Muss ein Verbot wirklich sein? Tschechische Regierung will Handynutzung an Schulen untersagen
Auch in der Unterrichtspause sollen die Schüler miteinander reden und nicht nur auf ihre Telefone schauen. Darauf zielt die Regierung von Premier Andrej Babiš (Partei Ano) ab, wenn sie nun per Gesetz ein Handyverbot an den Schulen in Tschechien durchsetzen will. Dabei gibt es aber auch hierzulande Beispiele, wie eine Regulierung ohne Verbote funktionieren kann.
Frankreich, Österreich oder auch Griechenland: In mehr als der Hälfte der EU-Staaten sind Smartphones in den Schulen bereits verboten. Dem will sich Tschechien anschließen. In den hiesigen Vorschulen und Grundschulen sowie in den unteren Klassenstufen der weiterführenden Schulen sollen demnächst keine Mobiltelefone und anderen elektronischen Geräte mehr für die private Kommunikation oder Unterhaltung genutzt werden dürfen. Bildungsminister Robert Plaga (parteilos) begründete am Montag:
„Wissenschaftliche Studien zeigen das, aber auch der Blick in Schulen mit entsprechenden Vorgaben – es funktioniert. Die Kinder sprechen miteinander, und die Schulen leben durch die gemeinsamen Aktivitäten wieder auf. Dort wird in den Pausen nicht nur über den Bildschirm gescrollt, wodurch die Schüler im Unterricht nämlich dann unkonzentriert sind.“
Das Kabinett habe seinen Entwurf für die Novelle des Schulgesetzes am Montag einstimmig abgesegnet, informierte Plaga weiter. Der Text geht nun ins Abgeordnetenhaus, und den Plänen der Regierung zufolge soll das flächendeckende Handyverbot dann zum 1. September kommenden Jahres in Kraft treten. Ausnahmen sind nur vorgesehen für die gezielte Nutzung der Geräte im Unterricht sowie für Schüler, die bestimmte Apps zur Beobachtung ihres Gesundheitszustandes brauchen.
Die Opposition im tschechischen Abgeordnetenhaus kritisiert Plagas Novelle als überflüssig. Die Bildungseinrichtungen hätten schon jetzt Möglichkeiten, die Handynutzung durch die Schulordnung zu regulieren, so das Argument. Und tatsächlich: Nach Auskunft der Regierung haben bereits 93 Prozent der Grundschulen und Gymnasien im Land entsprechende Vorschriften implementiert. Darauf verweist auch der Kinderombudsmann Martin Beneš, der sich gegen den neuen Gesetzesabschnitt ausspricht:
„Aus meiner Sicht ist eine individuelle Lösung an den einzelnen Schulen wesentlich praktikabler. Denn dort kann das alles mit den Eltern und den Schülern durchdiskutiert werden. Das Verbot wird dann entsprechend der jeweiligen Bedürfnisse modelliert.“
Regulierte Handy-Zonen
Gute Erfahrungen macht man damit etwa in der Grundschule im mittelböhmischen Dobříš. Dort gibt es sogenannte Handy-Zonen mit klaren Benutzungsregeln. Denn Mobiltelefone gehörten inzwischen zum Alltag, betont Direktor Petr Hlinka, und er wolle die Schüler an einen nutzbringenden Umgang mit den Geräten gewöhnen:
„In den Pausen können die Telefone nur in den Handy-Zonen benutzt werden. Dabei geht es nicht um Spiele, sondern die Schüler schauen zum Beispiel gemeinsam mit ihren Eltern auf ihre Noten. Wir stellen außerdem vieles in die Classroom-App. Darin können dann die Hausaufgaben gemacht, die Stunde vorbereitet oder gelernt werden. Dadurch bringen wir den Schülern bei, das Telefon eher als Arbeitsmittel zu nutzen.“
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Er hätte es an seiner Schule auch schon mit einem Handyverbot versucht, berichtet Hlinka. Dies habe jedoch nicht automatisch dazu geführt, dass die Schüler sich mehr miteinander unterhalten hätten. Und weiter schildert der Direktor seine Erfahrungen:
„Wir haben uns auch andere Schulen angeschaut, in denen die Telefone schon jetzt verboten sind. Dort entstehen illegale Zonen im Toilettenraum, und die Lehrenden wurden eher verspottet als eine Art Polizei, die keinen Einfluss habe.“
Häufige Unterbrechungen
Besser als ein komplettes Verbot würden nach seiner Erfahrung Alternativangebote für die Pausen funktionieren, so Hlinka weiter. An der Schule in Dobříš gibt es demnach etwa Tischtennisplatten oder Basketballkörbe.
Die Gesetzessinitiative der Regierung findet bei Experten jedoch auch Zuspruch. So sagt etwa Karel Strachota, Leiter des Bildungsprogramms „Jeden svět na školách“ (Eine Welt in den Schulen) der Hilfsorganisation Člověk v tísni (Mensch in Not):
„Wir haben jeden Tag eine Veranstaltung für Lehrende. Und darum kann ich mir erlauben zu behaupten, dass es ein riesiges Problem gibt durch die Unterbrechungen der Aufmerksamkeit, wenn immer wieder nachgeschaut wird, was es Neues gibt. Dies erwähnen alle Lehrenden, und ihnen zufolge sehen die Eltern darin kein Problem. Darum sagen die Lehrenden, dass dieser Weg des Staates ihnen helfen würde.“
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