Es begann am Plöckensteinsee: Jubiläumsjahrgang zu 25 Jahren Böhmerwaldseminar
Am vergangenen Wochenende hat im Südböhmischen Museum in České Budějovice / Budweis das sogenannte Böhmerwaldseminar stattgefunden. Veranstaltet wurde es vom Münchner Adalbert-Stifter-Verein. Nach der Tagung hat Martina Schneibergová mit dem Organisator Wolfgang Schwarz gesprochen.
Herr Schwarz, zuerst Gratulation zum 25. Jubiläum der Böhmerwaldseminare! Ich war damals bei der ersten Auflage dabei. Wie ist die Idee für diese Tagungen entstanden?
„Entstanden ist es 2002 in Oberplan. Wir haben im Hof des Adalbert-Stifter-Geburtshauses den ersten Jahrgang begangen, zusammen mit Anna Knechtel, die ja auch lange beim Stifter-Verein gearbeitet hat, und Raimund Paleczek, der damals über die 125 Jahre des Obelisken über dem Plöckensteinsee einen Vortrag gehalten hat. Das Jubiläum war eigentlich der Anlass. Und es hat sich dann immer weiter fortentwickelt in verschiedenen Städten Südböhmens und des Böhmerwaldes. Wir waren fast schon überall. In diesem Jahr war es uns wichtig, dass wir in eine bisschen größere Stadt gehen. Und da haben wir mit dem Südböhmischen Museum einen wunderbaren Partner gefunden.“
Wie finden Sie immer neue Themen?
„Manches wird einem zugesandt, auch mit der Bitte vielleicht, daraus etwas zu machen. Und manches entdeckt man spontan im Laufe des Jahres. Ich erlaube mir die Freiheit, das nicht strategisch über Jahre hinaus zu planen, sondern eben auch auf aktuelle Entwicklungen zu reagieren. Gerade jetzt haben wir mit dem Programmpunkt der Schicht-Villa in Aussig ein Projekt präsentiert, das durch die Verwandtschaft neu belebt wurde. Die Villa soll künftig auch kulturell genutzt werden, in einer Stadt wie Ústí nad Labem, in der ja auch die Ausstellung über die Deutschen aus den böhmischen Ländern besteht.“
Der Böhmerwald steht weiterhin im Fokus, aber trotzdem werden auch andere Regionen besprochen…
„Grundsätzlich ist es der Charakter der Veranstaltung, dass wir alles dürfen. Obwohl es Böhmerwaldseminar heißt, bezieht sich das zum einen auf den Ort, aber zum anderen eben auch auf regionalgeschichtliche Aspekte. Wir haben jetzt hier zum Beispiel wieder das Internetportal S‘ Hohnakreiz präsentiert, das wir vor zehn Jahren schon einmal im Programm hatten. Es ist jedoch unglaublich erweitert worden und ist nicht nur literarischer Natur, sondern beinhaltet eben auch kulturwissenschaftliche und kulturell-regionale Aspekte. Oder Mikuláš Zvánovec hat über deutsche Spuren in Budweis berichtet. In einem sehr eindrucksvollen Beitrag hat er auch darüber gesprochen, wo in Budweis noch auf die Vergangenheit der deutschsprachigen Bevölkerung verwiesen wird, beziehungsweise welche Bauwerke, welche Vereine es gab. Es ist eine hochinteressante Geschichte.“
Ich habe hier einige Bekannte getroffen, aber es gab auch viele neue, junge Teilnehmer. Haben Sie auch Studenten aus Budweis zum Seminar eingeladen?
„Es waren einige Studenten aus Budweis dabei. Grundsätzlich ist es nicht ganz einfach, dass wir die Generationen gemischt vertreten haben. Die Teilnehmerzahl ist immer auf etwa 50 bis 60 begrenzt. Aber natürlich gelingt es im Laufe der Jahre auch immer wieder, so in etwa im Verhältnis 50 zu 50 neue Teilnehmer zu gewinnen, die das erste Mal da sind und sich in den allermeisten Fällen über das Format sehr angetan zeigen.“
Gehen Sie auch auf Vorschläge oder Anmerkungen der Teilnehmer ein? Gibt es ein Feedback?
„Ich habe das vor vielen Jahren angefangen und es auch einige Male gemacht. Inzwischen vertraue ich sozusagen ein bisschen mehr auf den Instinkt, aber natürlich werden Vorschläge aufgenommen. Ein Beispiel war das letztjährige Seminar in Hartmanitz, für das mir von mehreren Seiten ja auch empfohlen wurde, die dortige Synagoge als Tagungsort zu wählen. Natürlich werden diese Aspekte oder Anregungen mit einbezogen. Aber ich muss ebenso gestehen, dass ich im Laufe der Jahre ein Gefühl dafür bekommen habe, was wohl für das Publikum von Interesse ist, thematisch und aktuell ist, und welche Referenten das auch entsprechend lebendig machen.“
Ist schon bekannt, wo das nächste Treffen im Böhmerwald stattfinden wird?
„Es ist noch nicht einhundertprozentig sicher, aber wir planen es in Kvilda zu machen. Dort habe ich schon vor einigen Jahren die Möglichkeit gehabt, einen Kontakt zu knüpfen. Aber Kvilda ist auch ein Ort, in dem wir noch nicht waren. Insofern ist es sehr wahrscheinlich, dass wir dort 2027 sein werden.“
Das könnte sehr attraktiv sein. Denn Kvilda ist ein beliebter Ausgangspunkt für Sommerausflüge, aber auch für Winterwanderungen durch den Böhmerwald…
„Auf jeden Fall. Früher war es bei den Seminaren auch so, dass wir immer noch Exkursionen in die Region angeboten haben. Inzwischen haben wir das ein bisschen vernachlässigt. Aber vielleicht ist das der Anlass, diese Sache wieder ein bisschen wiederzubeleben und auch etwas auf den Spuren von Karel Klostermann oder Ähnliches miteinzubauen. Die Natur dort ist natürlich traumhaft schön.“
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