Sanfterer Schulstart: Tschechien behält Vorbereitungsklassen bei

Vorbereitungsklasse an einer der Grundschulen in Sokolov

In Tschechien werden Kinder mit sechs Jahren schulpflichtig. Während die Mehrheit regulär in die erste Klasse der Grundschule eingeschult wird, besucht ein Teil der Sechsjährigen erst einmal eine sogenannte Vorbereitungsklasse, um dann ein Jahr später die Schule zu beginnen. Diese sollte im Jahr 2029 eigentlich abgeschafft werden. Nun schlägt das Bildungsministerium jedoch vor, sie beizubehalten.

Einschulung in die erste Klasse der Grundschulen | Illustrationsfoto: Filip Jandourek,  Tschechischer Rundfunk

Ihr Sohn sei sehr ängstlich gewesen, erzählt Eva aus Prag. Sie habe gewusst, dass die Schule ein Problem für ihn werden würde, da er Veränderungen nur schwer ertrage. Der Schulstart wurde schließlich um ein Jahr verschoben, und der Sohn besuchte zunächst die Vorbereitungsklasse einer Grundschule. Er habe sich so an die Räumlichkeiten und an einige der Kinder gewöhnen können, was ihm den späteren Übergang in die erste Klasse erheblich erleichtert habe, fügt Eva hinzu.

Mehr Zeit zum Eingewöhnen

Die Kinder in der Vorbereitungsklasse gehen zwar bereits in die Grundschule. Ihr Tagesablauf ist jedoch deutlich lockerer, als der für die Erstklässler. Olga Kučerová, Schulpsychologin an der Prager Grundschule Sázavská, erklärt das Konzept so:

Olga Kučerová | Foto: Archiv der Prager Karlsuniversität

„Es geht nicht darum, dort schon Lesen, Schreiben und Rechnen zu trainieren. Die Kinder erlernen vielmehr solche Fähigkeiten, die sie brauchen, um die späteren Anforderungen in der ersten Klasse besser zu bewältigen.“

Die Vorbereitungsklassen sind für Kinder mit einem Aufschub des Schulbesuchs gedacht. Künftig soll ein späterer Schulbeginn in Tschechien jedoch nur noch aus schwerwiegenden Gründen – etwa bei gesundheitlichen Einschränkungen – möglich sein. Über eine aufgeschobene Einschulung entscheiden laut einem neuen Gesetz nicht mehr die Eltern allein, stattdessen müssen Fachärzte und Psychologen eine entsprechende Empfehlung aussprechen. Eigentlich war geplant, die Vorbereitungsklassen zum September 2029 abzuschaffen. Bildungsminister Robert Plaga (parteilos) möchte sie jedoch beibehalten.

Jana Hlavová | Foto: Michal Balák,  Tschechischer Rundfunk

Jana Hlavová ist die Vorsitzende des Verbandes der Mitarbeiter von pädagogisch-psychologischen Beratungsstellen. Ihr zufolge muss nun definiert werden, für wen die Kurse künftig bestimmt sein sollen:

„Bislang richten sich die Vorbereitungsklassen an Kinder, deren Entwicklung ausgeglichen werden soll. Angesichts der Neuregelung bei den Schulaufschüben müssen wir dieses Konzept jedoch überarbeiten. Es muss klar definiert sein, bei welchen konkreten Schwierigkeiten oder Förderbedarf wir als Schulberatungsstellen dann eine Empfehlung aussprechen können.“

Strengere Regeln für den Schulaufschub

Künftig werden demnach weniger Vorbereitungsklassen benötigt. Das Bildungsministerium betont jedoch, dass es weiterhin eine Gruppe von Kindern geben werde, für die dieses Angebot eine wichtige Unterstützung darstelle. Damit die Klassen genau dort ansetzen, wo sie wirklich gebraucht werden, müssten zunächst die Auswirkungen der strengeren Regeln für den Schulaufschub evaluiert werden. Erst danach solle das Schulgesetz entsprechend geändert werden, erklärt Ressortsprecher Ondřej Macura:

„Das Bildungsministerium wird die Auswirkungen der gerade durchgeführten Änderungen genau auswerten. Das ist praktisch erst im kommenden Schuljahr möglich, wenn diejenigen Kinder eingeschult werden, für die erstmals die strengeren Regeln für den Schulaufschub galten.“

Das Ministerium prüft zudem, ob ein Aufschub des Schulbesuchs künftig auch nachträglich gewährt werden kann. Die genaue Zahl der Kinder, die für das kommende Schuljahr tatsächlich eine Zurückstellung erhalten haben, werde im Herbst vorliegen, so das Ressort. Vor der Verschärfung der Regeln wurde der Schulstart aus unterschiedlichen Gründen bei bis zu einem Viertel aller Kinder in Tschechien um ein Jahr verschoben.

Autoren: Markéta Kachlíková , Tereza Hübscherová
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