerium mit Änderungen bei der Finanzierung. So seien die EU-Gelder ausgegangen, und auch das Haushaltsprovisorium in den ersten Monaten dieses Jahres habe dazu beigetragen. In einer schriftlichen Antwort an den Tschechischen Rundfunks schreibt das Ressort des Weiteren:
„Die Zahl jener, die mit den Maßnahmen unterstützt werden, halten wir nicht für die einzige Kennziffer, um den Erfolg des Systems zu beurteilen. Entscheidend ist, ob eine Umschulung auch wirklich zu einer nachfolgenden Beschäftigung führt. Der zahlenmäßige Rückgang der unterstützten Personen in der ersten Hälfte dieses Jahres ist vor allem Folge der oben genannten Umstände, nicht aber von Einschränkungen im System der Qualifizierungsmaßnahmen.“
Kritische Unterbeschäftigung
Das Ministerium hatte im Frühjahr zudem darauf hingewiesen, dass es sich auf Branchen mit kritischer Unterbeschäftigung konzentrieren werde. Genannt wurden dabei soziale Dienste und das Gesundheitswesen, zudem handwerkliche und technische Berufe. Laut Tomáš Ervín Dombrovský klappt aber selbst das nicht richtig…
„Aus den Rückmeldungen, die ich von Antragstellern bekommen habe, geht hervor, dass selbst jene abgelehnt wurden, die Umschulungen genau in diesen Bereichen machen wollten. Dabei wurde vom Arbeitsamt etwa auf ihre bereits erreichte Berufsbildung verwiesen oder darauf, dass sie keine Zusicherung eines Arbeitsplatzes hatten. Aber selbst jene Menschen, die eine solche Zusicherung hatten, wurden zurückgewiesen“, so der Analytiker.
Kosten zeigen sich später
Die derzeitige Praxis wird auch vom Verband für Berufsbildung kritisiert. Tomáš Langer ist der Vorsitzende dieser Vereinigung der Bildungsinstitutionen und warnt vor den möglichen Folgen:
„Wenn der Staat in der aktuellen Lage die Gelder kürzt, wird er letztlich nicht sparen, sondern die Kosten nur auf später verschieben. Denn diese tun sich in der Zukunft in Form von Ausgaben für Arbeitslosenunterstützung und Sozialleistungen auf.“
Lehnt das Arbeitsamt es ab, eine Qualifizierungsmaßnahme zu fördern, kann ein Interessent diese natürlich trotzdem wahrnehmen. Nur muss er sie dann selbst bezahlen. Für die meisten Arbeitslosen dürfte dies allerdings nicht in Frage kommen, weil die Kurse teuer sind. Eine profunde Umschulung kostet in Tschechien zwischen 50.000 und 80.000 Kronen (2000 bis 3300 Euro).

