Eisenbahnunglück im Osten Tschechiens: Bodensanierung nach Benzol-Unfall wird Jahre dauern

Es ist eine Umweltkatastrophe, wie es sie in Tschechien noch nicht gegeben hat. Am Freitag voriger Woche entgleiste in Mähren ein Güterzug, der mit giftigem Benzol beladen war. Die Chemikalie gelangte in den Boden und ins Grundwasser. Sie von dort wieder zu entfernen, wird Jahre dauern.

„In den letzten 30 Jahren hat es in ganz Europa keine vergleichbare Havarie gegeben“, sagte Umweltminister Petr Hladík (Christdemokraten) am Donnerstag bei einem Besuch an der Unfallstelle.

Zu dem Eisenbahnunglück war es vergangene Woche Freitag gekommen. Im mährischen Hustopeče nad Bečvou entgleiste ein Güterzug, der mit über eintausend Tonnen des giftigen Stoffes Benzol beladen war. 15 der insgesamt 17 Kesselwagen gingen sofort in Flammen auf. Der schwarze Rauch hing stundenlang in der Luft, Hunderte Feuerwehrleute waren im Einsatz.

Was ist Benzol?

Benzol ist eine farblose Flüssigkeit, die leicht entzündlich ist und bei der Koksproduktion für die Stahlindustrie anfällt. Für den Menschen ist sie krebserregend. Benzol wird vor allem als Ausgangsstoff in der Chemieindustrie verwendet, unter anderem bei der Herstellung von Kunststoffen, Farbstoffen und Lösungsmitteln.

Verletzt wurde bei dem Unglück zwar niemand, große Mengen des Benzols gelangten aber in den Boden. Und deshalb sind auch eine Woche später immer noch über 100 Feuerwehleute vor Ort. Karel Kolářík ist Feuerwehrchef im Kreis Olomouc / Olmütz und sprach am Freitagmorgen im Rundfunkinterview von einem anstrengenden Einsatz, den so noch nie jemand erlebt habe:

„Wir müssen bei der Arbeit  einen Chemikalienschutzanzug tragen. Diejenigen, die in der Gefahrenzone sind, haben dort immer nur 20 Minuten. Dann müssen sie zurück und durch die Dekontaminationsschleuse, weil ihre Druckluftflaschen leer sind.“

Eine der Hauptaufgaben der Feuerwehrleute war es in den vergangenen Tagen, das verbleibende Benzol aus den Wracks der Kesselwagen zu entfernen. Insgesamt wurden 360 Tonnen des Stoffes abgepumpt. Der Rest verbrannte oder gelangte in den Boden. Um die noch verbleibenden Rückstände des Benzols aus den Waggons zu entfernen, setzen die Einsatzkräfte derzeit auf einen Dampfgenerator.

Die Feuerwehr und weitere Spezialisten haben vor Ort aber auch 20 Sondierungsgruben ausgehoben. Einige sind bis zu vier Meter tief. Nun wird das verseuchte Grundwasser daraus abgepumpt. Der Leiter der Tschechischen Umweltinspektion (ČIŽP), Petr Bejček, sagte dazu am Donnerstagmittag:

Petr Bejček | Foto: René Volfík,  iROZHLAS.cz

„In einer Grube haben wir 630 Mikrogramm je Liter gemessen, was einer tödlichen Konzentration entspricht. Der Grenzwert liegt bei 50. Es handelt sich also um einen hohen Wert, der in den letzten 24 Stunden aber nicht gestiegen ist. Das kann sich ändern, wenn das Wetter umschwingt. Aber aktuell sind die Bedingungen günstig.“

Ein Sprecher der Eisenbahnfeuerwehr informierte am Freitag, die Wracks der Waggons könnten womöglich schon am Wochenende abtransportiert werden. Aber selbst wenn die Wagen entfernt und verschrottet sind, werden die Arbeiten in Hustopeče nad Bečvou noch weitergehen. Petr Mothejl vom Unternehmen Dekonta, das vor Ort ebenfalls im Einsatz ist, teilte der Presseagentur ČTK mit, es werde mindestens zwei Jahre dauern, um die Giftstoffe aus dem Boden und dem Grundwasser zu entfernen. Das Benzol konnte zudem in einem nahegelegenen See nachgewiesen werden.

Foto: HZS Olomouckého kraje

Mittlerweile untersucht auch die tschechische Polizei den Vorfall. Man habe Ermittlungen wegen des Verdachts der fahrlässigen Allgemeingefährdung aufgenommen, hieß es am Samstag. Der Leiter der Bahninspektion, Jan Kučera, informierte nun, der Güterzug habe die vorgegebene Höchstgeschwindigkeit überschritten. Statt mit maximal 40 fuhr er mit 95 Stundenkilometern an einem Signal kurz vor der Unfallstelle vorbei. Kučera warnte aber davor, daraus voreilige Schlüsse zu ziehen:

„Die Bahninspektion untersucht nur die Unfallursache und nicht, wer für eine Straftat verantwortlich ist. Derzeit können wir einen technischen Schaden an der Lok oder den Wagen nicht ausschließen. Dass der Zug zu schnell war, heißt also nicht, dass der Triebfahrzeugführer Schuld hat.“

Umweltminister Petr Hladík zufolge wurden weder im Trinkwasser noch in der Luft Spuren des Benzols gefunden. Der materielle Schaden nach dem Unglück wird derzeit auf mindestens 235 Millionen Kronen (9,4 Millionen Euro) beziffert. Wann die Eisenbahnstrecke wieder freigegeben werden kann, ist derzeit noch unklar.

Autoren: Ferdinand Hauser , Vladimír Onderka
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