Arbeitsmarkt in Tschechien: Umschulung bietet neue Perspektiven

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Insgesamt 8000 Menschen ohne Beschäftigung haben in Tschechien im vergangenen Jahr eine Umschulung absolviert. Der Staat hat sie dabei mit einem Zuschuss in Höhe von 50.000 Kronen (1900 Euro) gefördert.

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Jana aus der Region um Ostrava / Ostrau hat 38 Jahre lang in einem Büro gearbeitet. Kurz vor der Rente verlor sie ihre Arbeit und musste nach neuer Beschäftigung suchen. Die Büroarbeit kam für sie nicht mehr in Frage, da sie sich um ihre Mutter mit Behinderung kümmern muss. Sie ersuchte beim Arbeitsamt um die Förderung für einen Umschulungskurs, um Joga-Lehrerin werden zu können.

„Dank dem Umschulungskurs werde ich neben den Pflegezuschüssen für ihre Mutter noch etwas Geld verdienen können und bleibe in meinem Alter aktiv.“

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Ihrem Antrag musste Jana einen detaillierten Plan beilegen. Sie will Joga-Lektionen vor allem in Gemeinden in der Umgebung von Ostrau und Frýdek-Místek anbieten:

„Ich will Räume in kleinen Dörfern anmieten und den dortigen Bewohnern Joga näherbringen. Viele Menschen in meinem Alter haben Angst, damit anzufangen. Sie denken, es sei nichts für sie. Das Gegenteil ist aber wahr.“

Jana musste im Antrag belegen, dass sie eine Beziehung zu Joga habe. Sie beschäftige sich damit seit 20 Jahren, sagt sie.

Arbeitsamt  (Foto: Daniel Burda,  Archiv des Tschechischen Rundfunks)

Arbeitslose haben zwei Möglichkeiten: Entweder wählen sie einen der vom Arbeitsamt angebotenen Kurse. Oder sie suchen sich selbst einen Kurs je nach eigenem Interesse aus. Im vergangenen Jahr haben 8000 Arbeitssuchende an einem Umschulungskurs teilgenommen, wie die Sprecherin des Arbeitsamtes, Kateřina Beránková, gegenüber dem Tschechischen Rundfunk sagte:

„Für eine Umschulung oder Weiterbildung entscheiden sich am häufigsten Facharbeiter, Menschen mit Abitur oder mit Grundausbildung. Dabei überwiegt die Altersgruppe über 50 Jahre.“

Jana Maláčová  (Foto: Archiv des Regierungsamtes der Tschechischen Republik)

Die Ministerin für Arbeit und Soziales, Jana Maláčová (Sozialdemokraten), erwartet, dass das Interesse für Umschulungskurse in den nächsten Monaten steigen wird:

„In Tschechien kommt es landesweit zu deutlichen Strukturänderungen. Beim Kohleförderer Sokolovská uhelná zum Beispiel wurden viele Menschen entlassen. Auch das Bergbauunternehmen OKD plant massenhafte Entlassungen. Das Interesse an Umschulungen ist hoch.“

Die Führerschein-Kurse, Computer-Schulungen und Lehrgänge für Pflegepersonal waren im vergangenen Jahr am meisten gefragt. Das Interesse ist laut Ministerin Maláčová im Bereich der Sozialdienste am höchsten:

Industrie 4.0  (Foto: Patrik Salát,  Archiv des Tschechischen Rundfunks)

„Das ist der beste Weg, um von den Strukturänderungen nicht betroffen zu werden, die den Arbeitsmarkt in Folge von Digitalisierung und Industrie 4.0 in den nächsten Jahren wesentlich umformen. Der Pflegeberuf wird einer der sichersten überhaupt sein.“

Zudem setzten viele Interessenten auf Umschulungen bezüglich Informationstechnologien, sagt der Arbeitsmarkt-Analyst Tomáš Surka von der Firma Quanta Human Resources:

Tomáš Surka  (Foto: Archiv Quanta Human Resources)

„In letzter Zeit steigt das Interesse für den IT-Sektor. Die Bewerber betrachten ihn als eine stabile Branche, die langfristig im Aufschwung ist. In diesem Bereich herrscht ein dauerhafter Arbeitskräftemangel.“

Die Bewerber müssen mehrere Bedingungen erfüllen, um Anspruch auf die Förderung vom Staat bei der Umschulung zu haben: Sie müssen beim Arbeitsamt gemeldet sein und belegen, dass der Kurs ihre Chance auf Beschäftigung erhöht. Daneben müssen sie gesund und imstande sein, die neuen Erkenntnisse zu erlernen.