Radetzkys Heimkehr nach Prag: Wiedererrichtung des Denkmals auf Kleinseitner Ring beschlossen
Josef Wenzel Graf Radetzky (1766–1858) war ein österreichischer Feldmarschall böhmischer Herkunft. Er gilt als einer der bedeutendsten Feldherren des 19. Jahrhunderts. Sein Denkmal stand von 1858 bis 1919 auf dem Kleinseitner Ring in Prag und soll nun dorthin zurückkehren.
Das Prager Stadtparlament hat vor Kurzem für die Rückkehr des Denkmals für Feldmarschall Radetzky auf den Kleinseitner Ring gestimmt. Dieser Entscheidung gingen eine zwanzigjährige Diskussion und intensive Bemühungen voraus, bei denen sich allen voran der Verein „Spolek Radecký Praha“ (Radetzky-Verein Prag) für das Monument einsetzte. Der Tschechische Rundfunk hat sich nun unter den Passanten auf der Kleinseite umgehört. Er spaziere oft über den Platz, sagt Prokop:
„Es wäre schön, wenn es hier etwas gäbe. Es finden ja schon die Märkte statt, die eine Ergänzung bekommen könnten. Ich würde Bänke aber wahrscheinlich mehr schätzen, aber es ist eine gute Idee.“
Auch Vladimír ist der Meinung, dass der Platz eine Aufwertung vertragen könnte:
„Hier könnte alles Mögliche schön aussehen, der Platz wirkt so karg. Es ist aber auf jeden Fall schon besser als der Parkplatz, der früher hier war. Statuen wären nicht schlecht – ich weiß nur nicht, ob es unbedingt Radetzky sein muss... Aber so eine Reiterstatue, das hätte schon was.“
Johann Josef Wenzel Anton Franz Karl Graf Radetzky von Radetz wurde 1766 auf Schloss Třebnice / Trebnitz in Mittelböhmen geboren. Nach seinem Eintritt in die kaiserliche Armee nahm der Adlige an zahlreichen Kämpfen teil, darunter auch an den Napoleonischen Kriegen. Den Höhepunkt seiner militärischen Karriere erreichte Radetzky im Revolutionsjahr 1848, als er in der Schlacht bei Custozza die Truppen des Königreichs Sardinien besiegte und damit die österreichische Herrschaft in Oberitalien sicherte. Der Feldherr starb 1858 im Alter von 91 Jahren in Mailand.
Seit 1858 stand ein Denkmal für den Feldmarschall auf dem Kleinseitner Ring. Im Jahr 1919, nach der Entstehung der Tschechoslowakischen Republik, wurde es demontiert. Einer der Gründe für die Entfernung des Monuments war Radetzkys Verbindung zur Donaumonarchie. Der Historiker Jaroslav Šebek erläutert:
„Man kann sagen, dass Radetzky einer der erfolgreichsten böhmischen Feldherren war. In Österreich ist er sehr populär, und genau das war auch der Grund, warum das Denkmal entfernt wurde: Es erinnerte schlichtweg zu sehr an die österreichische Tradition.“
Da der ursprüngliche Standort des Denkmals im südöstlichen Teil des Platzes heute von einer Straße und Straßenbahnschienen besetzt ist, soll es künftig in der Mitte der Freifläche stehen.
Die Figurengruppe ist knapp 6,80 Meter hoch und über zehn Tonnen schwer. Sie stellt Soldaten dar, die den siegreichen Feldmarschall auf einem Schild tragen. Die Originalskulptur von Emanuel und Josef Max wird derzeit im Lapidarium des Nationalmuseums gelagert. Die Prager Stadtführung hat beim Kulturministerium bereits einen Antrag auf deren Übernahme gestellt. Die Kosten für die Wiederaufstellung werden auf 15 bis 30 Millionen Kronen (620.000 bis 1,2 Millionen Euro) geschätzt, je nachdem, ob das Ministerium das Original zur Verfügung stellt oder eine Kopie angefertigt werden muss.
Laut dem Prager Stadtrat und Vorsitzenden des Kulturausschusses, Jan Wolf (Christdemokraten), handelt es sich um ein künstlerisch bedeutendes Werk, das an seinen ursprünglichen Platz zurückkehren sollte:
„Historische Persönlichkeiten, noch dazu böhmischer Herkunft und aus dem böhmischen Adel, sollten in den öffentlichen Raum zurückkehren. Es ist ja schließlich mehr als ein Jahrhundert vergangen. Daher denke ich, dass es gut wäre, wenn Feldmarschall Radetzky als der bedeutendste und erfolgreichste böhmische Feldherr wieder im öffentlichen Raum erscheint.“
Radetzky hat den Politiker von sich überzeugen können – der tschechische Komponist Antonín Dvořák hingegen nicht, obwohl der Weltruhm dieser historischen Persönlichkeit tschechischer Herkunft unumstritten ist. Im Frühjahr dieses Jahres erschien auf dem Prager Immobilienmarkt das Angebot für eine Wohnung in der Žitná-Straße, in der Dvořák über 20 Jahre lang gelebt hatte und auch starb. Obwohl der Kaufpreis niedriger war als die Kosten für die geplante Wiedererrichtung des Radetzky-Denkmals, zeigten weder das tschechische Kulturministerium noch der Kulturausschuss des Prager Magistrats Interesse an der Immobilie. Fast zeitgleich mit der Genehmigung des Denkmals wurde die Dvořák-Wohnung an einen neuen Eigentümer verkauft und dient nun als privates Apartment.








