Schienenfahrzeug in Tschechien elf Kilometer lang außer Kontrolle

Ein außergewöhnlicher Vorfall hat am Mittwoch den Betrieb auf der Bahnstrecke 227 im Kreis Vysočina lahmgelegt. Ein Schienenfahrzeug kam dort von selbst ins Rollen und fuhr elf Kilometer weit.

Jan Kučera | Foto: Tereza Čistotová,  Tschechischer Rundfunk

Der Vorfall ereignete sich kurz vor 10 Uhr. In Telč setzte sich eine mechanische Schwellenziehmaschine mit Anhänger in Bewegung, nachdem der Lokführer ausgestiegen war. Nach Angaben von Jan Kučera von der Bahninspektion war die unkontrollierte Fahrt elf Kilometer lang, bis die Maschine vor Dačice hielt. Unterwegs beschädigte der Zug eine Weiche und überfuhr 15 Bahnübergänge, die lediglich mit Warnkreuzen gesichert waren. Beim Vorfall wurde niemand verletzt. Der Schaden an den Gleisen wird auf 100.000 Kronen (4000 Euro) geschätzt, denselben Wert hat auch der Schaden am Zug selbst.

Die Geschwindigkeit lässt sich Kučera zufolge nicht bestimmen, da es sich um eine Arbeitsmaschine ohne Geschwindigkeitsmesser handelte. Drei Mitarbeiter der Bahninspektion haben die Ursachen und Umstände vor Ort untersucht. Der Alkoholtest des Lokführers war negativ.

„Wir ermitteln, ob ein menschliches oder ein technisches Versagen vorlag“, so Inspektor Kučera.

Foto: Drážní inspekce

Ähnliche Fälle gab es hierzulande bereits in der Vergangenheit. So kam beispielsweise im Mai 2024 in der Nähe von Klínec bei Prag ein leerer Personenzug von selbst ins Rollen. Er fuhr über fünf Kilometer weit und passierte vier Bahnübergänge mit einer Geschwindigkeit von bis zu 100 Stundenkilometern. Im Februar 2019 setzte sich in Velké Meziříčí ein Personenzug mit elf Fahrgästen ebenfalls von selbst in Bewegung und rollte mehrere Kilometer weit, niemand wurde verletzt.